Die neue protestantische Prüderie

Was hatten die neuen deutschen Moralisten schon so alles im Visier: Videospiele bzw. die bösen Killerspiele, die Jugend verführende Alkopops, Rauchen in der Öffentlichkeit und natürlich nicht zu vergessen, die angeblich die Umwelt zerstörende Lebensweise aller auf dieser Welt lebenden Menschen. Die Abwicklung der Spaßgesellschaft durch die protestantischen Eliten in der SPD und der CDU ist eine stetiger Kampf der organisierten Lustfeindlichkeit gegen das Leben als solches. Alles was Spaß macht, wurde in den letzten zehn Jahren verboten, oder zumindest soweit aus der Öffentlichkeit verdrängt, dass es einem Verbot gleich käme. Eine solche Politik des Verzichts auf jeglichen Lebensgenuß wäre unter dem Saumagenliebhaber Helmut Kohl so nicht möglich gewesen. Auch wenn es viele kritische Geister nicht gerne hören werden, aber der römisch-katholisch geprägte Ludwigshafener war einer der Garanten für die so genannte Spaßgesellschaft.

Doch auch der Dicke konnte es nicht verhindern, dass die CDU in den letzten Jahren in die Hände der protestantischen Moralmafia fiel. Erst wurde der “öffentliche Protestant” Schäuble zum Bundesvorsitzenden und die protestantische Pfarrerstochter aus Brandenburg, Angela Merkel, zur Generalsekräterin der Christdemokraten gewählt. Kurze Zeit später war die Pfarrerstochter dann schon Vorsitzende.

Der Anteil der evangelischen Mitglieder hat sich in der CDU seit der so genannten Wende deutlich erhöht. Die politische Mentalität der letzten beiden Parteivorsitzenden unterscheidet sich markant von derjenigen Adenauers und Kohls. Während Katholiken und Konservative nicht daran glauben, dass es die Menschen nach Weltverbesserung und Reformen dränge - ein durchkonzipiertes Reformprogramm wäre für sie schon anthropologisch Unsinn gewesen, da sich Gesellschaften und Menschen nicht nach fertigen Bauplänen modellieren ließen - sieht das die Hizbollah der Christen, der organisierte Protestantismus, gänzlich anders. Kohls Mädchen und ihre Gang ist der beste Beweis dafür…

So wie Luther die Rituale der katholischen Amtskirche als zu lax und bigott empfunden hat, und dieser mit einer allgemein strafferen Frömmigkeit im Inneren begegnen wollte, so führt sich Angela Merkel and Friends im Gegensatz zu ihren Vorgängern auf. Ob nun Anti-Raucher-Gesetz oder die von der protestantischen Gebärmaschine Ursula von der Leyen angeleierte Debatte, dass doch endlich mal wieder in Deutschland statt nur Sex zum Spaß zu zelebrieren, ihrem hehrem Beispiel gefolgt wird, und Bettsport nur noch zu Vermehrungszwecken stattzufinden hat. Ob nun der dicke Protestant Gabriel mit Hubschrauber durch die Republik düst, nur um pünktlich auf irgendeiner Umweltkonferenz einzutrudeln, damit er dann den dort versammelten Menschen verkünden kann, das Tempo 130 auf der Autobahn nur der erste Schritt in die richtige Richtung sei, oder Heidemarie Wieczorek-Zeul das Ammenmärchen in die Welt trägt, wonach Entwicklungshilfe eben kein wirtschaftspolitisches Hilfsmittel ist um Aufträge für deutsche Firmen zu ergattern, sondern dazu da ist den Menschen vor Ort zu helfen. Die Bedeutung des asketischen Protestantismus auf die sozial-politische Ethik, also auf die Zweckgemeinschaften von der Familie bis zum Staat ist dermassen extrem gewachsen, dass ich schon fast behaupten möchte, dass diese Land auf dem Wege zu einer protestantischen Askesediktatur ist.

