Mach et, Günter!

Während alle über Integration und Kulturkampf zetern, macht Günter Wallraff einfach einen Vorschlag: Er will Salman Rushdies “Satanische Verse” vorlesen - in der Moschee. Ein neues Kapitel im leidvollen Islamismus-Drama? Auf jeden Fall eine mutige Idee zur rechten Zeit!” schreibt der von mir hoch geschätzte Reinhard Mohr aktuell auf Spiegel Online. Und um unseren geneigten Lesern nicht den Artikel der Woche vorzuenthalten, hier einfach mal der Link

Nachtrag: Einen Tag nachdem die Idee von Günter Wallraff publik wurde, gibt es schon die ersten Kommentare dazu. Die von Martin Walser und Feridun Zaimoglu sind mal wieder besonders gelungen:

Der in der Türkei geborene Journalist und Schriftsteller Feridun Zaimoglu würde nicht an Wallraffs Seite aus Salman Rushdies Werk zitieren wollen: “Ich liebe Günter Wallraff heiß und innig, aber ich würde nicht an der Lesung teilnehmen. Ich würde ja auch nicht den Film Pasolinis ‘Die 120 Tage von Sodom’ in einer katholischen Kirche zeigen. Ich halte nicht viel von der Erregung öffentlicher religiöser Ärgernisse - in keine Richtung. Wallraff halte ich trotzdem für einen ganz Großen.

Der Schriftsteller Martin Walser spricht sich mit deutlichen Worten gegen eine solche Lesung aus. Das Vorhaben sei “anmaßend“, meint er: “Es gibt genug Muslime, die das Buch kennen. Ich finde nicht, dass die deutschen Autoren als Vorleser auftreten müssen. Warum braucht es dazu einen Nicht-Muslim? Wir Autoren sind doch nicht die Dolmetscher zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Das erscheint mir als kolonialistische Anmaßung. Das ist ein Missionarstrieb, den ich nicht teilen kann. Wir sind doch nicht die Lehrer!

Quelle: SPON

Comments (4) to “Mach et, Günter!”

  1. Der Kommentar von Zaimoglu besitzt schon seinen Wert. Der Vorschlag, Sade in einer katholischen Kirche vorzulesen, bedeutet, die Institution mit ihrer eigenen Geschichte zu konfrontieren. Der Markgraf sprach letztlich das aus, was in den verdrängten Vorstellungen römischer Inquisitoren von der Bekämpfung der Häretiker bis zur Gegenwart vorhanden war.

  2. Okay, okay, damit hast du Recht. Mein Problem mit Zaimoglu entspringt einem Interview mit ihm, welches Gremliza Anfang diesen Jahres in seinem Hausblatt veröffentlicht hat. Da hat der gute Mann aus Anatolien sich als sozialkonservativer Moslem mit eindeutig ekligen Ansichten geoutet….

    Leider habe ich dieses Interview bisher nicht komplett im Netz gefunden.

  3. Was er in das besagte Blatt gesagt haben soll, kann ich nicht nachvollziehen. Jedoch macht er auf mich den Eindruck, als vertrete er diese Parallelgesellschaften- Opfermentalität, dieses “Verständniszeigen” für eine kollektivistische Denkrichtung.

  4. Ja, das trifft es ganz gut. Mehr als den Artikel in der FAZ habe ich aber leider auf die Schnelle nicht zu bieten…

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