Brothers Keepers vs. Bobby Dick

Wer vom Antiamerikanismus/Antisemitismus im Deutschrap nicht reden will, der sollte vom Rassismus/Sexismus schweigen. So kurz und knapp könnte man die aktuellste Wortmeldung der Brothers Keepers und ihrer illustren Unterstützer zum Thema Rassismus abkanzeln. Doch es braucht wohl noch ein paar mehr der Worte, um dem geneigten Leser den komplizierten Sachverhalt näher zu bringen. Da wäre zuerst zu berichten, dass die Brothers mal wieder “das Schweigen brechen” wollen, doch diesmal nicht weil ein arischer Dummkopf einen der Ihren in die ewigen Jagdgründe prügelte, sondern weil die Werbung und die Liedtexte des aktuellen Album vom gebürtigen Afroamerikaner B-Tight angeblich rassistisch und sexistisch sein sollen. Die guten Menschen aus Grüngroßdeutschland: Claudia Roth (Bü90/Grüne), Marieluise Beck (Bü90/Grüne), Monika Griefahn (SPD), Murat Güngör, Hannes Loh, Omid Nouripour (Bü90/Grüne), Smudo, Roger Willemsen und natürlich Torch sind sich natürlich nicht zu schade, ihren guten Namen für diese emotionale Anti-Aggro-Kampagne herzugeben.

Um gleich den Zusammenhang aufzuklären, ein Großteil der letztgenannten Personen diskutierte schon einmal ziemlich medienwirksam über die Themen Rassismus und Sexismus im deutschen Rap (Links zum Thema: 1,2,3,4). Griefahn, Roth und Co. riefen damals wie viele deutschen Politiker, wenn sie ein jugendsubkulturelles Phänomen nicht verstehen, nach einem Verbot der für sie anstößigen Musik. Nachdem dieses Unterfangen vor zwei Jahren kläglich scheiterte, scheinen sie nun im Bündnis mit den Brothers Keeper einen zweiten Anlauf zu nehmen.

Und diesmal könnten sie womöglich Erfolg haben. Die zwei gröbsten Diskursfehler der letzten Debatte haben Griefahn, Roth und Co. diesmal ausgemerzt. Ersten sitzen - wenn auch nur einige wenige - authentische Deutschrapper im Verbotsboot der rotgrünen Moralapostel und zweitens ist ihnen mit dem Album ‘Neger, Neger’ von B-Tight wirklich eine Steilvorlage in die Hände gefallen. Der Hauptvorwurf des Rassismus ist somit ihr Haupttrumpf, doch blöderweise richtet der sich gegen einen rappenden Afroamerikaner. Und es sollte doch hinlänglich bekannt sein, dass gerade rappende Afroamerikaner sich dieses Schimpfwort angeeignet haben, um es in ihrem Sinne umzuinterpretieren oder damit einfach die weißen Konsumenten ein wenig zu schockieren. Doch lassen wir erst einmal die vereinsmäßig organisierten Afrodeutschen zu Wort kommen:

Sowohl der Albumtitel als auch die Liedtexte (Bsp.: „Wer rammt immer noch sein Penis in dein Loch, sag mir wer ist immer straff? Der Neger Neger!“) und die Werbekampagne sind nicht hinnehmbar. Das Wort „Neger“ (in Folge N-Wort genannt) ist eine rassistische Beleidigung. Wir lehnen die Verwendung des N-Wortes, egal ob als Fremd- oder Selbstbezeichnung, ab – genauso wie jegliches sadistisch-sexistisches Vokabular.

Das N-Wort steht für die Herabwürdigung und Entmenschlichung Schwarzer Menschen. Dies zeigt sich sowohl in der deutschen Geschichte (Sklaverei, Kolonialismus, Genozid, Zwangssterilisierung, Ermordung in Konzentrationslagern) als auch in der deutschen Gegenwart. So sangen die faschistischen Mörder von Alberto Adriano das kolonialrassistische deutsche Kinderlied „Zehn kleine Negerlein“, während sie den mehrfachen Familienvater feige und brutal zu Tode traten. Zudem bedient sich die rechtsextreme Polit-Szene allzu gerne des N-Wortes, wie die jüngsten Aussagen über „arrogante Wohlstandsneger“ des NPD-Fraktionschefs, Holger Apfel, im Sächsischen Landtag zeigen.

