Wednesday, June 27, 2007
Das Günter Grass vor Jahren, statt dem Eisernen Ritterkreuz, den Literaturnobelpreis hinterher geworfen bekam, ist eine dieser Tragödien, die es einem vernunftbegabten Erdenbewohner so schwer macht, noch an den - wenn auch weit entfernten - Sieg der Gerechtigkeit überhaupt nur zu glauben. Dieser Tage wandelt Deutschland zweitberühmtester Hitlerjunge - der andere hat es sich im Vatikan gemütlich gemacht - auf den Straßen New Yorks umher um seinen autobigrafischen Landserroman “Beim Häuten der Zwiebel” unters amerikanische Volk zu bringen. Was dabei alles vom Munde des Dichters direkt in die Mülltonne der Geschichte entsorgt gehörte, kam zwar in der deutschen Presse zwischen den Zeilen vor, wurde aber in einem Licht dargestellt, das der große deutsche Literat sich nicht besser hätte aussuchen können. Er, der arme kleine SS-Fan, schaffte es bei seinem ersten Auftritt in New York mal wieder die eigene nationalsozialistische Verstrickung gegen diejenigen zu wenden, die ihm wenigsten Fragen danach stellen… (Continued)
Sunday, June 24, 2007
“Wer rettet die Welt vor den Weltrettern?”, fragt Michael Miersch im Leitartikel “Die Klima-Hysterie” der aktuellen Ausgabe des Cicero. Als Argumentationshilfe gegen noch zu rettende Weltretter oder schlichtweg Dokumentation des alltäglichen Wahnsinns, unbedingt zu empfehlen. Genauso wie die ebenda veröffentlichte Entzauberung der Klimadebatte seines politischen Zwillings Dirk Maxeiner, der “Unbequeme Wahrheiten” beinahe banal ins hart umkämpfte Feld führt. Ein Vorgeschmack: “Klimawandel ist der Normalfall.”
Friday, June 22, 2007
Es nimmt nicht wunder, dass der eine oder andere Arzt in seiner Freizeit gerne auf den Golfplatz geht, ein frisches Lacosteshirt über den längst nicht mehr frischen Oberkörper zieht, die ebenfalls nicht mehr frische Ehefrau im Clubhaus abgibt und mit stolzer Pose, den Eindruck, Sport zu treiben, lässig abwehrend, über die greens flaniert, um zu gegebenem Zeitpunkt einen je nach Handicap versierten Schlag in Richtung des nächsten hole zu unternehmen. Einem dieser Ärzte habe ich gestern wieder meine Gesundheit anvertraut. Besonders gerne bin ich dort nicht hingegangen, nachdem er mir eine Woche zuvor, zwei Spritzen in den Rücken rammte, während er sich zu einer Brandrede gegen das deutsche Sozialsystem und die verweichlichte deutsche Jugend verstieg. Die Untersuchung war so kurz, dass ich mir nicht einmal seine Diagnose merken konnte. Irgendwas mit dem Rücken eben. Dagegen setzte der habilitierte Blitzmerker auf Stromtherapie, gegenüber der ich sogar Zaubersprüche vorziehen würde, und auf ein Rheumaticum, dass ich eine Packungsbeilage später partout nicht einnehmen wollte. Erstaunlicherweise ging es mir einfach nicht besser, tendenziell sogar etwas schlechter. (Continued)
Wednesday, June 20, 2007
Politische Weggefährten sind wie Kaugummis, am Anfang süß und intensiv, einige Jahre später aber dann einfach nur noch geschmacklos. Dies musste ich am Wochenende leider mal wieder aus erster Hand erfahren. Ein alternder Genosse erzählte mir von seinem politischen Comeback, in der gerade neu gegründeten linken Einheitspartei. Eigentlich dachte ich bis dato, dass sich in meinem Bekanntenkreis der Grundsatz, dass man mit 20 Lenzen ja gut und gerne ‘Autonomer’ bzw. ‘Kommunist’ zwecks Identitätsfindung spielen darf, aber das spätestens ab 30 dann damit endgültig Schluß sei, durchgesetzt hatte. Fehlanzeige, mein etwas in die Jahre gekommener Weggefährte war sogar Vereinigungsparteitagsdelegierter… (Continued)
Wednesday, June 20, 2007
Lieber Herr nichtidentisches, vielen Dank für die Anfrage.
Wir haben eine E-Mail Adresse aber der Quasiadministrator - moi - kam nicht auf die Idee, diese an prominenter Stelle zu veröffentlichen. Liebesbriefe und Hatemails also in Zukunft einfach an: badblogcom@gmail.com
Friday, June 15, 2007
Antisemitismus scheint dem Konkret-Autor Kurt Pätzold eine Herzensangelegenheit zu sein, jedenfalls dann, wenn es um den in der DDR geht. Sogar so wichtig, dass er extra die Freie Deutsche Jugend (FDJ) dafür rekrutiert, ein Flugblatt mit einem Bibelzitat als Überschrift unter die Leute zu bringen.