Aktuelles Beispiel ist der Wahnsinn welcher sich in einem Gesetzentwurf von Brigitte Zypries (SPD) ausdrückt, wonach sogar das harmlose Fummeln unter Jugendlichen bald komplett unter Strafe gestellt wird. Diese Sexualfeindlichkeit, ja beinahe generelle Lustfeindlichkeit wird von Männer und Frauen vorgetragen, denen der Hass auf die Schönheiten dieser Welt ins Gesicht geschrieben steht. Das illustriert allein die Tatsache, dass “sogar wer nur eine junge Schönheit zeichnet, die erkennbar unter 18 ist, oder schriftlich detailliert und unverhohlen Sex unter Jugendlichen beschreibt” sich strafbar machen kann, “wenn er ein “tatsächliches Geschehen” wiedergibt“. Professionellen Künstlern und Schriftstellern droht dabei sogar eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten. Solch einen bisher nicht für möglich gehaltenen Angriff auf die Kunstfreiheit hat bisher noch keine demokratisch gewählte Regierung in diesem Land zustande gebracht. Ein kleiner Trost, wenn auch nur ein klitzekleiner ist die Tatsache, dass im Schatten des protestantischen Anklagekanons nur eines wachsen wird: die Doppelmoral und Bigotterie.

Vielleicht ist dies ja bald der Grund für einen neuen Luther - diesmal bitte ohne antisemitischen Einschlag - mit dem religiösen Schmarrn endgültig aufzuräumen und die Pforte zum Paradies auf Erden zu öffnen…

Comments (5) to “Die neue protestantische Prüderie”

  1. [...] Bad Blog fragt man sich, ob die neue deutsche Prüderie vielleicht mit dem Protestantismus der Akteure [...]

  2. Grundsätzlich hast du ja Recht. Doch nächstes Mal bitte richtig darstellen, von wem der Gesetzesentwurf wirklich angestoßen wurde. Sonst entsteht hier noch der Eindruck, die Zypries zaubert solche Dinge einfach aus dem Hut:

    Der Anstoß dazu kommt von der Europäischen Union, die - unter Berufung auf die Uno-Kinderrechtskonvention - in einem Rahmenbeschluss von ihren Mitgliedstaaten nun gesetzgeberisches Handeln auch auf dem Gebiet des Sexualstrafrechts verlangt.

    Und wenn die EU einen Rahmen beschließt, müssen die Nationalparlamente nachziehen. Sie können es natürlich kippen, aber man kann es auch erstmal so probieren.

    Das heißt aber nicht, dass diese Idee der Sexualbeschneidung nicht total hirnrissig wäre.

  3. Am Ende des Artikels steht aber auch: “Dabei bezweifeln Juristen, dass der Rahmenbeschluss überhaupt gültig ist: Denn nach dem EU-Vertrag ist Brüssel auf dem Gebiet des Strafrechts nur zuständig für Organisierte Kriminalität, Terrorismus und Drogenhandel - die EU hätte also ihre Kompetenzen überschritten.

    Was die Abgeordneten des Bundestages indes generell machen können mit einem Rahmenbeschluss, der ihnen nicht passt, hat das Bundesverfassungsgericht schon vor zweieinhalb Jahren deutlich gemacht, als es das deutsche Gesetz zum Europäischen Haftbefehl kippte: einfach nicht umsetzen.

  4. aber die korreltation mit dem protestantismus ist doch arg herbeigeredet… gerade die CSU hat den momentenen Gesetzentwurf doch so weit getrieben, dass sie hinterher zurückrudern musste. Dein Beispiel mit dem Nichtraucherschutz hinkt auch… versuch doch mal in Niedersachsen, wo der Katholik Wulf regiert, ne Kippe in der Disco anzumachen. Im protestantischen Berlin ist das noch ne weile möglich, in Brandenburg auch. Andererseits muss man sich auch fragen, ob nichtraucherschutz wirklich irgendwas mit lustfeindlichkeit oder straffer frömmigkeit zu tun hat. Für Leute, die nicht rauchen wollen, sicher nicht.

  5. Andererseits muss man sich auch fragen, ob nichtraucherschutz wirklich irgendwas mit lustfeindlichkeit oder straffer frömmigkeit zu tun hat.

    Darüber kann man stundenlang diskutieren…

    gerade die CSU hat den momentenen Gesetzentwurf doch so weit getrieben, dass sie hinterher zurückrudern musste.

    Wenigstens sind sie zurückgerudert. Wenigstens sind sie zurückgerudert…

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