Madonna und das Biest
Weltstars Mitte 40 sind wie Großmütter. Je älter sie werden desto kauziger werden sie. Sie machen trotzdem oft noch gute Musik, genauso wie Omas Grünkohl ungeschlagen ist, aber die Musik ist meist nicht mehr der Grund warum alle von ihnen reden. Madonna zum Beispiel macht nicht mit einem neuen Album, sondern mit einer fadenscheinigen Adoption eines afrikanischen Kindes auf sich aufmerksam. Ich persönlich habe dafür großes Verständnis.
Angenommen ich hätte ein geschätztes Vermögen von 400 Millionen Dollar, ich wüsste auch nicht wohin mit dem Geld. Auch die Kaballa-Konfusion passt hervorragend in das Muster: Sie bekommt den “bewußten und selbst gesteuerten Übergang in eine Ekstase, also einen Weg des Ich aus dem Körper” und wird ihr Geld an irgendein Kabbala-Oberhaupt los. Tom Cruise macht das Gleiche mit der Scientology, Snoop Dogg hat seinen eigenen spirituellen Berater, der nie von seiner Seite weicht.
Ihre neue DVD “I’m going to tell you a secret” ermöglicht einen tiefen Einblick in Madonnas neualtes Weltbild. Das Material Girl musste weichen jedoch ist vieles gleich geblieben: dunkelhäutige Schönlinge in Kirchen zu vernaschen ist nicht zu einem Problem geworden, die Londoner Rude Girl Attitüde ist geblieben und selbst ‘Holiday’ singt sie noch, obwohl ich vermutet hätte, dass das zusammen mit ‘Material Girl’ entsorgt wird. Das Intro der DVD “The Beast Within” gibt dazu allen Anlass, denn Madonnas religiöses Gleichnis mit dem sie ihre Sicht der Dinge erklärt, gleicht einer Abrechnung. Nur so viel: die westliche Welt kommt nicht besonders gut dabei weg. Das alles unterlegt mit einem düsteren Beat und einem Sample des Gesangs einer libanesischen Sängerin und fertig ist der antimoderne Soundtrack zum Weltuntergang. Den praktischen Beweis für die Kompatibilität mit nazistischen Weltverbesserern oder esoterischen Verschörungstheoretikern liefert dieses und jenes Video.
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