Hinter den Kulissen…
Punk und Rap haben eines gemeinsam, es ist Musik, die meist von äußerst unmusikalischen Menschen gemacht, und gemocht wird. Würde Theodor W. Adorno noch auf dieser Welt wandeln, so wäre in Anbetracht dessen konsequenter Ablehnung des kulturellen Massenbetriebs, sein Augenmerk ganz bestimmt nicht mehr auf den Jazz gerichtet, sondern auf die beiden jüngsten Spielarten der Kulturindustrie. Am Beispiel des Jazz führte Adorno nur vor, wie die Kulturindustrie Kultur als Ware, als lügnerischen Schein inszeniert, der über die wahren gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse täuschen soll.
Vor 70 Jahren waren die heutigen Mainstreamsubkulturen Rap und Punk zwar noch nicht geboren, aber die Kritk an ihnen war schon formuliert. Dies hindert aber leider bisher so gut wie keinen daran, trotzdem seinen geistigen Schindluder unter dem Deckmantel der Musik bzw. der Subkultur zu betreiben. Zwei schlechte Beispiele, ohne einen Zusammenhang…
Wenn linkssozialisierte Deutschrapfans als Labelchefs fungieren, kann so einiges schief gehen. Erste Hinweise darauf gaben vor einiger Zeit das Auseinanderbrechen der legendären Berliner Rapformation MOR oder Bushidos Wechsel vom Aggroberliner hin zum vielbeschäftigtem Skylineboy von Universal. In allen Fällen mischten hinter den Reglern Menschen, denen die “Arbeit mit Randgruppen am Herzen liegt“, mit. Während aber die Aggroberliner immer noch auf der Neuen Deutschen Sprechgesangswelle mitschwimmen, ist nach gut unterrichteten Quellen das Label Royalbunker (1,2,3) gerade dabei den Bach runter zu gehen.
Insolvenz ist das harte Wort, welches gerade die Runde macht. Gerüchteweise findet das nächstes Battle von Markus Staiger, dem Labelchef, nun also nicht in irgendeinem Free Fight Ring statt, sondern in einem Kreuzberger Kellerloch: Im Beisein eines Buchhalters. Die Todesstrafe für einen gebürtigen Schwaben…
Für die Bunkerhunde hat es einfach nicht gereicht um als Miniplayer auf dem Musikmarkt im Zeitalter der MP3s zu überleben. Die gesellschaftlichen Randgruppen die die ersten Erfolge des Labels beförderten, wechselten, wie ihre angebeteten Rapper, zu den Majors, oder in die Illegalität des Internets. Staiger blieb einzig übrig immer wieder neue Talenten aus den Jugendclubs der Hauptstadt zu rekrutieren um diese dann so weit zu begleiten, bis sie den Absprung geschafft hatten, oder eben bis zum bitteren Ende. Dem Royalbunker sind nur Staigers Freunde “aus der Rapperszene” treu geblieben, egal ob als Konsument oder Produzent. …
Doch gerade diese Randgruppe ist es, die Staiger sehr am Herzen liegt. Zwar halten seine Freunde - so konnte man im November 2006 in der taz lesen - “Sozialarbeiter, Quartiersmanager und andere Wohlmeinende” für “Schwuchteldeutsche” und ziehen die Herrschaft eines Rackets, dem des Staates vor. Weshalb sie die Wertsachen von anderen Menschen klauen, wenn es sein muss auch die von Mutti und Vatti, doch dies juckt den schwäbischen Pleitier kaum. Im Konfliktfall, greifen nicht die staatlichen Institutionen, sondern wahlweise die Familie oder die Clique. Staiger findet: “Das funktioniert erstaunlich gut.” Es fragt sich nur für wen? Für Hatun Aynur Sürücü hat jedenfalls das gut funktionierende System aus Familien und Cliquen den Tod bedeutet. Für viele andere Menschen bedeutet es täglich willkürlicher Unterdrückung ausgesetzt zu sein. Für Gefühlslinke wie Staiger einfach kein Thema.
