Eine Romanze im 4/4-Takt
Man ist geneigt anzunehmen, dass Techno und Politik so unverträglich sind wie Alkohol und Schmerztabletten. Trotzdem scheint nicht nur letztere Kombination für einige vornehmlich kapitalismuskritische Künstler durchaus ansprechend zu sein. Der Einwand gegen den ungenießbaren Cocktail aus elektronischer Tanzmusik und politischer message ist nicht ästhetischer Natur. Er folgt vielmehr der gesellschaftskritischen Absicht, Musik als potentiellen Freiraum von den üblichen Zwängen und Zurichtungen auch gegen die Instrumentalisierung eines romantischen Antikapitalismus zu verteidigen. Diesem wird zurecht vorgeworfen, einerseits mit falschen Begriffen ein falsches Bild der Gesellschaft zu zeichnen und andererseits sein subkulturelles Zuhause nicht der notwendigen Selbstkritik zu unterwerfen.
Techno und Politik gehören einfach nicht zusammen. Jedenfalls wenn man Techno der Kunst subsummiert. Nun ja, die Realität dieses Begriffs ist vollgestopft und leer zugleich. Erinnern wir uns also an ein Ideal von Kunst. Danach könnte man Techno unterstellen, nichts zu wollen und somit aber auch alles in Frage zu stellen. Auf diese Weise erst vermöchte er sein kritisches Potential zu entfalten und als musikalischer Einwand gegen die Rationalisierung aller Lebenssphären und die Politisierung der Kunst die Bühne zu betreten. Kulturindustrie und Clubkultur haben ihn hingegen früh als Geldgrube entdeckt, in die Mangel genommen und nach den Gesetzen des Kapitals verwertet. Dadurch degenerierte Techno zu einem quasireligiösen Phönomen. Die Analogien sind nicht zufällig: Der Club ist die Kirche, der Rave die Messe. “God is a DJ” (Faithless) und der DJ ist der Priester. Die Raver sind Jünger und wollen gegen einen gewissen Obolus ihre Seele reinwaschen. Messdiener in Person von Werbetextern, Türstehern, Einlassern, Technikern und Barkeepern komplettieren den modernen Gottesdienst. Das besondere, meinetwegen auch emanzipatorische oder gar subversive Moment geht dem Techno aber auch abhanden, wenn er mit politischer Intention verbunden ist. Walter Benjamins berühmte Schlussworte in seinem Text “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” nehmen in diesem Sinne den Faschismus ins Visier:
Die Menschheit, die einst bei Homer ein Schauobjekt für die olympischen Götter war, ist es nun für sich selbst geworden. Ihre Selbstentfremdung hat jenen Grad erreicht, der sie Ihre eigene Vernichtung als ästhetischen Genuß erleben läßt. So steht es um die Ästhetisierung der Politik, welche der Faschismus betreibt. Der Kommunismus antwortet ihm mit der Politisierung der Kunst.
Diese Antwort aber vermag sich nur dann von den Faschisten abzuheben, wenn sie nicht hinter ihre eigenen Bedingungen, also in vormoderne Verhältnisse zurückfällt. Über 70 Jahre nachdem der Text veröffentlicht wurde, hat die postmoderne Bauchrednerei in der Musik den Fall zurück so sehr kultiviert, dass an ein Abheben nicht mal zu denken ist. Techno bildet da keine Ausnahme. Das Problem sind nicht die Künstler, die den Rubel rollen und die Clubs rocken wollen. Bauchschmerzen bereiten in erster Linie von Sendungsbewusstsein beseelte DJ`s und Produzenten, die so auch dem König der elektronischen Musik Gewalt antun.
