Paris-Dakar, das war einmal. So kurz und prägnant kann man die gestrige Entscheidung der Amaury Sport Organisation (A.S.O.) zusammenfassen, die weltberühmte Wüstenrally Paris-Dakar wegen Terrorwarnungen islamistischer Gruppen in Mauretanien einen Tag vor dem Start abzusagen. Zwar starben in den letzten 29 Jahren mindestens 56 Menschen bei der Rally, doch das Risiko möglicherweise ins Visier einiger Islamofaschisten zu geraten war den Veranstaltern dann doch zu groß.
Der mauretanische Außenminister Babah Sidi Abdallah ist wegen der kurzfristigen Absage zu Recht erbost. “Die Entscheidung ist nicht gerechtfertigt” sagte er gegenüber dem Fernsehsender RTL. Mehr als 3000 Sicherheitskräfte hatte die mauretanische Regierung zum Schutz der Rallye zugesagt, doch das interessiert - einen Tag nach der Absage - schon fast niemanden mehr.
Neben dem mauretanischen Außenminister sind nur noch einige (Ex-)Piloten der Meinung, dass die Rally hätte durchgeführt werden können. Wenn man eben nur wöllte. Hubert Auriol, dreimaliger Gewinner der Rally, vertritt den Standpunkt, dass die A.S.O. auch andere Möglichkeiten als eine komplette Absage gehabt hatte. Er sei “überrascht, dass sie die Rallye plötzlich abgesagt haben, ohne nach einer Lösung zu suchen. Einige Etappen hätte man fahren können.” Und normalerweise gäbe es auch immer einen “Plan B mit einer veränderten Route” als Alternative zur geplanten Strecke. Auch Carlos Sousa, privater VW-Pilot, denkt, dass “nicht alle Alternativen geprüft (wurden), um eine Absage zu verhindern.”
Am deutlichsten aber bringt der Volkswagen-Pilot, Carlos Sainz, das Dilemma auf den Punkt, wenn er darauf hinweist, dass damit ein bisher einmaliger Präzedenzfall geschaffen wurde: “Es kann schlimme Folgen für den Sport im Allgemeinen haben, wenn eine Veranstaltung wie die Dakar aus Gründen abgesagt wird, die nichts mit dem Sport zu tun haben“. Der aus Görlitz stammende Rallyemeister der Jahre 1997, 2000, 2001, 2002, 2004 und 2005, Matthias Kahle, sieht dies ähnlich: “Es ist schlimm, dass Terroristen alles so beeinflussen, dass die freie Welt eben doch nicht so frei ist.”
Die Lust am Einknicken, wie es Henryk M. Broder so treffend formulierte, hat wieder einmal dazu geführt, anstatt den Islamofaschisten die Stirn zu bieten, die in Europa äußerst populäre Politik des geringsten Widerstandes einzuschlagen. Das dies im Sport nicht gerade ein Einzelfall ist, bestätigt eine Meldung der Süddeutschen Zeitung - unter Berufung auf spanische Auswanderer - wonach in Saudi-Arabien auf den Trikots des FC Barcelona statt des Georgskreuzes nur ein roter Balken zu sehen ist. Ein offiziell anerkannter Barca-Fanklub in der Türkei soll ebenfalls auf die Abbildung des Kreuzes verzichtet haben, nur um ja keine religiösen Gefühle zu verletzen.
Die Änderung des Wappens ist in der 108-jährigen Geschichte des Klubs bisher nur ein einziges Mal geschehen: Und zwar während der Franco-Diktatur. Auf Geheiß der spanischen Faschisten musste der Name des Sportklubs hispanisiert und die katalanische Flagge aus dem Emblem verbannt werden. Statt der vier vertikalen roten Streifen auf goldenem Grund waren von 1940 bis 1946 nur zwei Balken zu sehen.
Der einzige Hoffnungsschimmer am Horizont ist die Aussage der Vereinsspitze, dass die Trikots mit den falschen Symbolen nur das Werk von Fälschern sein können, da der offizielle Ausstatter von Barcas die Trikots weltweit nur mit dem Original-Emblem ausliefere. Bleibt die Frage woher der offiziell anerkannte türkische Fanklub seine Trikots her hat. Doch nicht etwa vom Schwarzmarkt…
PS: Wer sich - als kritisch dünkender Mensch - darüber freut, dass die Rally Paris-Dakar abgesagt wurde, der kann seinen Restverstand an der Theke seines Vertrauens um die Ecke bringen. Bei aller Kritik am Motorsport, aber der Feind meines Feindes, kann niemals mein Freund sein, Herr Branscheidt. Erstrecht nicht wenn es sich bei ihm um einen zivilisationsfeindlichen Antimodernisten handelt, der uns alle ins Mittelalter zurückbomben will…