Super Size Lies

Michael Moore just won't listen... Wer, meinen Sie, konstituiert die Leserschaft des BildBlogs - des meistgelesenen Blogs in Deutschland? Meine Vermutung ist: viele, vor allem, junge Menschen, sich selbst als kritisch, gebildet und politisch mitte links sehend; amerikakritisch aber weltoffen und tolerant. Also genau die Leute, die frohlockt haben als der investigative Fleischberg Michael Moore, die unbequeme Wahrheit über die Bushregierung und ihre dienstbereiten Amerikaner herausfand und auf Zelluloid bannte. Moores Anspruch war, so schien es, die Hintertüren und Kniffe, die Schattengeschäfte und Wahrheitsoptimierungen der Administration Bush und den offenen Wahnsinn Amerikas zu denunzieren. Diesen hat er mit dem BildBlog gemein, dessen Konzept darin besteht, all die flüchtigen Fehler, kleinen Übertreibungen oder großen Lügen aufzudecken, die die BILD-Zeitung (vom entsprechenden Milieu gerne “Blöd”-Zeitung genannt) täglich zweifelsohne produziert. Investigativen Journalismus, die Wahrheit aufdecken, vorzugsweise in Amerika - das mögen die selbsterklärten kritischen Geister Deutschlands. Dem kritischen Geist wäre aber beim “Genuss” eines Films von Michael Moore sofort aufgefallen, dass dieser nicht recherchieren will, sondern agitieren. Seine, nicht umsonst erfolgreichen Filme, waren als antiamerikanische Polemiken konzeptionell erdacht also mussten die Investigationen, genau dies zum Ergebnis haben: Waffen doof, Bush doof, Amerika doof. Das hat Moore wiederum mit der Bildzeitung gemein, denn was genau geschah, ist auch bei der berüchtigten Springergazette nur von untergeordnetem Interesse. Er lieferte denen, die sie brauchten, angebliche Beweise um ihr Ressentiment rational klingen lassen zu können. Ob das beim BildBlog nicht stellenweise auch so ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Zumindest hat Moore sein Ziel erreicht; nicht umstonst schrieb der Stern anno 2003: “Moore spricht mit seinen Attacken auf die amerikanische Gesellschaft und insbesondere auf die ‘Bande im Weißen Haus’ das aus, was viele Deutsche denken. Allein 1.3 Millionen verkaufte Exemplare seines Buches ‘Stupid White Men’ hier zu Lande beweisen das.” Klar, den Zuschauern haben die ideologischen Schulterklopfer ungemein geschmeichelt. Dass Moore sich denselben Methoden bediente, wie die so verhasste Boulevardzeitung irritierte kaum einen. Auch das (im amerikanischen Sinne) liberale Hollywood nicht, welches “Bowling for Columbine” 2003 den Preis für den besten Dokumentarfilm verlieh. Dieser Preis ebenete den Weg für eine Reihe anderer “Dokumentarfilme”, die seinen doktrinären Stil aufgriffen, wie Outfoxed, Super Size Me oder An Inconvenient Truth von Al Gore, der den oben genannte Doku-Oscar vier Jahre später bekam. Vor allem Outfoxed hat bei seinen Feinden gelernt und den zappeligen Programmstil von FOX News in den eigenen Film eingewoben. Statt nur den Stil zu simulieren um den Zuschauern einen Eindruck davon zu vermitteln wird der Film - vielleicht unbewusst - zum Nutznießer der Manipulationsmethoden.

Im Gegensatz zum hochbeliebten BildBlog konnten Debbie Melnyk und Rick Caine nicht auf internationale Solidarität hoffen, als sie begannen ihren Film “Manufacturing Dissent” zu drehen, der Moores zweifelhafte Methodik zur Wahrheitsverdrehung kritisiert. In zahlreichen Interviews berichten sie, dass sich zuerst keiner für ihr Projekt interessierte - vor allem natürlich nicht für sein Anliegen. Das rechtsproletarische Milieu der Bildleser aufs Korn zu nehmen (man denkt unweigerlich an Mallorca und die Kombination Unterhemd, Brusthaar, Kölscher Akzent), ist ja von links betrachtet ein edles Anliegen. Nestbeschmutzer, die den antiamerikanischen Messias Moore in Ungnade bringen, bekommen in der Regel keinen Oscar verliehen. Das ist ihr Verdienst, sie kritisieren als Linke den linken Stammeshäuptling und nehmen eine wesentliche Störung des Burgfriedens in Kauf- wenn FOX News oder Christopher Hitchens Moore kritisieren, wundert es ja keinen. Außerdem sind Pazifisten wie Moore nicht für ihren Pazifismus bekannt, wenn es um ihre Integrität geht, was für die beiden eine zusätzliche Gefahr darstellt. Politisch gebrochen haben die kanadischen “progressive liberals” Melnyk und Caine mit ihm noch lange nicht, was man ihnen vorhalten muss: hinter dem Ruf nach Frieden versteckt sich Moore nämlich schon lange - wenn auch aus verschiedenen Gründen nur mäßig erfolgreich.

