Dschihad in gerechter Sprache

Was Sprachvorschriften angeht, ist man in Europa gerade ziemlich schnell bei der Hand. Kurz nach Erscheinen der “Bibel in gerechter Sprache” schiebt die EU jetzt noch eine PC-Bibel hinterher. Die EU hat in Brüssel ein Papier mit Richtlinien kursieren lassen, indem Regierungssprecher aufgefordert werden ihren Sprachgebrauch auf Islambeleidigungen zu überprüfen:

  • Das Wort “Dschihad” sollte vermieden werden, weil es neben der gebräuchlichen Bedeutung “Gotteskrieg”, auch einen persönlichen Kampf beschreiben kann.
  • Die Formulierung “Islamischer Terrorismus”, die ich weiterhin für die treffendste Formulierung halte, finden die Verfasser ganz schlecht. Stattdessen solle man “Terroristen, die den Islam missbrauchen” sagen…
  • Aber keine Angst, dass hat mit Appeasement, Sprachreinigung oder gallopierender Langeweile natürlich rein gar nichts zu tun: “Bei dem vorsichtigen Gebrauch bestimmter Begriffe geht es nicht um sinnentleerte Political Correctness, sondern um waches Bewusstsein im Zusammenhang mit den Interessen der EU im Kampf gegen den Terrorismus.” Was auch immer das heißt, aber das ist der Wahrheit…

    Ein Hirsch im Blätterwald…

    Verschwörungstheoretiker, egal ob braun, grün oder rot , behaupten gerne die Presse wäre korrupt, kontrolliert, korrumpiert. Je nach Coleur werden Journalisten wahlweise vom Mossad, von den Konzernen, von der Regierung oder den einflussreichen Wer-nicht-noch-alles kontrolliert. So genau braucht man das nicht nehmen, meinen tun sie ja alle dasselbe. Eigentlich jedoch, hätte der, der sich mit Israel solidarisch erklärt, jedes Recht an Verschwörungstheorien zu glauben: Wenn deutsche Zeitungen über Israel berichten, sucht man vergebens nach ehrlicher Parteinahme für den jüdischen Staat…man könnte meinen die sprechen sich ab.

    Dass es nicht so ist, und in Deutschland keiner Einfluss nehmen muss, um Israel-feindliche Berichterstattung zu produzieren, muss man sich in regelmäßigen Abständen selbst beweisen. Und ab und zu jagt eben auch ein prächtiger Hirsch durch den Blätterwald und vertreibt für einen kurzen Moment die…naja, lassen wir die Tiervergleiche. Ein solch prächtiger Hirsch, und er soll mir die pathetische Hirsch-im-Wald-Metapher verzeihen, ist Claus Christian Malzahn, der ausgerechnet auf Spiegel Online, die alt-antideutsche Forderung nach erneuter Re-Education der Deutschen wiederbelebt - sehr erfrischend. Lesen Sie selbst!

    Nachtrag: Der Artikel wurde jetzt auch ins Englische übersetzt.

    Schlusslicht BRD

    Die Deutschen sind schon komisch. Zwar nutzen sie das Internet immer intensiver, doch Weblogs sind in hier zu Lande immer noch vergleichsweise unpopulär. Nur acht Prozent der germanischen Internet-Nutzer betreiben ein eigenes Blog. Damit bildet Deutschland mal wieder das Schlusslicht in Europa.

    Irgendwie ist es alles nicht so richtig zu verstehen. Das Stammland der Stammtische nimmt keine Notiz von den neuen virtuellen Möglichkeiten, ganz im Gegenteil: Es boykottiert sie! Stattdessen wird das Internet zum Telefonieren, Chatten und Instant-Message versenden genutzt. Tätigkeiten, bei denen meist ein Wortschatz unter hundert Wörtern ausreicht. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 25 Prozent und in Dänemark 20 Prozent die bloggen. Im europäischen Durchschnitt nutzen rund 15 Prozent der Internetnutzer Weblogs.

    Aber vielleicht bringt ja das kommende Rauchverbot Schwung in die virtuelle Stammtischlandschaft. Noch sind ja die Stammtische jenseits der virtuellen Welt bis Oberkante randvoll, aber vielleicht treibt es ja bald die Raucher unter ihnen zurück in die Einsamkeit ihrer heimischen vier Wände. Ich kann mir vorstellen, dass sich die derart Verstoßenen statt mit ihrer Frau oder dem Fernseher zu beschäftigen, dann doch mal versuchen werden die alte Möhre in Gang bringen um ins Netz zu gehen. Gefangen in der bierseligen Matrix hoffe ich, dass die impotenten Neuankömmlinge nicht nur auf den Pornoseiten surfen, sondern auch mal das ein oder andere interessante Detail in den Weiten der WWWorld bloggen…

    Die Hoffnung, ja einzig die Hoffnung, stirbt bekanntlich zuletzt.