Dabei scheint Techno doch nahezu prädestinert, sich spröde gegenüber eines idealistischen Romantizismus zu machen, der sich frech als Politik ausgibt und in Deutschland besonders beliebt ist. Denn Techno ist nicht explizit, wenn überhaupt lakonisch, meistens sogar wortlos. Spätestens seit dem bedeutsamen Detroit-Techno gilt er als eigene globale Sprache einer sprachlosen und fragmentierten Welt. Und der scho n in den 80er Jahren populär werdende House samt seiner typisch parolenhaften Gesangeseinlagen spielt ebenso mehr mit den Stimmen und ihren paralysierenden Klängen, anstatt offensiv Gegenaufklärung zu betreiben. Darüber hinaus ist Techno Ausdruck der stetig fortschreitenden technischen Entwicklung und ein wenig auch ihr Katalysator. Obwohl seine Melodie reine Mathematik im Grunde nur sinnlich erfahrbar macht, spiegelt Techno außerdem die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle wieder. Produzenten wie Konsumenten erweist er sich in diesem Sinne als Ersatzebene und Projektionsfläche. Er spielt mit allen uns bekannten Tönen, die er aus der Natur entlehnt und technisch reproduziert. Eine Verwandtschaft oder Erbfolge zur klassischen Musik ist kaum von der Hand zu weisen. Die selbe Universalität ist es denn auch, die ihn prinzipiell jedermann ansprechen und berühren lässt. Techno, so kitschig dies auch klingen mag, trennt die Menschen nicht wie andere musikalische Stilrichtungen, sondern verbindet sie. Rock, Punk, Emo, HipHop und Reggae zum Beispiel bedienen die Bedürfnisse eines bestimmtem Klientels , die Gruppen innerhalb der Genres sind meist hierarchisch strukturiert. Techno hingegen ist individualistisch. Schon ein Produzent allein macht einen Track, schon ein DJ einen Act. Auch daher scheint Techno relativ immun gegenüber ideologischer Vereinnahmung.
An dieser Stelle aber scheiden sich die Geister. Statt die Musik bloß auf sich wirken zu lassen und sie zu diesem Zweck zu produzieren, verkommt ihr unideologisches und unpolitisches Moment oft selbst zu Ideologie und Politik. Ähnlich der romantischen Tradition in Deutschland, die sich sogar in Person von Thomas Mann lange Zeit als apolitischer Einwand gegen die Zivilisation unter dem deutschen Dach verstand. Er wenigstens wurde von den - romantisch verklärten und verdrängten - Verbrechen der Deutschen eines Besseren belehrt, sodass er in einem Brief an Hermann Hesse vom 8. April 1945 hellsichtig folgendes schrieb:
Ich glaube nichts Lebendes kommt heute ums Politische herum. Die Weigerung ist auch Politik, man betreibt damit die Politik der bösen Sache.
Die “Politik der bösen Sache” kann heutzutage wie schon damals lieb und unschuldig daherkommen, also ebenso mit der Love-and-Happiness-Attitüde des deutschen Mainstreamtechnos. Gerade das romantisch-naive Festhalten am großen Ganzen findet dort ein neue Heimat. Nach dem Motto “Friede, Freude, Eierkuchen” sollte die Berliner Loveparade deutsche Ideologie unter dem Banner von Toleranz und Weltoffenheit in alle Welt exportieren. Am deutschen Wesen sollte die Welt genesen. Das mehr als peinliche Insistieren der Veranstalter der Loveparade darauf, dass der Event nicht zuletzt eine politische Demonstration gegen was auch immer sei, erweckt bei Teilnehmerzahlen in den Hunderttausenden und trotz dem globalen Teilnehmerfeld ziemlich befremdliche Gefühle. Vom Marschschritt einer trunkenen Masse mal ganz abgesehen.
Techno, so müsste man eingestehen, wird hierzulande seinem universalistischen Anspruch längst nicht mehr wirklich gerecht. Und das obwohl er immer mehr Menschen auf der ganzen Welt erreicht und beglückt. Fraglich ist, ob er überhaupt jemals universalistisch war. Schon Kraftwerk, die Pioniere des Genres in Deutschland, projizierten nationale Gefühle in ihren Gegenstand und umgekehrt die Deutschen in Kraftwerk. Erstmals konnte man sich musikalisch der so genannten Fremdherrschaft entziehen und etwas Eigenes schaffen. Und auch der boomende Techno der 90er Jahre verstand sich nicht zuletzt als Selbstbehauptungsmedium einer orientierungslosen Jugend, die wieder wer sein wollte. Die Berliner Loveparade, die tatsächlich einmal als Demonstration von einigen Hundert Technoheads aus der Taufe gehoben wurde, kanalisierte die narzisstischen Bedürfnisse mit der Zeit in einem Massenevent. Einmal im Jahr trafen sich Szenegänger und Schaulustige unter der Führung des Antisemiten Dr. Motte, um durch die Straße des 17. Juni zu raven. Die Juden sollten endlich mal eine andere Platte auflegen, schrie er dem Mob auf einer der ersten Paraden zu. Dem perfiden Wortwitz liegt das gängige antisemitische Ressentiment von links bis rechts und jung wie alt zugrunde, die Juden würden auch noch den Holocaust ausbeuten.