In der Flugschrift, räumt Pätzold zwar öffentlich ein, dass es “in der Frühphase der DDR” zeitweilig eine “politisch sektiererische, verständnislose und dumme Politik gegenüber den jüdischen Gemeinden mit verheerenden, nicht wieder zu behebenden Folgen” gegeben habe, die zu “Flucht und Weggang von Juden in den Westen führte“, aber nichtsdestotrotz ist der ausgebildete Historiker der Meinung, dass die DDR ein rund um perfektes antifaschistisches Staatswesen war. Die Ausstellung “Das hat’s bei uns nicht gegeben - Antisemitismus in der DDR.” wird deshalb von ihm heftig kritisiert. Unterstützung bekommt er dabei von der Lichtenberger Linkspartei und sämtlichen linksdeutschen Presseorganen… (Continued)
Thursday, June 14, 2007
Berauscht von Glücksfragmenten körpereigener und synthetischer Drogen, im Bund mit den üblichen Verdächtigen oder neu zusammengewürfelten Mitspielern in einem Spiel für Erwachsene. Das künstliche Selbstbewusstsein wiegt allmählich die Ängste auf, während ein atypischer Aktionismus der Lethargie einen Sieg abringt. Irgendwo zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Indifferenz und Einspruch gegen das beschädigte Leben. Der Initiationsritus vor einer rauschenden Clubnacht, der auch als Vorglühen bekannt ist, markiert den Anfang des Ausstiegs vom Alltag in ein Abenteuer. Die Schatzsuche beginnt. Das Ziel ist der Tresor Berlin.
Doch genug des Pathos, hin zu den schmeichelnden Fakten. Der wohl berühmteste Technoclub der Welt öffnete am 24. Mai wieder die Pforten in den Himmel - und in die Hölle. Sven Väth, eine Ikone der internationalen Technoszene, legte nach über zwei Jahren Zwangspause die ersten Platten auf. In der Köpenicker Straße, im alten Vattenfall-Gebäude am südlichen Spreeufer, liegt das neue Domizil von Dimitri Hegemann, dem Gründervater des Tresors. Mit Ausnahme vielleicht des Berghains, dem ehemaligen Ostgut, am Wriezener Bahnhof in Berlin Friedrichshain, gibt es keinen Club in der Hauptstadt, der so sehr mit Mythen und Legenden behangen ist. Der Tresor schien immer mehr zu sein als ein Raum zum flüchtigen Amusement und zur amüsierten Flucht. (Continued)
Tuesday, June 12, 2007
Löcher sind meisten tief. Sie werden im Normalfall gebohrt, gesprengt oder geschaufelt. Das Bloggersommerloch dagegen ist weder tief noch wurde es gesprengt, es entspringt viel eher der Tatsache, dass fast jeder Blogger - so wie es auch bei den Journalisten üblich ist - von dem anderen abschreibt. Und nachdem die G8-Beschäftigungstherapie für linke Berufsjugendliche beendet ist, sitzen die meisten Blogsportler auf dem Trockenen… (Continued)
Monday, June 11, 2007
Berliner Rapper sind hart, jedenfalls härter als der Rest der Welt. So erzählt man es sich auf den dreckigen Straßen in den verwinkelten Blöcken der bepissten Hauptstadt. Es ist ein Mythos der die Eigenwahrnehmung benebelt um mit nicht in der Hölle namens Leben schon vor dem biologischen Tod, den gesellschaftlichen erleben zu müssen. Doch die Realität dringt, langsam, aber sicher, sogar bis in die Lebenswelt der Berliner Straßenjungen vor: Hatte schon 2004 der Frankfurter Rapper Azad auf dem HipHop Open von MTV Sido ein Veilchen verpasst, so scheint am vergangenen Samstag der Berliner “Panzer” Massiv in Duisburg unter die Räder gekommen zu sein… (Continued)
Tuesday, June 5, 2007
Oder etwa doch noch nicht? Man weis es nicht so genau: Bekannt ist aber dafür, dass unser Partner in Crime, Nichtidentisches, sich ein wenig mit seiner alten Kultband Slime auseinandergesetzt hat: Unbedingt lesen…
Sunday, June 3, 2007
Holger Burner ist ein deutscher Rapper, der anders ist als die anderen. Holger Burner ist nicht “sexistisch, autoritär und aufgeblasen“. Wenigstens will die VER.DI PUBLIK uns das glauben machen. In der Rubrik Menschen hat ihm Maik Söhler eine Hommage gedichtet, die genauso gut an alle Parteigänger des Rappers wie des Schreiberlings gerichtet ist. Die Linke feiert sich eben selbst, wenn es schon sonst nichts zu feiern gibt.
“Der Agit-Rapper“, so die Überschrift, dient als Vorlage, die eigenen Leute für gewerkschaftliche Aktivität zu agitieren. Indirekt wird damit eingestanden, dass es um die Moral der Truppe nicht so gut bestellt zu sein scheint. Holger Burner darf sich daher einer Beweihräucherung erfreuen, die nicht einmal er selbst zustande bringen könnte. Ein Vorbild muss her. Und da man auch bei der größten Gewerkschaft geschnallt hat, dass HipHop unglaublich angesagt ist, taugt ein Rapper umso mehr. Weil der Autor um die negativen Vorurteile gegenüber der “primitiven Negermusik” von Teilen seiner Leserschaft weiß, bedient er sie zunächst. Dagegen bringt er argumentfrei und verlogen die “Stars der deutschen HipHop-Szene” in Stellung, und natürlich den Newcomer Holger Burner. (Continued)