Okay, jetzt tief durchgeatmet und noch einmal nachgedacht, was hat der als Robert Edward Davis in Palm Springs, Kalifornien geborene afroamerikanische Künstler B-Tight mit der deutschen Geschichte zu tun? Wahrscheinlich ebensoviel wie der amerikanische Scientologe Tom Cruise. Doch trotzdem müssen beide auf die Befindlichkeiten der deutschen Übermenschen Rücksicht nehmen. Die Forderung der selbsternannten Sozialarbeiter und Freizeitpädagogen nach der Zensur von Musik die nicht ihren moralischen Ansprüchen genügt, dient einzig und allein der Beruhigung naiver Staatsbüger. Vor allem aber der Eltern, die zu wenig Zeit für ihre Kinder haben, und sich deshalb andauernd den Kopf darüber zerbrechen, was ihre Kinder in der Zeit machen, wo sie nicht in ihrer Obhut sind. Und natürlich geht es auch um den Selbstbetrug der Brothers Keeper. In dem Augenblick wo die Keepers nur noch Musik zu Ohren bekommen, die weder rassistisch, noch sexistisch ist, fühlen sie sich zwar besser in good old Germany und können beruhigt in ihrer Antira-Kuschelgruppe eintauchen, doch das Problem ist damit nicht gelöst. Einzig ein paar Lautsprecher sind verstummt, weil ein paar Hebel durch die Autoritäten in Bewegung gesetzt wurden…

Der Ruf nach einem Verbot von B-Tights neuem Album macht den Eindruck, als ob sich all der Rassismus und der Frauenhass nur von seiner Musik ausgelöst wird. Welch ein Blödsinn. Die Verantwortung wird mittels der von den Brothers Keepers angeleierten Teufelsaustreibung also lediglich von der Gesellschaft auf einzelne Musiker und Produzenten verschoben. Und ich frage Euch: Wem nützt das? An erster Stelle den Brothers Keepern die mittels ihrer Kampagne das Türchen zur Öffentlichkeit aufstoßen. An zweiter Stelle den beteiligten Politikern die so tun, als würden sie an einer Lösung des von ihnen benannten Problems arbeiten. Und an dritter Stelle? Aggro Berlin natürlich. Deren Verkaufszahlen steigen allein durch den Versuch das Album ihres ‘Neger, Neger’ zu skandalisieren…

Was lernen wir also daraus? Während die Brothers Keepers auf dem Evangelischen Kirchentag 2007 auftreten müssen, kann B-Tight es sich bei Aggro Berlin bequem machen. Platz 6 der Albumcharts hatten die Brothers Keeper das letzte Mal vor über fünf Jahren. Deshalb ist auch der einzige wahre Satz in ihrer Presseente der folgende:

B-Tight repräsentiert in keiner Weise die Schwarze Community in Deutschland, sondern allein seine eigenen gewinnmaximierenden Interessen und die seines Labels Aggro Berlin.

Ihr Problem bleibt aber, dass auch sie nicht die ‘Schwarze Community in Deutschland’ repräsentieren. Dazu sind sie zu deutsch. Sie repräsentieren diejenigen, die es nicht lassen konnten, das Label Afrodeutsch in diesem Land zu etablieren…

Comments (5) to “Brothers Keepers vs. Bobby Dick”

  1. Brothers Keepers, Monika Greifahn Claudia Roth! WOW……..

    Geil. ein hyperreligiöser Schnulzensänger, Monika Greifahn, Claudia Roth und ein paar rapperchen die keiner mehr hören will erheben den Zeigefinger !!

    Ich mochte Brothers Keepers noch nie besonders aber das was sie da jetzt anzetteln (mit unzterstützung von Monika Greifahn und Claudia Roth) ist einfach nur noch lächerlich! Ach, und der Joachim Deutschland gehört auch dazu? Wie ging nochmal sein Lied? “Schlampe, Drecksau ich hoff es geht dir schlecht!” Gerade Afrob sollte sich mal an die eigene Nase fassen. Seine Texte auf dem letzten Bass Sultan Hengzt Album standen den Texten von B-Tight (Aggro Berlin) meiner Meinung nach in nichts nach…

    Ca. Kanak Attak Ertan Ongun bezeichnet sich selbst voller Stolz als “Kanake”. Was einmal ein rassistisches Schimpfwort war?
    Haben Die Unterstützer ink Frau Greifahn und Frau Roth gezählt wie oft des „N-Wortes“ in Brothers Keepers Text erscheint ?

    Sicherlich Nicht!

    Sicherlich nicht……

    SPD Politik : Brothers Keepers, Kanak Attack, (mit unzterstützung von Monika Greifahn und Claudia Roth) sind OK …..Aggro Berlin Nicht ?

  2. [...] Als ich vor zwei Tagen den Verdacht äußerte, dass die antirassistische Empörung der Brothers Keepers über das neuen Album von B-Tight von Monika Griefahn, Claudia Roth & Co. genutzt werden könnte, um ihre Zensurgelüste gegenüber deutschen Rappern endlich in die Tat umsetzen zu können, ahnte ich nicht, dass es so schnell zur Sache gehen würde. [...]