Zurück zum Film um nur einige Beispiele zu nennen: Schon bei der Überprüfung seines Familienhintergrunds, dem logischen Anfang einer jeden Biographie, stießen die beiden Regisseure auf Ungereimtheiten. Es stellte sich heraus, dass der proletarische background des Filmemachers in Wahrheit recht vergoldet war, also nichts mit Arbeiterhintergrund. Die klassische Szene aus “Bowling for Columbine”, in der Moore als Prämie für eine Kontoeröffnung von der Bank, eine Waffe in die Hand gedrückt bekommt, ist offenbar gefälscht. In Wahrheit hätte er beim Sherriff seine Daten und Lizenzen überprüfen lassen müssen und hätte die Waffe in einem Waffenladen erhalten. Interviewanfragen durch die Regisseure blockte der linke Dokuguru konsequent ab - einen Umstand, den er vielen anderen immer wieder vorwarf; vorneweg General Motors Chef Roger Smith in “Roger & Me”. Riesenlügen also - quasi Super Size Lies.

Und mal ganz ehrlich: der Vorwurf der Lüge ist schon der schlimmste, den man einem seriösen Dokumentarfilmer machen kann. Antiamerikanismus dagegen kann man ihm vorwerfen bis man schwarz wird, weil für die meisten selbiger, entweder gar nicht existiert oder als legitime Kritik akzeptiert ist. Wenn er jedoch lügt, tut er genau das, was er dem mächtigsten Mann der Welt und seiner “Bande” mit religiöser Inbrunst immer wieder vorgeworfen hat. Ein Glaubhaftigskiller vor dem Herrn. Aber keine Sorge: selbst wenn Moore zusammen mit Bush abgewählt wird, gibt es neue Gores und Moores, die seine Fackel weitertragen. Wer weiß, vielleicht steigt ja Roger Willemsen ins Filmgeschäft ein…oder Oskar Lafontaine. Und wenn sie sich noch Dieter Bohlen ins Boot holen, gibts vielleicht sogar eine Rezension in der BILD…

Dank an Erik R. Bishoff für die Erlaubnis sein Foto zu benutzen.

Comments (17) to “Super Size Lies”

  1. Der Herr Bishoff, dem ich für das wunderbare Moore-Bild danken muss, hat aus Interesse den Artikel mal bei Babelfish durchgejagt, damit er ungefähr weiß worum es geht. Er sagt, dass er zwar Moore-Fan ist, sich aber über kritische Auseinandersetzung freut. Amerikanische Höflichkeit.

    Ich weiß nicht genau, was er gedacht haben muss, als er das Ergebnis von Babelfish las:

