Vorsicht, merkwürdige Einigkeit!
Ja sicher, der Universalist sollte die Qualität eines Arguments unabhängig davon betrachten, wer es ausgeprochen hat. Aber nichts desto trotz gibt es für mich so etwas wie einen verdächtigen Konsens, also eine Konstellation von Positionen, bei der ich mit äußerster Skepsis sage: Wenn die Typen da sich mit den Typen dort einig sind, kann das nicht für die Sache sprechen, auf die sie sich einigen. Oft stimmt das: Ein antiliberaler Etatismus bei Konservativen und Sozialdemokraten wäre ein Beispiel, die Globalisierungskritik von links und rechts ein weiteres. Eine die Ausnahme bestätigende Regel ist vielleicht der Fall „Knut“, da ich über den gehypten Eisbärenanwärter nichts anderes zu sagen weiß, als dass er herzzerreißend drollig ist, ganz egal, ob der doofe Rest das auch findet.
Eine grenzeneinreißende Einheit der neueren Art stellen die Verwünschungen gegen der Film 300 dar… Antiimperialisten aller Coleur wissen natürlich längst, dass dieser Film eine geistige Mobilmachung gegen den Iran sein muss, vor allem sind sie sich aber mit ihrem vermeindlichen Gegenteil, den linksradikalen „Antideutschen“ sehr darin einig, dass der Film eine riefenstahlsche Fascho-Ästhetik habe, soldatische Tugenden anpreise und die militaristische Blut-und-Boden-Ideologie der spartanischen Gesellschaft unkritisch idealisiere. Noch alarmierender ist da nur noch die geeinte Abwehrfront von „Exilpersern“ und führungstreuen Iranern gegen diesen Film. Auch wenn es tatsächlich so ist, dass die Mullahs sich sehr instrumentell des irrwitzigen persisch-iranischen Nationalismus bedienen, mit dem sie ideologisch eigentlich nichts am Hut haben und auch wenn bei den Exilpersern die „Kritik“ am Film etwas weniger offen antisemitisch und antiimperialistisch daherkommt: Diese Einigkeit ist nun wirklich verdächtig!
Es bleibt mir also nur, mich einem von mir schwer verehrten Menschen anzuschließen, der neben seinen vielen großen Verdiensten (wie der unaufbrechbaren Verknüpfung karibischer Piraten mit Gummihühnern) es auch als einer der wenigen geschafft hat, etwas lesbares zu 300 zu schreiben:
300 is a vacuous film filled with bad dialog, stiff acting, a pointless one-dimensional plot and interchangeable characters that hardly deserve to be named in the script. The film barely has a first act and does nothing but drive to a preposterous conclusion led along by a sequence of ridiculous events. The Visuals are nothing more than technical masturbation.
Simply put, 300 is the best damn film I’ve seen all year. I haven’t had this much fun watching a movie in a long time. It’s nice to see Hollywood is finally striving to be more likes games.
Den ganzen Kommentar können Sie hier nachlesen.
Ein weitsichtiger Mensch aus meinem sehr nahen Bekanntenkreis konnte mich dann auch überzeugend für den Vorschlag begeistern, beim nächsten Grenzaufmarsch der Basitschi-e Mostasafan-Milizen auf der anderen Seite der Grenze lückenlos Großbildschirme aufzustellen, die 300 in Schleife zeigen. Moral Bombing at it’s best.
Alex DeLarge wrote:
Der Irakkriegskritiker (Was für ein Wort!) Thomas Willman sprach von 300 als einem “zweistündigen Manowarvideo”…ohne allerdings eine Empfehlung auszusprechen.
Posted on 15-Apr-07 at 3:25 pm | Permalink
Edward E. Nigma wrote:
Come on Boys, aber mal ganz ehrlich: Leni Riefenstahl hätte ebenfalls ihre große Freude an dem Film…
Posted on 19-Apr-07 at 5:01 pm | Permalink
Roger Kint wrote:
Sicher. Und es finden sich bestimmt lobpreisende Besprechungen des Films auf allen möglichen Faschoseiten, denn natürlich ist es so, dass in dem Film 300 aufrechte Märtyrer mit jüngerschem Pathos in den Tod ziehen und ihnen gegenüber ein Aufzug steht, der so multikulturell ist wie sonst nur die Bande, die Ströbele auf seinen Wahlplakaten anführt. Thousand Nations, zum Preis der Ehrfurcht vor Xerxes werden alle integriert, eben auch die von den Spartanern verstoßenen Behinderten, das große Heer der Minoritäten kämpft unter Führung einer Tunte gegen 300 wahnsinnige Faschos. Und natürlich weiss ich, wie der Film inszeniert ist, technisch und stilistisch, und auch auf die sonstigen Qualitäten des Films - Handlung, Schauspieler, Dialoge … - musst Du mich nicht hinweisen.
Aber das ist ja alles garnicht der Punkt!
Posted on 23-Apr-07 at 10:37 am | Permalink
Edward E. Nigma wrote:
Was ist dann der Punkt?
Posted on 25-Apr-07 at 4:23 pm | Permalink