  3. [...] Interessant ist, dass bisher noch niemand von den sonst so besorgt dreinschauenden Moralaposteln aufgeschrien hat. Eigentlich sind doch Claudia Roth, Alice Schwarzer und Monika Griefahn immer sofort zur Stelle wenn ein Deutschrapper auch nur das Wort ’schwul’ in den Mund nimmt. Hier in diesem Falle ist neben den homophoben und frauenverachtenden Passagen auch noch Antisemitismus dem Rapertoire beigemengt, und kaum jemand regt sich darüber auf (1,2)… [...]

  4. Es geht doch gar nicht alleine um das “N-Wort” (das einige Brothers-Keepers Mitglieder, mindestens Afrob und Denyo*) auch immer mal wieder in den Mund genommen haben, sondern um den eindeutig aggressiv-rassistischen Kontext in dem dieses Wort verwendet wird. B-Tight lässt keinen Spielraum für Ironie in seinen Tracks. Er meint es rassistisch und steht dazu.

    Ich bin kein Fan von der Verwendung des N-Worts, aber wer will - bitte. Einen großen Unterschied sehe ich nur darin, ob das Wort im Sinne von “Kumpel, Kollege, Freund” verwendet wird (wie es im amerikanischen Gangsta-Rap im allgemeinen gemeint ist) oder ob es bewusst rassistisch als offensichtliches Synonym von “gewalttätiger, aggressiver, drogengeiler, vergewaltigender Schwarzer” benutzt wird, wie z.B. bei B-Tight.

    Sicher ist B-Tight nicht der einzige, dem man das ankreiden kann, und die Frage ob diese Petition so sinnvoll ist und ob man ihr in jeder Aussage wörtlich unterschreiben kann. Die Grundaussage “Gegen Gewalt/Rassismus/Sexismus” finde ich auf jeden Fall wichtig, deswegen hab ich unterschrieben auch wenn ich die Ansätze in Richtung “Zensur” ziemlich unpassend und sinnlos finde (da Aggro ja eigentlich nur darauf wartet, zensiert zu werden - Stichwort “Reiz des Verbotenen”).

    * z.B. in “Mikro in der Hand” auf dem Album Bambule - in einem Kontext wie diesem braucht man sich z.B. über das Wort nicht aufregen.

  5. Sie denken wahrscheinlich, ich sollte das N-Wort nicht benutzen“, witzelte der schwarze Schauspieler und Komiker Chris Rock einst im amerikanischen Fernsehen, “aber diese Regel gilt nur für Weiße. Jeder Schwarze kann ungestraft Nigger sagen. Wie wenn Sie Ihr Kind einen Idioten schimpfen. Das dürfen auch nur Sie. Tut es aber jemand anders, dann gibt es Ärger…Quelle.

    Johannes, du als Weißbrot solltest dich nicht soweit aus dem Fenster hängen. Zumal du wohl auch nur wenig Ahnung von der Materie hast:

    B-Tight lässt keinen Spielraum für Ironie in seinen Tracks. Er meint es rassistisch und steht dazu.

    Kannst du das beweisen? Hast du da irgend ein Zitat von den Rapper, oder plapperst du einfach nur etwas nach?

    Einen großen Unterschied sehe ich nur darin, ob das Wort im Sinne von “Kumpel, Kollege, Freund” verwendet wird (wie es im amerikanischen Gangsta-Rap im allgemeinen gemeint ist) oder ob es bewusst rassistisch als offensichtliches Synonym von “gewalttätiger, aggressiver, drogengeiler, vergewaltigender Schwarzer” benutzt wird, wie z.B. bei B-Tight.

    Also zuerst einmal: Das N-Wort wird in den USA nicht im Sinne von “Kumpel, Kollege, Freund” benutzt… Und wie gesagt wie kommst du darauf, dass es der !Afroamerikaner! B-Tight es ausgerechnet aus rassistischen Gründen benutzt?

    Die Grundaussage “Gegen Gewalt/Rassismus/Sexismus” finde ich auf jeden Fall wichtig, deswegen hab ich unterschrieben auch wenn ich die Ansätze in Richtung “Zensur” ziemlich unpassend und sinnlos finde.

    Das ist schön für dich. Doch solltest du erst einmal überlegen, bevor du etwas unterschreibst: Was war zuerst da? Der Sexismus, die Gewalt und der Rassismus in der Gesellschaft? Oder im Deutschrap? Und nun frage ich dich zum Abschluß, wann hast du das letzte Mal eine Petition gegen die deutsche bzw. kapitalistische Gesellschaft unterschrieben? Wann, lieber Johannes…

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