    Who, means you, constitutes the readership of the BildBlogs - the most widely read Blogs in Germany? My assumption is: many, above all, young humans, as critically, formed and politically center left seeing itself; America-critically however world open and tolerantly. Thus exactly the people, which glad-lured as the investigative meat mountain Michael of moorlands, which uncomfortable truth about the Bushregierung and their serve-ready Americans found out and avoided on zelluloid. Moorland requirement was, then seemed it, the back doors and tricks to denunzieren the shade business and truth optimizations of the administration Bush and the open insanity America. These has it with the BildBlog, whose concept consists of it, all the volatile errors in common to uncover small exaggerations or large lies which the picture newspaper (called by the appropriate environment gladly “Bloed” newspaper) produces daily without a doubt. Investigativen journalism, which uncovers truth, preferably in America - the avowed critical spirit of Germany likes that. However with the “benefit” of a film of Michael of moorlands immediately it would have been noticeable to the critical spirit that this does not want to investigate, but agitates. Its, not in vain successful films, were as anti-American polemiken conceptionally devised thus must the Investigationen, exactly this to the result have: Weapons stupidly, Bush stupidly, America stupidly. That has moorlands in common again with the picture newspaper, because which happened exactly, is also with the notorious Springergazette only from subordinated interest. It supplied with to those, which needed to be able to let alleged proofs rational sound it around their resentment. Whether with the BildBlog also not in parts like that is, stands on another sheet written. At least its goal reached moorlands; not around-toned the star wrote anno 2003: that expresses moorlands in particular “with its attacks on the American society and on ` the gang in the white house ‘, which many Germans think. However 1,3 million of sold copies of its book ` Stupid White Men ‘ to country prove that here.” Clearly, the ideological Schulterklopfer flattered to the spectators uncommonly. The fact that the same methods availed itself moorlands like the in such a way hated boulevard newspaper hardly irritated one. Also (in the American sense) liberal the Hollywood not, which “bowling lent for Columbine” 2003 the price for the best documentary film. This price ebenete the way for a number of other “documentary films”, which took up its doctrinaire style, like Outfoxed, super Size ME or at Inconvenient Truth of aluminium Gore, which got the Doku OSCAR specified above four years later. Above all Outfoxed learned the zappeligen program style of FOX news with its enemies and into the own film to eingewoben. Instead of only the style to simulate around an impression of it the film - perhaps unconscious - will mediate to the spectators to the beneficiary of the manipulation methods. In contrast to the high-popular BildBlog Debbie Melnyk and Rick Caine could not hope for international solidarity, as them began its film “Manufacturing Dissent” to turn, the moorlands doubtful methodology for truth twist criticized. In numerous interviews report it that first none was not interested in its project - above all naturally in its request. The right-proletarian environment of the picture readers on the grain to take (one thinks inevitably of Mallorca and the combination Unterhemd, chest hair, Koel accent), is from left regards a noble request. Nestbeschmutzer, which bring the anti-American Messiah of moorlands in disgrace, no OSCAR lent gotten usually. That is its earnings/services, it criticizes as the left left master chieftain and accepts a substantial disturbance of the burgfriedens if FOX news or Christopher Hitchens of moorlands criticizes, surprises it none. In addition Pazifisten are not well-known such as moorlands for their Pazifismus, if it concerns its integrity, what for the two an additional danger represent. Politically the Canadian “progressive liberals” Melnyk and Caine with it did not break still for a long time, which one must reproach them: behind the call after peace hides itself moorlands already for a long time - although for different reasons only moderately successfully. To call back to the film over only some examples: Already with the examination of its family background, the logical at the beginning of each biography, the two directors encountered inconsistencies. It turned out that the proletarian was quite gilded background the film producer in truth, thus nothing with worker background. The classical scene from “bowling for Columbine”, in which as premium for an opening of an account of the bank, a weapon receives moorlands pressed into the hand, is obviously falsified. In truth it would have had to let data and licenses examine with the Sherriff its and would have the weapon in a weapon shop receive. The left Dokuguru blocked interview inquiries by the directors consistently off - a circumstance, which it accused to many different again and again; in front general of engine boss Roger Smith in “Roger & ME “. Giant lies thus - quasi super Size read. And times completely honestly: the reproach of the lie is already the worst, which one can make for a respectable documentary film producer. Anti-Americaism against it one can accuse to him to one becomes black, because for most more selbiger, does not exist either at all or is accepted as legitimate criticism. If it lies however, it does exactly what it accused again and again the most powerful man of the world and its “gang” with religious Inbrunst. A Glaubhaftigskiller before the gentleman. But no concern: even if moorlands as well as Bush one votes out, there is new Gores and moorland, which further-carries its torch/flare. Who knows, perhaps Roger Willemsen rises in the film business… or Oskar a Lafontaine. And if they get themselves still Dieter planks in the boat, gibts perhaps even a review in that PICTURE…

  2. Ein alter Hut. Wurde alles schon ausführlich in dem Buch “Michael Moore is a big fat stupid white man” ausgeführt.

  3. Das Buch bei Amazon.

  4. äh ja. toll. noch so´n ding, das offenbart, dass euch villains auch ´n paar avengers nicht schaden würden.
    den unterschied zwischen affirmation und überaffirmation (dass ich so was noch mal sagen/schreiben würde…) habt ihr echt nicht drauf…

  5. Komisch, das du das sagst, ich würde fast sagen die Bad Blogger verstehen sich gerade als solche. Oder war das ein indirektes Angebot? Eine Emma Peel zwischen den ganzen John Steeds, oder wie?

    Und deinem letzten Punkt könnte etwas inhaltliche Ergänzung nicht schaden. Gib’s mir!