Broders Bonmot, dass die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen können, bringt dies auf den Punkt. Die pathische Projektion entlastet die neurotische Psyche der Volksgemeinschaft genauso wie ihr kollektiver Narzissmus. Für dessen Aufrechterhaltung fühlt sich in erster Linie Paul van Dyk berufen. 2005 fasste er die Ideologie des Nationalsozialismus in drei Wörter: „Wir sind wir” wurde zum erfolgreichen Dauerbrenner auch über die Grenzen der Technocommunity hinaus. Der damals aus der linken Ecke kommende Vorwurf, er würde einen Popnationalismus propagieren, war verharmlosend und zahnlos. Dem 2005 und 2006 zum “Best Global DJ” gekürten Paul van Dyk war bewusst, dass elektronische Musik nicht, wie andere Genres, der amerikanischen Hegemonie unterworfen ist. Der Track war eine Kampfansage. Ferris MC, lange Zeit einer der bekanntesten Hamburger Rapper, bis er vor einem Jahr das Mic gegen Turntables eintauschte, brachte das in einem Interview auf den Punkt:
Die Elektroflucht von deutschen Rappern ist im übrigen kein Einzelfall. Das neue Album der Fantastischen Vier ist durch und durch elektronisch, Thomas D - und Michi Beck gemeinsam mit Dj Thomilla als Turntablerocker - betrieben bereits längere Zeit entsprechende Soloprojekte. Tobi von den Hamburger Partyrappern Fünf Sterne Deluxe tut sich seit zwei Jahren als ein Part von Moonbootica hervor. Zwei Ansätze könnten die Entwicklung plausibel machen.
In der postmodernen Gesellschaft, die Form vor Inhalt stellt, in der kaum jemand irgendetwas zu sagen hat und trotzdem viele etwas sagen wollen, sind Beats und Baselines einfach genug. Es wäre jedoch auch denkbar, dass der deutsche Drang zur Weltverbesserei sich nun in neuen Bereichen Bahn bricht. Sonderlich originell jedenfalls ist der electronic turn weiß Gott nicht. Der derzeitige Vorreiter Timbaland kommt selbstverständlich aus den Vereinigten Staaten, belässt es aber im Wesentlichen dabei, solide Musik mit dem Kalkül des Massengeschmacks zu verbinden. Kein Sendungsbewusstsein, dass über das Abfeiern des eigenen Erfolgs hinausgeht. Doch der missionarische Eifer ist kein Importprodukt der Rapfraktion oder Luxus großer Namen wie Dr. Motte, Paul van Dyk - und nicht zu vergessen Westbam, der sich vom muslimischen US-Rapper Afrika Bambata inspiriert fühlte und deshalb seinen Künstlernamen an den “Zwilling” im Kampf gegen die Moderne anlehnte. Auch und gerade im sogenannten Untergrund der Technoszene findet sich bei genauerem Hinsehen das, was insbesondere am Techno deutscher Provenienz so unangenehm ist.
Mit den modernsten Mitteln verschafft sich das unreflektierte Unbehagen gegen die Moderne Ausdruck. Die anarchistische Fuckparade, ehedem die Hateparade, wandte sich als Widerpart zur Loveparade gegen die Kommerzialisierung des Nachtlebens und die Umstrukturierung der Infrastruktur. Die Euromayday am 1. Mai richtet sich noch direkter gegen den dämonisierten Kapitalismus. Auf distinguierte Art und Weise tut dies auch das avantgardistische Berliner Independentlabel Bpitch Control Records. Dort herrscht das Matriarchat in Person von Djane und Labelchefin Ellen Allien, die mit bürgerlichem Namen Ellen Fraatz heißt. Gestus und Gebahren der aus Westberlin stammenden Ikone der Berliner Clubszene gleichen der linken Durchschnittsfrau. Wie ihr männlicher Konterpart ist diese der historisch deutschen Lebenslüge aufgesessen, alles im Namen der gute Sache zu machen. Andererseits hat Ellen Allien auch einiges dazu beigetragen, dass der 4/4-Takt überhaupt in die Linke Einzug halten konnte.
