Beeing Daddy Cool. Part Two

Wolfgang Biermann behauptete vor einigen Tagen auf einer Veranstaltung, dass „jedes Leben ein Roman“ sei. Ganz spontan zollte ich ihm für diese leuchtende Metapher im sonst so düsteren Alltag mehr als nur den üblichen Applaus. Zu meinem Frust musste ich aber recht schnell resümieren, dass mein Leben eher einer dieser Soaps aus dem RTL-Nachmittagsprogramm gleicht, statt einem halbwegs guten Roman. Nach jedem Hoch kommt die äußerst dramatisch in Szene gesetzte Bruchlandung, doch kein Tal erwies sich bisher als endlos, weshalb es auch – nach einiger Zeit - immer irgendwie wieder aufwärts ging. Kleine Strohhalme entpuppten sich dann auf einmal als große Rettungsanker, lang gehegte Träume wurden realistischer und die Cliffhanger extrem kürzer…

Und so bin ich stolz, hier und heute verkünden zu können: Es ist ein Junge!

Schon komisch irgendwie: Erst wünsche ich mir, dass es ein Junge wird, dann bekomme ich dieses Begehren ohne großes Gezerre erfüllt. Und was ist? Ich bin nicht zufrieden damit. Jedenfalls nicht so richtig. Aber es liegt auch auf der Hand: Die Vorlage stimmt einfach nicht…

Ein guter Freund ist stolzer Vater von zwei sehr bezaubernden Mädels. Ein Lächeln von den beiden, und selbst einem Vollblutgangster wie mir schmilzt das Herz dahin. Nicht einmal eine kitschige Schlagerschnulze könnte die Atmosphäre wiedergeben, die in Anwesenheit der beiden Golden Girls herrscht. Musikalisch wären dazu allerhöchstens die Blues Brothers fähig. Und selbst daran habe ich so meine Zweifel…

Super Überleitung, denn Bedenken habe ich derzeit nicht zu knapp. Man könnte mich beinahe schon einen Bedenkenträger nennen. Wie heißt es so schrecklich schön: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein umso mehr. So oder ähnlich jedenfalls fühle ich mich derzeit. Um die alte Soße nur ein wenig anzurühren: Welche Perspektiven kann man einem Kind heute auf die Wege geben? Welchen Wahnsinnigen (von meinen Freunden man abgesehen) gebe ich mein Kind später dann zur Obhut? Und die wichtigsten Fragen von allen: Wie soll Little Riddler im richtigen Leben heißen? Welche magischen Superfähigkeiten wird er besitzen? Soll er gleich vier Pseudonyme bei seiner Geburt in den Personalausweis eingetragen bekommen? Und wenn ja: Welche?

Doch um aufrichtig zu sein, sind das für mich nicht wirklich die wichtigen Fragen. Eigentlich ist es nur eine einzige Überlegung, die meine Zweifel ständig nährt: MiniMe muss einfach mal mindestens nur halb so verrückt, wahnsinnig, chaotisch und dreist sein wie ich, um mir meinen stilvollen Lebensabend komplett zur Hölle zu machen. Ich sagen nur sechs Worte: anale Phase, Pubertät inklusive konformistische Rebellion. Die wenigen Haare die mir noch zu Eigen sind, stehen mir schon zu Berge, wenn ich auch nur im Entferntesten daran denke. Grau werden sie nebenbei natürlich auch noch…

Bald ständig gefangen im Zwiespalt zu sein nun entweder mir Zeit für Little Riddler zu nehmen, die dringend benötigte Mittel zum Überleben zu besorgen oder mal etwas Auszuspannen ist mir nicht halb so unsympathisch, wie die Vorstellung womöglich einen Fan von Hertha BSC groß zu ziehen. Also ehrlich, ich kann viel vertragen, aber wenn sich herausstellen sollte, dass mein Junior zum Anhänger eines preußischen Proletenklubs mutiert, dann hängt der Haussegen mehr als nur schief. Als geborener Gewinner darf man nicht zum Fan eines Verlierervereins werden. Das ist seines Standes nicht würdig und würde einen gar langweiligen Roman abgeben…

Little Riddler wird sein erstes richtiges Fußballspiel außerhalb Berlins erleben. Wenn es geht außerhalb des Landes. Bei der Herausbildung seines guten Geschmackes werde ich weder Mühen noch Kosten sparen. Das bin ich den ‚Friends of good Taste’ schuldig. Und – aufgepasst liebe FeministInnen – um ehrlich zu sein, haben doch heutzutage fast nur noch Homosexuelle wirklich etwas Gespür für die ästhetischen Dinge im Leben. Jedenfalls in den RTL-Nachmittagssoaps…

So long, Edward E. Nigma

Comments (1) to “Beeing Daddy Cool. Part Two”

  1. Lobenswerte Vorsätze. Abgesehen davon ist der oben genannte Zwiespalt aber wichtig. Wenn er sich zum Abgrund erweitert, ist das schönste Chelsea-Spiel für die Katz. Der Junge guckt sich seinen Daddy an und benimmt sich entsprechend. Der werte Herr Nigma sollte folglich im Interesse seines Juniors darauf bedacht sein, selbst nicht unter die Räder zu kommen. Dann nimmt ihn der Kleene später vielleicht auch zum Premier-League-Spiel mit.

    So spricht jedenfalls der alte Doc. Manch einer befolgte seinen Rat nicht und musste es teuer bezahlen. Er selbst steht bekanntlich stets am Rande des Abgrunds. Und doch redet er noch. Also isser wohl noch nicht runtergeplumpst.

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