    Na sieh mal einer an!

    Kann es sein, dass zwischen meinem Appell an die linken und liberalen Rosenkrieger und dem wenige Tage später folgenden Lebewohl des linken Leuchturms Lysis ein Zusammenhang besteht? Wie auch immer, Abarbeitungsaussteiger sind mir auch willkommen, wenn ihnen die Einsicht aus sich selbst heraus gekommen ist. So möchte ich auch auf hämische Kommentare verzichten, obwohl er ein - hoffentlich - allerletztes Mal von den verbalradikalen Beißreflexen nicht lassen kann, mit denen er wohl aus Selbstvergewisserung seinen Text zum Ende bringt:

    Vielleicht lässt sich ja dann wieder von radikaler Gesellschaftskritik reden, statt dass sich auf den Hund gekommene “Linke” zum Fan irgendwelcher beschissenen Nationen und ihrer politischen Führer machen!

    Speak with the hand, Yusuf aint listening

    Yusuf Islam, der sich aus Marketinggründen nur noch Yusuf nennt, hat mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie ernst er es mit seiner hippiesken Philantropie meint: Kurz bevor er sich bei der Verleihung des deutschen Musikpreises “Echo” als Brückenbauer zwischen Westen und Islam feiern lassen durfte, ignorierte er kurzerhand die freundlichen jungen Damen, die sich hinter der Bühne um sein Wohlbefinden bemühten. Nach einiger Verwirrung auf Seiten der Servicekräfte, klärte Yusufs Manager die verdutzten Gesichter auf:

    Herr Islam spricht nicht mit Frauen, außer mit seiner eigenen. Schon gar nicht, wenn sie keinen Schleier tragen. Solche Dinge werden über Moderatoren abgewickelt.

    Ach so, ist das. Schade nur, dass er noch mit Männern redet. In jedem Fall ist es interessant, dass diese bösartige Einstellung gegenüber Frauen, die im Islam bekanntlich nicht unpopulär ist, trotzdem nichts an der Verleihung eines Toleranz-Titels ändern konnte. Die Lektüre folgender drei Artikel hätte den Juroren des Preises über den totalitären Wolf im toleranten Schafspelz Aufschluss geben können: 1,2,3. Guten Willens angenommen, solch unwesentliche Details interessieren jemanden…

    Ziemlich grün hinter den Ohren …

    Arne Behrensen ist nicht nur Mitarbeiter der Bündnisgrünen Bundestagsabgeordneten Kerstin Müller, sondern auch ein ziemlich ‘guter’ Ratgeber in Fragen Bündnispolitik. Als selbsternannter ‘Freund Israels’ gibt er nämlich immer gute Ratschläge, selbst an die arg exzentrischen Vertreter der christlich - fundamentalistischen und antideutsch - linksradikalen Pro-Israel-Fraktion, die auf Ratschläge dankend verzichtet hätten(Continued)

    Es fährt ein Zug nach nirgendwo…

    Mit esoterischen Spinner ist es Recht einfach: Entweder ignoriert man sie, oder man macht auf ihren Unsinn aufmerksam um sie damit der Lächerlichkeit preis zu geben. Mit Antonio Augusto Schinzel aka Christian Anders verhält es sich dabei irgendwie ähnlich, aber doch anders. Der ehemals sehr erfolgreiche Schlagersänger veröffentlicht seit einigen Jahren unter dem Pseudonym Lanoo Bücher mit den abstrusesten Verschwörungstheorien, bei denen selbst Classless größte Schwierigkeiten haben dürfte, dies zu entschwören…

    Aktuell stellt der ‘große Meister’ sein neues Buch “Die wahre Bedeutung der Bibel sowie die Wahrheit über Jesus Christus” der mehr oder weniger interessierten Öffentlichkeit vor. Die darin enthaltenen zehn Thesen möchten ich Euch natürlich nicht vorenthalten. (Continued)

    Schlachtfeldwegweiser

    Das Bad Blog zeichnete sich bisher auch durch seinen diskursiven Charakter aus. Anders gesprochen, ging es hier hin und wieder richtig ab. Wer unter ihnen zurzeit zu viel arbeitet, aber zu wenig feiert und selten Sex hat, jedoch oft damit konfrontiert ist, freut sich sicherlich über die zwei virtuellen Schlachtfelder, auf die ich nun hinweisen möchte:

    Ist die Frankfurter Richterin rassistisch?, diskutiert man bei den Freunden der offenen Gesellschaft.

    Zweifelt der Gläubige?, ist unter anderem Gegenstand der Reaktionen auf einen interessanten Artikel in der Zeit.

