Why bad?
Es gibt genau zwei miteinander kombinierbare Möglichkeiten, ein neues Blogprojekt erfolgsversprechend zu beginnen. Entweder man schmeichelt dem anvisierten Leser so sehr, dass der Blogbesuch den Charakter einer therapeutischen Sitzung bekommt. Oder man liefert sensationelle wie skandalöse Stories, die ein Suchtpotential bewirken, das der ersten Methode gleicht. Was also immer zieht, ist die bitter-süße Verführung zur Abhängigkeit.
Wir hingegen haben eine ganz neue digitale Droge entwickelt. Just in diesem Moment erfreut sie sich bereits Ihres Konsums, und wir versprechen nicht unbescheiden, dass Sie so schnell davon nicht loskommen werden. Und das, obgleich weder Stories noch Schmeicheleien Ihre verständliche Gier nach Voyeurismus und Selbstbestätigung befriedigen werden. Doch genug der nebulösen Worte. Es folgen nun einige Zeilen, die dem Verständnis unseres Unterfangens hoffentlich zuträglich sind.
Schon der Name dieses Blogs birgt eine Doppeldeutigkeit, mit der sich keine Schublade öffnen und auch keine neue erfinden lässt. Bad - im Sinne von schlecht - steht für die einfache Konsequenz der schwierigen Erkenntnis, Teil einer wahnsinnigen Welt zu sein, die den sendungsbewussten Publizistenpöbel verführt, sich zum Gutmenschen zu stilisieren oder das Richtige im Falschen zu postulieren. In der Bedeutung von böse steht Bad für unsere erbarmungslose Freude, diesen Zeitgenossen - den Positivisten wie den Dogmatikern - den Spiegel vorzuhalten und die ihnen allen gemeinsam so existentielle Nestwärme zu erkalten. Ein schmaler Grad.
Da aber in der so genannten Blogosphäre allerlei Onlinetagebücher selbst beweihräuchernd und sinnentleert vor sich hin vegetieren, die die Welt nicht braucht, haben wir uns dem hohen Anspruch verpflichtet, journalistische Arbeit zu leisten, die vielleicht die gleichnamige Tageszeitung interessieren könnte. Die Assoziation mehrerer Autoren und ihre Disposition zu Sensibilität und Selbstreflexion werden nicht nur für mehr Qualität sorgen, sondern zusätzlich die Ästhetik des Blogs dynamisch und wandelbar erscheinen lassen.
Überdies versteht sich der BadBlog als Selbsthilfegruppe - einer jedoch, die sich weder durch Ressentiments noch Parteiprogramm konstituiert, also verschiedenen Bösewichtern gestattet, ihre sehr wohl auch egoistischen Ansichten darzulegen, solange es ihnen um die Verteidigung all jener Inseln auf diesen Planeten geht, die mit Fug und Recht als weltbürgerlich, individualistisch und lebensbejahend benannt werden können.
Bad Blog » A programme that makes you Phwoar! wrote:
[...] Das Team Bad Blog verpflichtet sich in seinem ersten gemeinsamen Eintrag, der “Verteidigung all jener Inseln auf diesen Planeten geht, die mit Fug und Recht als weltbürgerlich, individualistisch und lebensbejahend benannt werden können”. Jeder der gelegentlich den Fernseher einschaltet, weiß, dass dazu schon längst auch jene Fernsehsendungen gemeint sein müssen, die mit Fug und Recht als erkenntnisreich, unterhaltsam und hochwertig benannt werden können. Eine dieser Sendungen ist die britische Autosendung, ja…Autosendung, “Top Gear” um Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May. Im Gegensatz zu “Auto, Motor und Sport”, die wiederholt das Klischee deutscher Humorlosigkeit zementieren, schafft es “Top Gear” auch mal die eigene Infantilität im Umgang mit röhrenden Ottomotoren und glitzernden Leichtchromfelgen, zum Thema zu machen. Die Autos werden nicht in bester TÜV-Manier getestet, es wird nicht mehr als notwendig mit Zahlen jongliert: Es geht um Entertainment…und zwar auf höchstem Niveau. [...]
Posted on 21-Mar-07 at 2:49 pm | Permalink