Virtuelle Blograndale
Löcher sind meisten tief. Sie werden im Normalfall gebohrt, gesprengt oder geschaufelt. Das Bloggersommerloch dagegen ist weder tief noch wurde es gesprengt, es entspringt viel eher der Tatsache, dass fast jeder Blogger - so wie es auch bei den Journalisten üblich ist - von dem anderen abschreibt. Und nachdem die G8-Beschäftigungstherapie für linke Berufsjugendliche beendet ist, sitzen die meisten Blogsportler auf dem Trockenen…
So hat zum Beispiel die Afterchose aus Erfurt ganz tapfer sein enorm langweiliges Blog für ein paar Tage dicht gemacht, weil er - wenn auch nur für ein paar Tage - endlich mal ein Visum für Berlin bekommen hat. Schön für ihn, schlecht für Berlin, möchte man da meinen… Doch damit noch lange nicht genug: Die sich für besonders pfiffig haltende Bauhaustapete hat sich in den letzten Jahren komplett nackig gemacht. Erst sprang der Dorfdepp aus Hohenschönhausen auf die Streetartwelle auf, als sie schon längst wieder verebbt war, um dann ebenfalls arg verspätet in die Blogossphäre einzudringen wie eine Tagedieb bei Nacht, nur um aktuell solch spannende Nachrichten zu verbreiten, dass einer der Unsrigen bei einer Veranstaltung von Henryk M. Broder gesichtet wurde… Boah!
Man könnte meinen, dass dies alles nur Ausdruck seines Dranges war andere Menschen zu denunzieren, eine sehr weit verbreitete Unart deutscher Landsknechte. Doch diese Chance bot sich dem linken Lakaien deutscher Moral schon oft. Insofern bleibt die Frage: Warum jetzt? Möglicherweise griff er zu dem Mittel des sogenannten Frustrationsfoul, weil der von ihm herbeigebetete Aufstand der weltweiten Multitude in und um Heiligendamm komplett gescheitert ist. Es gab ein Mütchen zu kühlen, und es gibt für die Tapete nunmal nur einen Feind, der weder über Wasserwerfer, noch über publizitische Flaggschiffe oder genügend zu mobilisierender Autorität besitzt, nämlich uns….
Und das ist auch gut so. Nur leider fragen sich die armen Aufmerksamkeitsjunkies von Aftershow über Bauhaustapete bis hin zu Zahai getreu nach Lenin nun jeden Tag aufs Neue: Was tun? Die Revolution ist im Rapsfeld vor Heiligendamm kläglich gescheitert, und das obwohl Tim Laumeyer die Bündnisfähigkeit der “Interventionistischen Linken” mit jeder noch so schlechten Floskel die ihm gerade auf der Zunge lag zu retten versuchte. Falls ihm doch mal ein halbwegs sinnvoller Satz über die schmierigen Lippen ging, dann lächelte die bunte Schar der Globalisierunggegner den emanzipatorischen Ansatz schnurstracks von der Bildfläche. Kameras gab es ja zur Genüge in der Gegend rund um das G8-Spektakel…
Die Anti-G8-Aktivitäten waren ein großer Reinfall für diejenigen die es ernst mit der Randale und ihrem Hass auf den Kapitalismus meinen, weshalb nicht wenige der Therapieteilnehmer in den ersten Tagen nach dem Großereignis des linken Gruppenkuscheln plötzlich auffiel, dass ein nicht gerade geringer Teil ihrers Lebensinns abhanden gekommen war… Weder die brennenden Polizeiautos, noch die angeblich so erfolgreichen Blockaden brachten ein Erfolg für ‘die Sache’. Stattdessen fütterten die radikalen Linken die Dauerkrise namens Klimaktastrophe mit dem von ihr dringend benötigtem Brennstoff Moralin. Statt die bürgerliche Gesellschaft wenigstens ein klein wenig in ihren Grundfesten zu erschüttern, wurde dabei geholfen die Probleme auf die Schultern der einzelnen postbürgerlichen Subjekte abzuladen. Das neue Programm der naiven Weltverbesserer lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Mülltrennung statt Marxexegese. Oder wahlweise auch: Biodiesel statt Benzolrakete.
Die linksradikalen Spaßbremsen vom Planeten Blogsport ahnen zwar etwas von ihrer politischen Niederlage, aber diese sich auch einzugestehen klappt beim besten Willen nicht. Die Hippies und Ökos haben ja auch nicht gewonnen. Ebenso die Polizei nicht. Nur zu dumm, dass es denen gar nicht ums gewinnen, besser gesagt ‘das Ganze’, geht. Die Hippies und Ökos haben mit ihrer reaktionären Welterrettungsideologie den Kampf um die Köpfe, ähm nein, die Herzen gewonnen, die Polizei den Kampf um mehr finanzielle Mittel. Und die Linksradikalen? Die sitzen am Katzentisch, gemeinsam mit den Neonazis…
Und von da aus werfen sie nun mit Dreck in unsere Richtung. Ein größeres Kompliment können wir eigentlich nicht bekommen…
In diesem Sinne, Edward E. Nigma
tee wrote:
irgendie komm ich einfach nicht dahinter, was du der welt hier mitteilen willst.
du solltest vielleicht nicht soviel von deinem aufmerksamkeitsdefizit projizieren…
Posted on 13-Jun-07 at 1:02 am | Permalink
Bauhaustapete :: Alte Beissreflexe wrote:
[...] Es hätte mich wirklich bewundert, wenn er anders reagiert hätte. Es reicht immer noch, ein scheinbar harmloses Wort, und der gute Edward E. Nigma nutzt die Gelegenheit, eine ellenlanges Pamphlet zu verfassen, in dem er sich seinen ganzen Frust von der Seele schreiben kann. Edward greift dafür besonders tief in die Phrasenkiste, gleich im ersten Satz: “Löcher sind meisten tief.” Aaaha. [...]
Posted on 17-Jun-07 at 11:06 pm | Permalink