Wenn es um China und Tibet geht, platzt den Tibetfans recht schnell die Hutschnur. Schon ein klein wenig Kritik an dem Gebaren der tibetischen Lamas und ehe man sich versieht wird man als Anhänger einer postkommunistischen Diktatur denunziert. Die von Tibetkritikern hevorgebrachten Argumente werden als haltlos bezeichnet, da ja die chinesische Regierung ebenso argumentiert. Alles in allem eine recht komfortable Position, doch, was wenn die halbwegs seriöse Presse aus Deutschland ebenfalls solch unappetitlichen Fakten ausgräbt? Was dann?
“Den Oberkörper zur traditionellen Begrüßung gebeugt, in den Händen einen buddhistischen Gebetsschal - und auf dem Kopf einen Tropenhelm mit SS-Runen: So posierten deutsche Rasseforscher 1938 bei einer NS-Expedition ins bis dahin weitgehend unerforschte Tibet. Auf dem Dach der Welt sollte die Truppe aus Nazi-Deutschland Beweise für die Herkunft der arischen Rasse finden. Der “Reichsführer-SS” Heinrich Himmler war überzeugt, dass sich im Himalaja überlebende “Arier” einer untergegangenen, prä-antiken Zivilisation aus Atlantis über die Jahrtausende gerettet hätten. Als ein krudes Indiz für diese wirre Theorie musste das Hakenkreuz herhalten, im tibetischen Kulturkreis seit Jahrhunderten ein Glückssymbol.” SPON
Klingt beinahe so als würde die prochinesische Fraktion gerade die Redaktion von Spiegel Online besetzt halten. Ist aber nicht so. Zwei Journalisten haben einfach einmal die Archive durchforstet:
“Bleibendes Zeugnis der Tibet-Expedition ist der Dokumentarfilm “Geheimnis Tibet”, den die SS-Expedition auf dem Dach der Welt drehte. Die Uraufführung fand im Januar 1943 im Münchner Ufa-Palast statt. Nicht nur der berühmte schwedische Asien-Forscher und Nazi-Sympathisant Sven Hedin war begeistert - die Exotik des Himalaja faszinierte das vom Krieg langsam zermürbte Publikum und machte den Streifen an den deutschen Kinokassen zu einem echten Schlager, ja verursachte im Reich einen regelrechten Tibet-Rausch.”
Tibet-Rausch? Den kenne ich irgendwoher. Medizinisch lässt er sich so zwischen Wahn und Halluzination verorten. Politisch zwischen linksradikal und rechtsextrem angesiedelt hat der Rausch in Deutschland seine endgültige Breitenwirkung erreicht. Doch wie bei jeder Droge wird der Kater recht bald einsetzen…
“Der Film selbst projizierte alle NS-Klischees auf die Tibeter - die friedliebende Seite des Lamaismus blieb außen vor, stattdessen startete der Film mit einem tibetischen Kriegstanz. “Ihrem Kriegsgott beweisen sie die höchste Kraft, Härte und Zucht”, so der O-Ton. Auch Totenrituale, bei denen die Leichen der Verstorbenen von Geiern verzehrt werden, und vor allem das buddhistische Glückssymbol in der Form des Hakenkreuzes, das auch “das höchste und heiligste Symbol der Deutschen” sei, hatten es den Filmemachern besonders angetan. Das Propagandaministerium verlieh dem Tibet-Film denn auch alle Prädikate, die Nazi-Deutschland zu vergeben hatte: “Staatspolitisch wertvoll”, “künstlerisch wertvoll” und “Kulturell wertvoll”.”
Tibet-Solidarität ist sogar heute noch “staatspolitisch wertvoll”. Stefan Wirner, der ehemalige Hausdrachen der linkspluralistischen Jungle World stellt dies - nach seinem übereilten Abgang aus der Redaktion - deutlich unter Beweis. Seine Parodie einer ehemals antinationalen Parole dient eigentlich nur dem Zwecke am Ende, ganz am Ende seiner politischen Irrfahrt, sein Herz für Deutschland wieder zu entdecken. Denn selbst solch erfahrene Geisterfahrer wie Wirner brauchen ein wenig Halt…