Auch im virtuellen Anti-Defamation Forum sind Islamisten eher ein dritt- bzw. viertrangiges Problem. Neben den üblichen pubertären Identitätsprobleme werden von den linken Forumsteilnehmern hauptsächlich die eigenen Befindlichkeiten zur Schau gestellt. Okay, dass ist zwar in fast allen Internetforen so, aber das ADF hatte im Gegensatz zu diesen einmal eine ernsthafte Chance mehr als nur eine linke Quatschbude im Internet zu werden. Im Januar 1998, 155 Jahre nachdem jüdischer Emigranten aus Deutschland in New York die Organisation B’nai B’rith gegründet hatten, riefen Berliner Mitglieder von B’nai B’rith den Trägerverein für das Anti-Defamation Forum (ADF) ins Leben. 1999 kam eigens Steven Spielberg nach Berlin um sich im ADF-Büro über die Unite&Act Jugendkampagne der B’nai B’rith und das ADF zu informieren. Kuratoriumsmitglieder waren zu dieser Zeit: die damalige Ausländerbeauftragte des Senats von Berlin, Barbara John (CDU); Dr. Michel Friedman (CDU), zu diesem Zeitpunkt Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland; der damalige Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Andreas Nachama; Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Berliner Einzelhandelsverbandes, Hansjürgen Rosenbauer, zu diesem Zeitpunkt der Intendant des Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg und Volker Weihe von der Verkaufsdirektion des KaDeWe.
Und heutzutage? Der aktuelle Forumsbetreiber Thomas Rassloff aka Rossixx unterhält sich im Forum unter dem Nickname Dorfpunker mit jenen Resten der antinationalen Linken, deren Hauptaugenmerk allein darauf liegt ein richtiges Leben im Falschen einzufordern, obwohl sie selbst dies gar nicht realisieren können. Statt sich am alltäglichen Antisemitismus abzuarbeiten, findet in dem Forum eine linksidentitäre Nabelschau nach der anderen statt. Die wenigen Linksintellektuellen und Liberalen die sich bisher in das Forum verirrt hatten, wurde von den moralinverseuchten Stammtischlinken kollektiv in die Flucht geschlagen. Für den Chefpunk Rassloff ist dies kein Problem, fühlt er sich doch in der Gesellschaft von linken Kuschelmonstern wohl.
Ernstzunehmenden Gesellschaftskritik ist ihm nichts. Statt dessen probiert er sich gerne in pseudopsychoanalytischen Diagnosen um seine dicken Eier in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nur zu dumm, dass er ausgerechnet die autoritäre Steilvorlage von Mrs. Jump, Freundin der DDR und zukünftige Blockwärtin, nutzt um seinen eigenen - lang angesammelten - Frust loszuwerden. So hat er das nun einmal gelernt: In der ländlichen Pampa war es immer so, dass wenn einer vom Dorfkollektiv zum Sündenbock gestempelt wurde, dass dann ein jeder auf ihn eindreschen konnte. Dem Unglücksraben wurden dann alle Gemeinheiten der letzten 10 Jahren angehängt und die Nachbarn beglichen Rechnungen die schon lange als verjährt galten.
Diese Tradition hat sich im 21. Jahrhundert auch im Internet eingenistet. Gerade dort, wo es sich irgendwelche Subkulturen oder Politstrukturen bequem gemacht haben. Das Abkapseln von anderen Einflüssen und die damit einhergehende Stärkung der Binnenstrukturen ist der individuelle Anfang vom selbsbestimmten Ende. Dass diese Dorfmentalität auch im ADF-Forum ihren Siegeszug feiern konnte, ist dem derzeitig Verantwortlichen Rassloff schwer anzukreiden, zumal die Gründung vor 9 Jahren weit mehr als nur ein wenig kosmopolitisch war.
Es ist eine Crux: So wie eben auch der Punk der Gründerzeit weitaus emanzipatorischer war, als der Dreck der heute unter dem gleichen Label weltweit vermarktet wird, so hat auch das ADF-Forum im Laufe der Zeit seine fortschrittliche Ausrichtung über Bord geworfen und ist dem linksidentitären Zeitgeist aufgesessen. Irgendwie schade…
nichtidentisches wrote:
Blogstreik für Dafur.
Posted on 12-Apr-07 at 9:19 pm | Permalink
Haiduk wrote:
Zur Diskussionskultur im ADF
Posted on 02-Nov-07 at 12:36 am | Permalink
Bad Blog » Royal Bunker ausgebombt… wrote:
[...] Seit April diesen Jahres pfeifen es die Spatzen von den Dächern, das Berliner Deutschraplabel Royal Bunker geht am Stock. Es fehlt an allem; Geld, Kreativität und vor allem die Aussicht auf Besserung. Auch wenn viele Fans jetzt protestieren werden, aber selbst der derzeitige Hauptact des Labels KIZ ist nur eine Lachnummer im Gegensatz zum bisher ungeschlagenem Original namens MOR (1,2,3). Dies scheint der Labelchef Marcus Staiger langsam eingesehen zu haben, denn heute kam die Nachricht via Royal Bunker Mailverteiler, dass im nächsten Jahr nur noch zwei Veröffentlichungen zu erwarten sind, aber danach der Laden endgültig dicht gemacht wird… [...]
Posted on 26-Dec-07 at 11:04 pm | Permalink