Monday, April 30, 2007
Man mag es nicht glauben, aber der erste Mai in Berlin wird in diesem Jahr unverhofft doch noch spannend. Nachdem eigentlich klar war, dass neben dem DGB vor allem die antiimperialistische Linke die ganze Zeit über mit ihren Parolen den ach so wichtigen Arbeiterkampf- bzw. -mampftag prägen wird, kommt nun doch etwas Spannung in die Bude. Die Organisatoren haben sich beim revolutionären Musikprogramm ein wenig verkalkuliert. Das Revolutionäre 1.Mai-Bündnis sah sich kurzfristig dazu gezwungen dem Berliner Rapper COLOS 36 seinen Auftritt abzusagen, angeblich weil “Anti-Deutsche Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet” mit Sabotage drohen, sollte der Deutschrapper wirklich bei der Auftaktkundgebung auftreten. COLOS 36 wird vorgeworfen er sei “nicht deutschfeindlich” genug. (Continued)
Sunday, April 29, 2007
Glauben sie auch an die Parole “No news are good news”? Ich seit heute nicht mehr: Unser Mann in Ägypten, the Sandmonkey, hat seinen Abschied aus der virtuellen Welt verkündet. Und meine Tränen wollen einfach nicht trocknen…
Friday, April 27, 2007
Niemand kann genau erahnen, was Klaus-Rüdiger Landowsky, seines Zeichen ehemaliger Kronprinz der Berliner CDU, nun genau zu den neuen Propagandacoups der antisemitischen Linken aus Kreuzberg denkt. Fakt ist aber, dass die Autonomen Kommunisten und die Berliner WASG, ebenso wie der Alt-CDUler ihre ideologischen Nähe zum Nationalsozialismus ohne große Bedenken der Öffentlichkeit präsentieren. Während es Landowsky noch 1997 in einer Haushaltsrede überlassen war, obdachlose Menschen als Ratten zu titulieren, so mutieren in den Augen der WASG alle Firmen die an einer Übernahme der Berliner Sparkasse interessiert sind, zu “Spekulantenbanken”, die die linken Politamateure optisch als Heuschrecken auf ihren Plakaten präsentieren. Auch die ultralinken Autonomen Kommunisten sehen die Gefahr und rufen deshalb den “Heuschrecken-Alarm!” aus. Auf ihren Mobilisierungsplakaten für den ersten Mai steht in der rechten Ecke ein Vermummter der mit seiner Zwille auf eine Heuschrecke in der Bildmitte zielt. Inhaltlich fordern die vulgären Linksnazis: “die Stadtteile denen, die darin wohnen”. (Continued)
Friday, April 27, 2007
Das einzige, was Die Welt von anderen deutschen Tageszeitungen unterscheidet sind Details und ich meine damit nicht ihre relativ offene konservative Linie. Der gute Lysis, Gott hab ihn selig, nannte sie einst “neurechts”, was ich für einen Linken seiner Coleur unheimlich amüsant fand. Wenn Springer “neurechts” ist, was ist dann “altrechts”? Nein, eines der Details, was mich vom Wechsel zu einem anderen broad sheet abgehalten hat, ist die “Forum”-Rubrik. In dieser doppelseitigen Kategorie kommen - ähnlich wie in der Cicero - Journalisten und Intellektuelle mit ihrer ganz subjektiven Meinung zu Wort. Das Ganze ist nicht immer so anspruchsvoll, wie in dem genannten Monatsmagazin aber trotzdem unheimlich lesenswert. Diese Beiträge plus einige andere sind seit kurzem im Internet voll erhältlich. Unter der Adresse debatte.welt.de finden sie unter anderem folgende Beträge:
* “Der neue Mensch” * USA: Blitzableiter im Irak * “Hohle Rhetorik um Darfur” *
Wednesday, April 25, 2007
Wolfgang Biermann behauptete vor einigen Tagen auf einer Veranstaltung, dass „jedes Leben ein Roman“ sei. Ganz spontan zollte ich ihm für diese leuchtende Metapher im sonst so düsteren Alltag mehr als nur den üblichen Applaus. Zu meinem Frust musste ich aber recht schnell resümieren, dass mein Leben eher einer dieser Soaps aus dem RTL-Nachmittagsprogramm gleicht, statt einem halbwegs guten Roman. Nach jedem Hoch kommt die äußerst dramatisch in Szene gesetzte Bruchlandung, doch kein Tal erwies sich bisher als endlos, weshalb es auch – nach einiger Zeit - immer irgendwie wieder aufwärts ging. Kleine Strohhalme entpuppten sich dann auf einmal als große Rettungsanker, lang gehegte Träume wurden realistischer und die Cliffhanger extrem kürzer…