Gerade in den 90er Jahren dominierten nämlich noch biedere Vorurteile, die das geschlossene Weltbild der Linken exemplarisch unter Beweis stellten. Techno galt als Soudtrack der verhassten Spaßgesellschaft und wurde mit dem Stichwort Hedonismus denunziert. Sexy tanzen war ein auszumerzender Nebenwiderspruch. Heute ist in der Poplinken wie in den mittelständischen Milieus der radikalen Linken und der Antifa der 4/4-Takt auf Konzerten und so genannten Solipartys selbstverständlich. Die Hedonistische Internationale mobilisierte sogar zum G8-Gipfel nach Heiligendamm zum politisch korrekten Rave. „If I can`t dance, it`s not my revolution”, wird die Anarchistin Emma Goldmann gerne auf den entsprechenden Flyern zitiert. Ellen Allien ist sich berechtigterweise für solche sektiererischen Veranstaltungen zu schade. Als Berlinerin legt sie aber oft in den stadtbekannten Clubs, dem Watergate, im Berghain oder in der Maria am Ostbahnhof auf. Ihre eingängigen und zugleich verspielten Tracks samt und sonders ihrer selber eingesungenen Lyrics sind aber auch in der explizit linken Subkultur beliebt.
In ihrem Track „Wish” wünscht sie sich wie ein unschuldiges, junges Mädchen vom Weihnachtsmann „a planet without cars and wars” und wiederholt immer wieder die Punchline “No cars, no wars”. Die reine Negation solch selbstverständlicher Dinge wie Kriege und Autos schöpft aus einer selbstverschuldeten Ignoranz, dem freiwilligen Sich-Dumm-Stellen, das als Naivität gesellschaftlich nicht zwingend verurteilt wird und manchmal vielmehr als Bonus gilt. In diesem Fall lässt sie sich auf die Königsparole der Friedensbewegung „Kein Blut für Öl reduzieren. Kein Wunder, denn Ellen Allien hat wie so viele ihrer Landsleute „Sehnsucht” - so lautet der Titel ihres wohl bekanntesten Track - Sehnsucht nach einer vormodernen Epoche, in der angeblich alles besser war und Sehnsucht nach ihrer Kindheit, in der sie mit dem Schlechten noch nichts zu schaffen hatte. Ein anderer Track von ihr trägt den programmatischen Titel „I need no money to be rich”. „Limousine, champaign, glamour bitch” braucht Ellen Allien nicht, um reich zu sein. Schließlich hat sie ja „familiy, music, my lover on ice”. Bezahlt sie ihre Platten mit einem Lächeln? Wohl kaum. Wer aber über eine dichotome Weltsicht verfügt, der sieht über Widersprüche hinweg. Sprachkritisch betrachtet, handelt es sich um nichts anderes als Propaganda im Mantel eines guten Zwecks. Dass aber genau diese von einigen Linken als Verkürzung missverstandene Pseudokritik der bürgerlich-kapitalistischen Welt vielmehr der „bösen Sache” - dem Hass auf das Geld und dem Zorn gegen die Reichen - dient, wird ihr egal sein. Einer allgemeinen Parolensprache muss man sich anpassen, sonst wird man bald nicht mehr verstanden. Da das die Weltverbesserer aber stärker antreibt, als die Wahrheit, ist von ihnen nichts zu erwarten, was zu einer besseren Welt beizutragen vermöchte.