    Ob Bambi, Bruno oder Knut…

    We ♥ Knut
    …die Deutschen lieben sie. Bambi zeigte den Deutschen, wie sehr selbst die heimatgeilen Herrenmenschen, den Tieren selbige nehmen. Auch der stalinistische Bambi aus Argentinien kam schon immer gut an. Bruno, der einsame Wanderer, erinnerte sie an die Kälte der Stadt und den goldenen Käfig der Lohnarbeit und avancierte so zu ihren Lieblingsnonkonformisten 2006…

    Knut ist im Prinzip einfach nur niedlich; das reicht aber nicht. Vor allem denen, die ihm angeblich am nächsten stehn. Für den Umweltengel Sigmar Gabriel ist Knut ein Botschafter der nördlichen Polarregion - ein mahnender Vertreter des Tierreiches - die letzte Chance, die uns unsere Natur noch gibt. Der Minister - einer der ebenso reichlich ist, wie der Müll, den er sich von sich gibt - poltert momentan durch die Medien und spielt den Heilsbringer. Was ich davon halte, habe ich bereits einmal angeschnitten. Für den Zoologischen Garten ist Knut selbstverständlich vor allem eins: Ansichtskarten, Fütterungen, das Kinder-Menü-Knut (vulgo: Backfisch + Beilage) und Kuscheltiere.

    A programme that makes you Phwoar!

    Das Team Bad Blog verpflichtet sich in seinem ersten gemeinsamen Eintrag der “Verteidigung all jener Inseln auf diese[m] Planeten…, die mit Fug und Recht als weltbürgerlich, individualistisch und lebensbejahend benannt werden können”. Jeder, der gelegentlich den Fernseher einschaltet, weiß, dass dazu schon längst auch jene Fernsehsendungen gezählt werden müssen, die mit Fug und Recht als erkenntnisreich, unterhaltsam und hochwertig benannt werden können. Eine dieser Sendungen ist die britische Autosendung, ja…Autosendung, “Top Gear” um Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May. Im Gegensatz zu “Auto, Motor und Sport”, einem Magazin, das nur wiederholt das Klischee deutscher Humorlosigkeit zementiert, schafft es “Top Gear” auch mal die eigene Infantilität im Umgang mit röhrenden Ottomotoren und glitzernden Leichtchromfelgen zum Thema zu machen. Die Autos werden nicht in bester TÜV-Manier getestet, es wird nicht mehr als notwendig mit Zahlen jongliert: Es geht um Entertainment…und zwar auf höchstem Niveau. (Continued)

    Auf die Ohren, in die Fresse…

    Kostenlos ist selten ein Zugewinn. Weshalb hier mit Vorsicht auf zwei Multimediaangebote hingewiesen wird, deren Qualität zwar außer Frage steht, die aber dennoch umsonst im virtuellen Netz feilgeboten werden…

    Zum einen handelt es sich um den Mitschnitt eines Vortrag des US-amerikanischen Historiker Prof. Dr. Daniel Jonah Goldhagen über Europa und den politischen Islam, den er im letzten Jahr in Berlin gehalten hat. Und zum anderen um ein Textdokument von Alvin H. Rosenfeld vom AJC mit dem Titel “Fortschrittliches jüdisches Denken und der Neue Antisemitismus”. Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre sowie dem Versuch den persönlichen Mehrwert zu steigern…

    Ich sehe was, was du nicht siehst

    Noch heute trage ich gerne ein T-Shirt, dass mich an meine Sturm-und-Drang-Periode erinnert. Wie damals alle meine Kleidungsstücke war es zu groß, denn meine Eltern wussten, dass ich wenigstens physisch noch wachsen werde und ich stand dazu halbherzig auf den Lifestyle amerikanischer Rapper. Wie auch immer, auf weinrotem Stoff pranken die fast vollkommen ausgewaschenen Konterfeis von Marx, Engels und Lenin, darunter steht die Losung klassisch-praktisch-gut, was wohl witzig gemeint sein soll. Warum ich es mir vor vielen Jahren in der Torstraße in einem Laden mit dem viel sagenden Namen Trash gekauft habe, kann ich nicht genau sagen und auf den durchaus ansehnlichen Farbton vermag ich mich nicht rauszureden. Lenin fand ich sogar damals schon blöd - ich glaube, weil der Russe war. Das lag aber keiner rassistischen Einstellung zugrunde, schließlich war ich in der Zeit auch mal bei einem Anti-Rassismus-Seminar. Marx und Engels, soviel ist sicher, mochte ich aber, denn meine Familie mochte sie auch. Trotzdem rebellierte ich in persona des unterdrückten und geknechteten Wesens nicht zuletzt gegen meine Eltern, die mir irgendwann einmal am Essenstisch den dialektischen Materialismus erklärten und schon das erste Stück meiner Kampfkleidung schenkten. Es galt die Verhältnisse umzuwälzen, ein Shirt mit subversiver Botschaft konnte da nicht schaden. (Continued)