Und so bin ich stolz, hier und heute verkünden zu können: Es ist ein Junge! (Continued)
Wednesday, April 25, 2007
Die Spatzen schreien es von den Dächern: der Antisemitismus erlebt eine Rennaissance und zwar - und jetzt kommts! - unter Linksliberalen und autochthonen Muslimen in Europa. Jajaja, wir dachten ja nur Nazis oder sogenannte “Rechte” könnten Antisemiten sein, dabei geht das auch problemlos bei Linksliberalen. Was also unter anderem schon ein kluger Publizist schon 1979 festzustellen vermochte, ist gerad der heiße Scheiß in den großen Tageszeitungen und den Liberalen von Gideon Böss bis kewil vom ‘Naziblog’ Fakten-Fiktionen fällt ein ebenso heißer Stein vom Herzen: Endlich sind die Bürger wachgerüttelt. (Continued)
Friday, April 20, 2007
Wer denkt ‘linkshumanistisches Milieu’ und ‘Vernunft’ gehören untrennbar zusammen, ist entweder selber stolzes Mitglied dieser Kaste oder hat noch nie eine Uni/Szenekneipe von innen gesehen. Spätestens seit Henryk Broders lesenswertem Buch “Die Deutschen und Terror” ist dieses Faktum durch die erdrückende Beweislast des wörtlichen Zitats widerlegt. Broder weist nach, dass die intellektuelle Elite, die Studnicks und das tonangebende, akademische Talkshowmobiliar, nicht bis kaum imstande war, für die Opfer des Angriffs auf Amerika 2001 Empathie aufzubringen. Gleichzeitig hatten sie alle mannigfaltige Erklärungsansätze parat, warum die USA -in einfachsten Aktion/Reaktion-Schemata- im Prinzip selber Schuld sei oder im schlimmsten Fall die Angriffe selber geplant und durchgeführt hat. Es ist natürlich -wie immer- kein Zufall, dass ausgerechnet die Amerikaner nichts von der unerschöpflichen Herzenswärme der Menschen bekommen, gegen die fälschlicherweise mit dem Begriff “Gutmenschen” polemisiert wird. Als in Deutschland Robert Steinhäuser in Erfurt 13 seiner Lehrer erschoss, war man zu tiefst bestürzt - gar betroffen - über den Vorfall; mehrere Tage wurde intensiv über den Fall berichtet und jeder noch so uninteressante Zeuge seziert. Danach waren sich alle einig: Da muss man was machen…aber bis auf Boulevardbeiträge a’la “Marilyn Manson einsperren! Killerspiele verbieten!” kam da nicht viel. Der jüngste Fall eines solchen mehrfachen Mordes an der V-Tech in den USA wird dagegen recht offen belächelt, Empathie für die Opfer scheint zuviel verlangt. Große Einigkeit herrscht darüber, dass es an den Waffengesetzen der Amerikaner liegen muss und sowieso ist alles in Amerika noch drei Mal schlimmer als in jeder anderen Gesellschaft der westlichen Welt. Auch dieser junge Herr ist sich seiner Sache sehr sicher:
Ohne die amerikanische Waffenfreigabe wäre das möglicherweise nicht passiert. Sind die Amis selbst schuld. Wo jeder Depp sich bis an die Zähne bewaffnen kann, da knallt es auch schnell mal.
Dabei ist die Sache in Teilen recht einfach: Guns don’t kill people, people do.
Monday, April 16, 2007
Der nun publik gewordene Skandal um die Bundeswehr ist auch in den Vereinigten Staaten von New Yorker Politikern heftig kritisiert und als rassistisch bewertet worden. Nachdem der Stern ein Skandal-Video im Internet ausfindig machte, geriet die Bundeswehr erneut in Erklärungsnot. Das Video desavouiert einen Ausbilder, der einem Rekruten suggeriert, beim Shot an Afroamerikaner in der Bronx zu denken und dabei stilecht “Motherfucker” zu rufen. Erst Totenschädel in Afghanistan, nun “Negerschießen” in der Rendsburger Kaserne…und dann auch noch eine wehende Naziflagge in der Dresdner Offiziersschule. Die Empörung aus Kreisen der Bundeswehr und den Medien stinkt natürlich zum Himmel. Es ist wie immer: Ein Problem existiert erst dann, wenn es öffentlich ist. Das, was an die Oberfläche geraten ist, wird ”völlig inakzeptabel” (Verteidigungsministerium) genannt, bevor die Vorfälle als “Einzelfälle” (Steinmeier) bagatellisiert werden. Schön, dass aus den USA indes auch “an apology from the German military” gefordert wird. Das fällige “Sorry” würde ich aus der Bronx wohl folgendermaßen kommentieren: “Motherfucker!”