Andere Artists auf Ellen Alliens Label, sind wie Kiki und Paul Kalkbrenner ebenfalls großartige Künstler, entbehren aber genauso wenig romantischer Impulse. Zu Kiki muss nicht viel gesagt werden. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Seine Myspace-Seite schockt im Profil auf der linken Seite mit einer Aufnahme von ihm, die auf modern gemacht, das Motiv des sogennanten Widerstandes gegen die Moderne wie selbstverständlich inszeniert. Der Palilappen als Accessoir erfährt in Berlin gerade seinen zweiten Frühling. Auch dort, wo er infoge einer Geschmacksverirrung als Szenechic herhält, sollte jedermann wissen, dass er einen Mörderschal um den Hals zu hängen hat - und einen hässlichen noch dazu. Ist dir kalt oder hast du was gegen Juden? Mehr möchte man vom Träger im Grunde gar nicht wissen. Der Star des Labels, Paul Kalkbrenner, der zu den besten Liveacts seiner Zunft gehört, ist zweifelsohne auch ein alter Romantiker. Seine Hits wie “Steinbeißer” und “Berserker” schaffen über mystische und martialische Motive einen unnatürlichen Bezug zur Natur und decken zumindest das Unbehagen des Künstlers auf. Romantische Reden hält er aber nicht und mit einem Palituch um den Hals lässt der Herr sich zumindest öffentlich nicht ablichten. Zu guter Letzt reiht sich noch Smash TV in die Techno-Romantiker von BPitch ein. Wenn schon der Künstlername - in Anlehnung an ein bekanntes Videospiel - als stumpfsinnige Parole zu interpretieren ist, nimmt auch der weinerliche Opferjargon der textlastigen Tracks des DJ`s nicht weiter wunder.
Wie schon gesagt, richtet sich die Kritik gegen diese romantisch die Welt verklärenden Vereinnahmungstendenzen innerhalb des Technos. Sein klassisches ergo modernes Moment, das ungewöhnlich selbstbewusste und besonders anmutige Hinausragen menschlicher Schöpfung über die Mittelmäßigkeit der Massen und der Bedeutungslosigkeit des Alltags, hängt am seidenen Faden. Techno an sich ist schwer zu kontrollieren, irgendwie passt er nicht in das Konzept: zu schnell, zu laut, zu spät und zu verrückt. Das vermeintliche Paradies der ravenden Desperados wird den wahrlich unparadiesischen Verhältnissen der Gesellschaft jedoch nicht als denunzierender Spiegel vorgehalten. Obwohl mehr aber einfach nicht zu haben ist. Statt dessen stellt sich Techno, als strebe er geradezu nach Unfreiheit, teilweise selbst unter Kontrolle. Nicht wenige Künstler biedern sich gleichzeitig den von der eigenen Ohnmacht dumm Gewordenen, als auch der dankbaren Kulturindustrie an. Andere treffen mit ihrem antimodernen Sendungsbewusstsein schlichtweg den Nerv der Zeit. Mit Adorno gesprochen, ist ihre Musik nur eine Hure. So schön sie auch sein mag.
nichtidentisches wrote:
“Techno hingegen ist individualistisch. Schon ein Produzent allein macht einen Track, schon ein DJ einen Act. Auch daher scheint Techno relativ immun gegenüber ideologischer Vereinnahmung.”
Entsteht dadurch nicht eine gewisse Austauschbarkeit? Also das Absehen vom Individuellen durch den Schein des Individuellen? Der Solokünstler ist ja der Vermittlung durchs Orchester enthoben und dadurch annfällig für narzisstische Aufladungen.
Toller Artikel ansonsten. Ich würde mit einem gewissen Unbehagen die Massenpsychologie mit einbeziehen, die doch sehr an faschistische Organisation erinnert. Das jedoch ist ein universales Musikphänomen, das mir immer dann übel aufstößt, wenn Mittelklasserapper nach bestimmten Moves im Publikum gieren und alle auf Kommando mit der rechten Hand wippen.
Posted on 23-Jul-07 at 11:20 pm | Permalink
Tony Montana wrote:
Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Den Anspruch aber - sich alleine und fernab von Gruppenzwängen mit Musik auseinanderzusetzen, dabei abgesehen vom recht teuren technischen Equipment relativ unabhängig und mobil zu sein, nicht einfach aufzugehen, da es immer auf dich ankommt - sehe und schätze ich jedoch schon.
Den Schein des Individuellen als solchen zu erkennen, ist die haushohe Hürde, die es zu überspringen gilt.
Ansonsten halte ich den kollektiven Narzissmus (eines Orchesters) aber für potentiell bedrohlicher als den des Individuums. Im Grunde ist der DJ ohnehin nur der Dirigent des Digitalen.
Posted on 24-Jul-07 at 5:03 pm | Permalink
nichtidentisches wrote:
Hm. Den Gedanken über einen Zusammenhang von Orchestrierung und Orchester hatte ich auch schon. Ich würde am konkreten Beispiel eines differenzieren: Beim Orchester ist die Reaktion des Publikums ohne Einfluss auf das Spiel des Konzerts. Das Publikum kann dannach nach Hause gehen und sich ärgern oder es kann dannach begeistert klatschen. Am Inhalt ändert das wenig.
