Ex Oriente Lux
Die bundesdeutsche Presselandschaft gleicht einem Haifischbecken. Wer die Information zuerst hat, der veröffentlicht sie auch - ohne Rücksicht auf Verluste. Aktuell zu beobachten war dieses nicht mit den Regeln der Journalisten zu vereinbarende Phänomen, beim Launch des Zentralrates der Ex-Muslime. Eigentlich sollte erst am 28. Februar 2007 auf einer Pressekonferenz in Berlin die Gründung bekanntgegeben werden, doch der Focus drängelte sich vor.
Aber nicht nur das. Die antikommunistischen Spürnasen vom Münchner Magazin erschnüffelten darüberhinaus auch eine handfeste neokommunistische und damit antidemokratische Verschwörung, denn angeblich gehören drei der fünf Vorstandsmitglieder des neu gegründeten Zentralrates kommunistischen Parteien aus dem Irak bzw. dem Iran an.
Eigentlich kein Wunder, da wenn überhaupt in der muslimischen Welt einzig einige Linken radikal mit dem Islam gebrochen haben, während die ehemals säkularen Nationalisten entweder komplett von der Bildfläche verschwunden sind, oder wie damals Saddam Hussein aus strategischen Gründen eine islamische Kehrtwende machten. Ebenfalls ist es kein Wunder, dass die bisher bekannten Führungsmitglieder der humanistischen Vereinigung Frauen sind. So wird die Vorsitzende des neuen Zentralrats, Mina Ahadi, eine aus dem Iran stammende Menschenrechtsaktivistin, in dere Presse mit folgendem Satz zitiert:
“Ich wurde zufällig in eine muslimische Familie geboren und habe mich entschieden, nicht Muslima zu sein.”
Sie will endlich mit „der Schüchternheit“ der „Nichtreligiösen“ aufräumen. Was genau der richtige Ansatz ist, die Welle des religiösen Wahns zu brechen. In dem Entwurf ihrer Erklärung heißt es dem Focus zufolge, die Ex-Muslime seien nicht den islamischen Machthabern entkommen, um nun muslimische Funktionäre in ihrem Namen sprechen zu lassen. Stellvertreterin Ahadis ist die türkischstämmige Schriftstellerin Arzu Toker.
Die restlichen Mitglieder des Rates sind noch nicht bekannt. Erst am 28. Februar wollen sie sich outen. Unterstützung erfahren sie dabei, von der atheistisch orientierten Giordano-Bruno-Stiftung.
dissensprinzip wrote:
eine nachfrage: was genau meinen sie mit “strategischen gründen”, die hussein zur islamischen kehrtwende gebracht haben?
Posted on 14-Feb-07 at 9:21 pm | Permalink
Edward E. Nigma wrote:
Saddam Hussein hat als säkularer Nationalist lange Zeit die Islamisten in seinem Land unterdrückt. Vor allem aber die Schiiten, weil sie die Massenbasis für die Kommunisten wie auch für die schiitischen Islamisten darstellten. Dies änderte sich mit den militärischen Auseinandersetzung in den darauffolgenden Jahren. Da der Krieg gegen den Iran recht schnell auch eine religiöse Komponente bekam, wandelte sich Husseins Einstellung zum Islam. Einerseits wollte er die Unterstützung der Saudis und anderer sunnitischer Herrscher sich sichern, andererseits mutierte der Krieg in der Propaganda auch zu einer Auseinandersetzung um den wahren Islam. Sprich arabische Sunniten versus persische Schiiten.
Später - in der Zeit als Saddam Hussein Kuwait überfiel - wurde das Allahu Akbar in die irakische Fahne integriert. Dies war ein Zeichen dass der Islam zumindest strategisch außenpolitisch, wie auch innenpolitisch für Saddam immer überlebenswichtig wurde…
Und als die Amerikaner auf dem heiligen Boden von Saudi Arabien landeten, um mit der Anti-Irak-Koalition den Kuwait zu befreien, wurde die islamische Rhetorik von Saddam immer häufiger. Er wollte damit das Herrscherhaus der Saudis innenpolitisch desauvieren. Dies gelang ihm auch. Unter anderen für Osama Bin Laden war die Stationierung der Ungläubigen im Lande der zwei heilligsten Stätten des Islam ein Tabubruch der nur mit dem Jihad gegen die Herrscherfamilie in Saudi Arabien zu beantworten ist…
Okay, ich hoffe ich habe deine Frage ausreichend beantwortet.
Posted on 15-Feb-07 at 7:37 pm | Permalink
nichtidentisches wrote:
Würde dem zustimmen. Hussein war so gläubig wie eine Ameise fliegen kann. Allerdings waren die Sunniten in seinem Regime zumeist doch sehr islamistisch gestimmt.
Posted on 17-Feb-07 at 10:24 am | Permalink
Islam in Deutschland wrote:
Journalismus schützt vor Unwissen nicht - Eine Analyse eines wahrhaft ahnungslosen Islam-Beitrags in der FAZ…
Mittlerweile vergeht kein Tag, an dem nicht ein Beitrag über den Islam in einer größeren Zeitung erscheint. Man möchte sich ja fast schon freuen, dass damit hoffentlich die allgemeine Wissenslücke über den Islam geschlossen wird. Das dürfte ab…
Posted on 19-Feb-07 at 8:52 pm | Permalink
Bad Blog » Ex-Moslems mit dem Tode bedroht. wrote:
[...] Doch es gibt Ausnahmen. Diese müssen aber unter Polizeischutz leben… [...]
Posted on 23-Feb-07 at 6:47 pm | Permalink
Bad Blog » Wir haben abgeschworen wrote:
[...] Der Zentralrat der Ex-Muslime hat sich in dieser Woche erstmalig einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Endlich kommt der Stein ins Rollen, möchte man beinahe hinzufügen. Auf der nun auch freigeschalteten Internetseite haben sich im Laufe von nur wenigen Stunden bereits weitere rund 100 Ex-Muslime als Mitglieder eingetragen. Und in den nächsten Monaten soll von der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) detaillierter untersucht werden wie viele Menschen der Zentralrat überhaupt vertritt. Michael Schmidt-Salomon, der die Pressekonferenz moderierte, kündigte an, dass fowid ein entsprechendes Dossier im kommenden Herbst / Winter vorlegen wird. [...]
Posted on 02-Mar-07 at 7:58 pm | Permalink