Monday, April 16, 2007
Ein Jahrhundert ist vergangen, seit Winston Churchill jene afghanisch-paktistanische Grenze bereiste, dessen karge Berge jetzt Unterschlupf für die verbliebenen Taliban-Kämpfer bietet. Diese sind zwar nominal verblieben, real jedoch gewinnen sie wieder erheblich an Stärke. Der spätere britische Premier schrieb als Soldat um 1900 viele seiner Beobachtungen des Islams auf. Diese Aufzeichnungen bestechen durch seinen gewohnt pathetischen aber scharfen Stil. Eine kleine Zusammenfassung seiner - teils prophetischen, teils eben 100 Jahre alten - Observationen, gibt Adrian Morgan von Family Security Matters auf Western Resistance.
Ein Jahrhundert später, ist die afghanisch-pakistanische Grenze immernoch karg und von millitanten Mohammedanern bewohnt. Andere jedoch entsagen sich ganz bewusst dieses Lebensstils, der keineswegs auf eine Gruppe Ewiggestriger reduziert werden kann, da ähnliche Verhältnisse sich mitten in Berlin oder London finden lassen, nur dass die Höhlenwand durch Blümchentapete ersetzt wurde. Diese muslimischen Dissidenten, unter ihnen Prominente wie Ayaan Hirsi Ali und Ibn Warraq, haben jetzt eine Erklärung (Video) herausgeben, die auch dem Zentralrat der Ex-Muslime wieder Hoffnung schenken könnte, der um seine kürzliche aufgenommene Sisyphus-Arbeit nicht zu beneiden ist. Phyllis Chesler appelliert daher völlig zu Recht in der London Times:
Jetzt ist die Zeit gekommen für westliche Intellektuelle, die sich Antirassisten und Menschenrechtler nennen, zu diesen Dissidenten zu halten.
Meine deutsche Übersetzung der St. Petersburger Erklärung: (Continued)
Sunday, April 15, 2007
Ja sicher, der Universalist sollte die Qualität eines Arguments unabhängig davon betrachten, wer es ausgeprochen hat. Aber nichts desto trotz gibt es für mich so etwas wie einen verdächtigen Konsens, also eine Konstellation von Positionen, bei der ich mit äußerster Skepsis sage: Wenn die Typen da sich mit den Typen dort einig sind, kann das nicht für die Sache sprechen, auf die sie sich einigen. Oft stimmt das: Ein antiliberaler Etatismus bei Konservativen und Sozialdemokraten wäre ein Beispiel, die Globalisierungskritik von links und rechts ein weiteres. Eine die Ausnahme bestätigende Regel ist vielleicht der Fall „Knut“, da ich über den gehypten Eisbärenanwärter nichts anderes zu sagen weiß, als dass er herzzerreißend drollig ist, ganz egal, ob der doofe Rest das auch findet.
Eine grenzeneinreißende Einheit der neueren Art stellen die Verwünschungen gegen der Film 300 dar… (Continued)
Saturday, April 14, 2007

Die Ossis haben es nicht leicht…40 lange Jahre lang waren sie auf knapp 100.000 Quadratkilometern eingeschlossen, vom Aufschwung und Fortschritt abgekapselt mit nichts als der sporadischen Hilfe des großen Bruders Sowjetunion. Dann geschah es und nichts war so wie vorher und auf einmal sollte der Ossi sich an die neuen Gepflogenheiten des Nachkriegseuropas gewöhnen. (Continued)
Thursday, April 12, 2007
Punk und Rap haben eines gemeinsam, es ist Musik, die meist von äußerst unmusikalischen Menschen gemacht, und gemocht wird. Würde Theodor W. Adorno noch auf dieser Welt wandeln, so wäre in Anbetracht dessen konsequenter Ablehnung des kulturellen Massenbetriebs, sein Augenmerk ganz bestimmt nicht mehr auf den Jazz gerichtet, sondern auf die beiden jüngsten Spielarten der Kulturindustrie. Am Beispiel des Jazz führte Adorno nur vor, wie die Kulturindustrie Kultur als Ware, als lügnerischen Schein inszeniert, der über die wahren gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse täuschen soll.
Vor 70 Jahren waren die heutigen Mainstreamsubkulturen Rap und Punk zwar noch nicht geboren, aber die Kritk an ihnen war schon formuliert. Dies hindert aber leider bisher so gut wie keinen daran, trotzdem seinen geistigen Schindluder unter dem Deckmantel der Musik bzw. der Subkultur zu betreiben. Zwei schlechte Beispiele, ohne einen Zusammenhang… (Continued)