Beim DJ ist die Musik ja spontan vermittelt, die Reaktion des Publikums bestimmt sein Handeln, ja ist sogar sein Handeln, denn auf die Gesten und das entlockte Gekreische kann er kaum verzichten. Es ist ein sexueller Akt von geben und Nehmen. Beim Orchester schlägt noch mehr der klassische Tausch durch, ein Produkt wird abgeliefert und mit Applaus (und Eintritt) bezahlt. Beim DJ ist das Produkt schon die Reaktion des Publikums, wohingegen die Musik nur Mittel dazu ist.
Was noch nicht heißt, dass das Orchester als Form von je besser wäre. Beim DJ ist es nur offensichtlicher und mir daher suspekter…
Posted on 24-Jul-07 at 7:22 pm | Permalink
keta minelli wrote:
ich habe ellen deinen text mal geschickt, mal sehen, was bzw. ob sie überhaupt was dazu sagen wird. es wird dich vermutlich schockieren, dass ellen auf dem ersten grenzcamp zusammen mit electric indigo und acid maria umsonst und draussen zum borderline rave aufgespielt hat. und eines kann ich dir auch versichern: die antifasoliparty mit ellen ist schon in der mache…
Posted on 24-Jul-07 at 8:12 pm | Permalink
Alex DeLarge wrote:
Eine Antifasoliparty würde ich ihr tatsächlich übel nehmen…die können den Paul Kalkbrenner haben, den Mr. Montana sehr zu unrecht als guten Liveact lobt.
Posted on 25-Jul-07 at 2:11 am | Permalink
aufhören wrote:
was für ein unsinn! du hast definitiv nix begriffen…
das einzig gute an diesem beitrag ist, dass du an (neuerdings-fuckparade-) dr.mottes antisemitismus erinnerst. ich halte ihn zwar vor allem für einfältig, aber genau dass macht solche leute auch so gefährlich.
ansonsten bereue ich die zeit, die ich für das lesen dieses unsinns verplempert habe.
Posted on 25-Jul-07 at 12:01 pm | Permalink
Tony Montana wrote:
@nichtidentisches: Vollste Zustimmung, die Unterscheidung greift.
Posted on 25-Jul-07 at 5:31 pm | Permalink
Tony Montana wrote:
@keta minelli: Dass sie dort schon mal aufgelegt hat, habe ich auch gehört, konnte es aber nicht wasserdicht belegen. Hätte ich dich mal früher fragen sollen. Die Formulierung, dass eine Antifasoliparty in der Mache sei, klingt beinahe so, als wäre die Crisco-Connection nicht ganz unbeteiligt?
Posted on 25-Jul-07 at 5:31 pm | Permalink
keta minelli wrote:
ich kann ja in einer solchen angelegenheit nicht für die crisco-connection sprechen, aber anscheinend macht der ein oder andere noch solche sachen. btw: legst du eigentlich unter deinem autorennamen im pulp mansion auf?
Posted on 26-Jul-07 at 11:50 am | Permalink
Tony Montana wrote:
Ich muss passen, steh grad irgendwie auf dem Schlauch, habe die Anspielung nicht begriffen oder was weiß ich…
Posted on 27-Jul-07 at 5:05 pm | Permalink
keta minelli wrote:
Samstag, 28/07/2007
klubnacht
pulp mansion
28-07-07, SamstagSTART 23:59BAR /// MINIMAL*Sugar D. (zooma club / plauen)*Monomuzique (sound of eastside / kraftwerk lübbenau / berlin)*Maurice Ambrado (parallel)STAGE /// TRIBAL /// TECHNO*Chris Friend (berlin)*Alexander Grundei (ff)*Tony Montana (ff)
Posted on 27-Jul-07 at 10:45 pm | Permalink
Tony Montana wrote:
Du scheinst ja den Partyguide deines Vertrauens gerfressen zu haben. Alle Achtung. Das schlimme ist, und den Schuh muss ich mir selber anziehen, dass dieser Name inflationär gebraucht zu werden scheint, um seinem second life eine böse und dennoch irgendwie beliebte Note zu geben. Wie auch immer, schon mal was von dem gehört?
Posted on 28-Jul-07 at 8:53 pm | Permalink