Die linke Lebenslüge

Zur Aufrechterhaltung des altbewährtem Freund-Feind-Schema sind sich linke Szeneaktivisten keiner Lüge zu schade. Derzeit liegt den antirassistischen Gutmeinenden vor allem der Wahlsieg von Nicolas Pál Stéphane Nagy-Bócsay Sárközy schwer im Magen. Hauptsächlich in den unzähligen Internetforen (1,2,3) dieser Welt und auf den Blogs, die ihnen die Straße ersetzen, toben sie nun ihre Wut aus.
Gift und Galle spucken sie, nur um ihrem Publikum die Lüge ans Knie zu nageln, dass Sárközy ein Rassist sei, und die gute Ségolène Royal das glatte Gegenteil. Ein Ausflug in die Sumpflandschaften des linken Mainstreams…

Es ist schon interessant welches Geschwurbel unter geistigen Tieffliegern verbreitet wird, um die Aufteilung der Politik in ‘Rechts’ und ‘Links’ aufrecht zu erhalten. So schreibt die ziemlich verbittert wirkende Schokolade aus Toulouse:

wie nicht anders zu erwarten ist sarko président. bah. im toulouser banlieue brennt es immerhin.. *seufz* am deprimierendsten ist zu sehen, wie viele junge leute und ebenso leute mit migrationshintergrund dem rassisten zujubeln.. aah.. das geht doch mal echt nicht klar…

Zwar erklärt der werte Partner in Crime Innsbronx mit aller Geduld der braunen Schokomelasse, dass der weithergeholte Rassismusvorwurf gegen Sárközy einfach nicht der Realität entspricht, aber natürlich zeitigt seine ganze Mühe keinen Erfolg. Kein noch so logisches Argument kann Gefühlslinke vom Schlage Schlagersüssschokolade von ihrer Rechts-Links-Krankheit heilen. Überhaupt, wer lässt sich schon als linker Fundamentalisten sein völlig verqueres theoretisches Fundament aufsprengen, um dann womöglich, den Kopf selber zum Denken benutzen zu müssen. Ne, mit Argumenten kommt man bei einer ausgewachsenen Identität nicht weit…

Das Frau Royal streng militärisch sozialisiert wurde, Mitarbeiter ohne Lohn für sie buckeln lässt, bei einem Besuch in China die Schnelligkeit der lokalen Justiz lobte oder die „Souveränität und Freiheit“ der kanadischen Provinz Québec bei einem Besuch in Kanada betonte, ist nämlich völlig egal. Es geht gegen einen gefühlten ‘Neonkonservativen’, da kam man als Linksradikaler schon einmal für eine Frau votieren, die alle Franzosen dazu verdonnern wollte zu Hause mindestens eine Nationalfahne hängen zu haben. Klaro, wahrscheinlich hören die verdutzten Antirassiten auch heute zum ersten Mal, dass die gute Royal zur Verbesserung der gesellschaftlichen Integration für Jugendliche „Erziehungseinrichtungen nach der Art des Militärs“, in denen „die jungen Leute an die Hand genommen werden“ vorschlug…

Irgendwie verständlich: Wenn man auf dem linken Auge blind ist, schaut man umso kritischer durch das Rechte. Leider gibt es da aber ein akutes Problem, auf das der linke Blogwart bisher noch nicht gekommen ist: Rechts und Links sind längst überholte Koordinaten. Erfunden um dem ungebildeten Wahlpublikum propagandistisch die Qual der Wahl zu erleichtern, ist die politisch sinnvolle Aufteilung in die beiden angeblich antagonistischen Pole längst überholt. Da aber den linken Dummschwätzern noch kein - für sie plausibles - neues Koordinatensystem an die Hand gegeben wurde, hängen sie noch der alten Theorie an, wonach die linke Seite der Medaille fortschrittlicher als die rechte Seite sei. Wie bei einem Sprung der Schallplatte sind die linken Frettchen hängengeblieben und posaunen weiterhin die Weisheiten vergangener Tage über die Weltgeschichte hinaus…

Der ADF-User Ultratronic ist ein ganz besonders packendes Beispiel für diese Art der altlinken Romantik inklusive neomarxistischem Jargon:

und warum lasst ihr jm. hochleben, der den laizismus frankreichs in frage stellt und zwei seiner bücher von Gianfranco Fini mit einem vorwort versehen lässt?
abgesehen davon, dass er das streikrecht einschränken will und vermutlich mitarbeiter der gegnerischen kandidatin von den Renseignements Généraux bespitzeln ließ, die sans papier von medizinischen leistungen ausschliessen will und die legalen immigranten vom wohnrecht ausschliessen will. usw.