  6. as you like it…
    ort? zeit? wahl der waffen?;-)
    samstag kriegst du´s…

  7. Die Zeiten, in denen ein Krieg durch teatimes und weekends unterbrochen wurden, sind aber vorbei… ;)

  8. Seltsam, wie kommst du auf die abwegigen Idee, Moore sei antiamerikanisch? Das einzige was er tut ist die Bush Regierung zu attakieren und auch die vorigen präsidenten der Demokraten lässt er nicht aus dem Fadenkreuz.
    Und agitieren will Moore bestimmt nicht, tut auch nicht. Hin und wieder mal eine direktere Andeutung oder Aussage, aber Agitation ist echt was anderes. Auch versteh ich nicht genau wo Moore nun ach so schlimm lügen soll. Ersteinmal ist es nur eine Behauptung das die Waffen-konto Szene gefälscht ist und mit Behauptungen kann ich nichts anfangen. Dann muss Morre auch nicht mit jedem dahergelaufenen Troll reden, wer weiß schon die genauen Gründe, warum er das Interview abgelehnt hat (falls das überhaupt wahr ist)

    Aber ist schon klar, man nimmt halt das für wahr was einem grad so in den Kram passt, während man Moores Aussagen mit aller härte auf die goldwaage legt oder lieber erstmal verweigert, so wie es halt gelegen kommt.

    Und dann ist mir nicht ganz klar, wo er Bildzeitungmethoden benutzt. (Konkrete Gründen fehlen selbstverständlich.)
    Aber ich versteh schon, wer gegen die rechtsnationalistische und offen rassistische US Regierung ist, und auch noch wagt sie anzuklagen ist eben nicht brav artig staatstragend sondern ein pöser pöser Terrorist. stimmts? ;)

  9. Kurzum, Sie können mit dem ganzen Artikel nichts anfangen bzw. halten ihn für gelogen und da kann ich Ihnen beileibe nicht weiterhelfen…

  10. ADL, wenn du wissen willst woher diese unglaubliche Art stammt sich die Welt so zurecht zu lügen, dass es in die leere Schachtel passt, die ‘ich und so’ stolz seinen Kopf nennt, dann musst du den Klassiker Pipi Langstrumpf zu Rate ziehen:

    »… eins und eins macht sechs, widewidewit und eins macht neune, ich mache mir die Welt, widewidewie sie mir gefällt…«

  11. lol, aber geschickt ausgewichen, nich schlecht. is vermutlich auch besser so für dich ;)

  12. Wieso eigentlich? Hast du etwa noch mehr verbale Aussetzer parat?

  13. Wieso es besser ist für ADL auszuweichen?

    Vielleicht weil ihm für eine Antwort ihm die Worte fehlen, oder er sich nicht in Wiedersprpüche verstricken will, so genau weiß ich es auch nicht.

    Übrigens hab ich weder was “zurecht gelogen” noch behauptet der Artikel wäre gelogen. Und dann wüsste ich nicht, was ich für “verbale Aussetzer” gemacht hätte, im Gegensatz zu dir hab ich niemenaden als einen Lügner beleidigt.

  14. Willst du die Wahrheit hören? Meine Zeit ist mir zu schade um mich mit Leuten auseinanderzusetzen, die zwar suggestive Fragen stellen aber denen meine Antwort völlig egal ist…

  15. Ach so, für die ganz blöden: Was verbindet Moores Methoden mit denen der BILD-Zeitung: “flüchtigen Fehler, kleinen Übertreibungen oder großen Lügen”.

    Sprich: die Wahrheit über das Amerika post-911 wär zu komplex, also warum nicht einfach lassen. Ich und so wirds danken…

  16. http://www.netzeitung.de/entertainment/cannes/650630.html

  17. “Willst du die Wahrheit hören? Meine Zeit ist mir zu schade um mich mit Leuten auseinanderzusetzen, die zwar suggestive Fragen stellen aber denen meine Antwort völlig egal ist…”

    Ob mir deine Antwort völlig egal wär, kannst da wohl kaum wissen, da hast ja noch nicht mal eine gegeben.
    ein kleiner Quellenverweis/link hätte mir auch schon gereicht ;)

    Außerdem hätte ich mir wohl kaum die mühe gemacht was zu schreiben, wenn mich ne Antwort nicht interessiert hätte. aber gut, musst ja nicht.

    danke für den link sol, war interessant zu lesen.

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