Zwar wurde ihm schon so häufig erklärt, dass es heutzutage um Israel gehen sollte, wenn man es mit der Überwindung des “falschen Lebens” ernst meint, doch dies will der pubertäre Rebell nicht hören bzw. verstehen. Das Sárközy im Wahlkampf öfter die linken Ikonen Jean Jaurès und Léon Blum zitiert hat, interessiert ihn im ach so revolutionären Eifer nicht. Wieso auch, Ultratronic & Co. geht es nicht um Israel, es geht ihnen noch nicht einmal um eine mögliche Veränderung der derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse. Es geht einzig und allein um die eigene angekratzte Eitelkeit. Um ein wenig Aufmerksamkeit, dem Balsam für alle geschundene Seelen…

Wenn die ein oder andere im ADF-Forum nun verzweifelt einwirft, dass die Freundschaftsadresse von Sárközy an Israel nur der diplomatischen Etikette geschuldet war, dann muss ich mich über soviel linke Naivität schon arg wundern. Wer von Benjamin ‘Bibi’ Netanjahu als persönlicher Freund bezeichnet wird, der kann - diplomatische Etikette hin oder her - kein Feind Israels sein. Und natürlich entscheidet die Haltung zu Israel über die Qualität eines Politikers. Welche den sonst, Frau Galore?

Selbst der verbohrte Antizionist Alfred Grosser schafft es in einem Interview mit der taz über seinen langen Rechts-Links-Schatten zu springen. Auf die Frage ob er versteht, warum der Exmaoist André Glucksmannden rechten Sárközy” der linken Royal vorzieht, antwortet Grosser:

Glucksmann ist nicht so interessant - interessant ist die Frage, wer Sarkozy eigentlich ist. Ist er ein Rechter? Manchmal ja, manchmal nein. Sarkozy, Kind eines ungarischen Vaters und einer griechischen Mutter, sagt: “Ich liebe mein Vaterland Frankreich genauso, wie es die italienischen Emigranten tun.” Und er hat mal zu Le Pen gesagt: “Wenn es nach Ihnen ginge, wäre ich gar kein Franzose. Das wäre ein schwerer Verlust für Frankreich.” Das ist richtig. Genau das Gleiche sage ich überheblicherweise auch von mir seit Jahrzehnten.

Natürlich ist Glucksmann interessant, aber noch interessanter ist es, dass selbst der alte linke Antizionist Grosser es schafft Birnen von Äpfel zu unterscheiden, während viele junge Deutsche, die sich ‘links’ und ‘israelsolidarisch’ schimpfen, immer noch glauben, dass es sich bei beiden Obstsorten um ein und die selbe handeln würde. Wenn das die ‘linke’ Zukunft sein soll, dann möchte ich lieber in der ‘rechten’ Vergangenheit leben…

Comments (5) to “Die linke Lebenslüge”

  1. Yeah, Baron Fischer reitet wieder auf seiner Kanonenkugel.

  2. niemand hat (auf meinem blog) gesagt, dass segolene soviel besser ist. aber wenigstens einen kleinen tick weniger rechts, sie bezeichnet die leute in den banlieues wenigstens nicht als ‘gesindel’.. nett auch die bezeichung als linke fundamentalistin, grade war ich doch noch hardcore antideutsch..

  3. Schoki, du behauptest in deinem Beitrag so ziemlich argumentfrei, dass Sarko ein Rassist sei um nun zurückzurudern und mit dem Geschwurbel zu punkten, dass Ségolène Royal niemals die Wahrheit ausgesprochen hat, dass jugendliche Halbstarke die Schulen, Kindergärten und die Autos ihrer Nachbarn abfackeln nicht revolutionär sind, sondern eben “Gesindeln” egal wie beschissen es ihnen ’sozial’ gehen mag…

    Zum Abschluß noch eine bittere Wahrheit: Ich war es ganz bestimmt nicht, der dich als “hardcore antideutsch” bezeichnet hat. Im Gegenteil…

  4. Mit zarten fast 70 Lebensjahren habe ich folgendes festgestellt: Die Politik ist wie ein Schweinestall, die Schweine werden jeweils ausgewechselt, die vollen Tröge bleiben.

    Paul

  5. du kotzt mich an…

    Was macht die "braune Schokolademasse" (credit: Bad Blog) eigentlich im Planeten? Ist das linke Realsatire oder gibt es irgendeinen höheren Zweck uns mit diesem Produkt völliger linker Verblödung und fehlender Auffassungsgabe zu zwangsbegl…

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