Der Homer-Simpson-Effekt

Je älter und je weniger gebildet, desto dicker: Das geht aus der ersten gesamtdeutschen Verzehrstudie hervor, die Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) heute in Berlin vorgestellt hat. Die Studie ergab, dass zwei Drittel der Männer und 51 Prozent der Frauen zu viele Kilos auf die Waage bringen. Neben dem Geschlecht spielt auch der soziale Status eine gewichtige Rolle ob man zu viel wiegt oder nicht. Je höher der Schulabschluss, desto geringer das Problem. Rund 70 Prozent mit Hauptschulabschluss haben Übergewicht oder Adipositas. Nur gut halb so viele Abiturienten sind davon betroffen. Schweres Übergewicht ist vor allem in niedrigeren sozialen Schichten verbreitet. Die wenigsten Übergewichtigen finden sich unter Menschen mit hohem Nettoeinkommen.

Nicht arm zu sein allein macht bekanntlich aber auch nicht glücklich. Die Beziehungen sind ausschlaggebend: Männer mit Partnerin neigen viel häufiger zu Übergewicht als Singles. Bei Frauen ist das Übergewicht erst deutlich höher, wenn sie verheiratet sind. Okay, das hat man irgendwie alles schon geahnt, außer vielleicht jene Armleuchter die der Fraktion Nur-die-Amis-sind-dick-und-doof angehören. Fakt ist der inoffizielle Berliner Werbeslogan “Arm aber sexy” muss wohl oder übel revidiert werden.

PS: Vor einem Jahr haben in Amerika Wissenschaftler ähnliche Ergebnisse zu Tage gefördert. Übergewichtige Personen hatten in einem Wahrnehmungstest, bei dem sie mehrere Wörter auswendig lernen mussten, schlechter abgeschnitten als Menschen mit geringem Gewicht. Doch in den USA fand man einen wirklich treffenden Namen für dieses Phänomen: den Homer-Simpson-Effekt.

Auf den Hund gekommen…

Auf den Hund gekommen...

Entschuldigen Sie die folgende, etwas strapazierte Redensart aber wie “auf den Hund gekommen” muss man sein, um nicht nur sich selbst [im Bild nicht sichtbar], sondern auch noch seinem Tier DAS Symbol des palästinensischen Terrors umzuhängen. In guter Gesellschaft mit 50% der 14-jährigen in Berlin und Neonazis. Das hältste im Kopf nicht aus…

Holland-Krise vorerst verschoben?

Eigentlich war alles schon perfekt vorbereitet. Der holländische Rechtspopulist Geert Wilders hatte öffentlichkeitswirksam angekündigt in bälde einen kritischen Film über den Koran zu vertreiben, die niederländische Regierung rief daraufhin die Polizei in Bereitschaft und distanzierte sich schon einmal vorsorglich von Wilders Machwerk und, wie sollte es auch anders sein, die ersten wahrlich erbosten Berufsmoslems protestierten lautstark gegen eine Veröffentlichung. Der Verantstaltungsort war schon Monate zuvor gebucht worden, die Eintrittskarten unters wißbegierige Volk gebracht und die Journalisten akkreditiert. Als Datum für die nächste Eruption des Clash of Civilizations galt der 25. Januar 2008. An diesem Tage sollte das Geert Wilders Video - mangels Alternative - auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht werden. Doch dort tauchte es bisher noch nicht auf. (Continued)

Nur ein Nazi im Dschungel?

Per Boulevardzeitung haben es heut morgen alle dummen Deutsche erfahren, ein Nazi, also einer von ihnen, ist bis gestern noch als Kandidat im RTL-Dschungelcamp unterwegs gewesen. Die organisierten Antifaschisten der “Bild”-Zeitung haben ihn nach stundenlanger Recherche entarnt. Es handelt sich dabei um den HipHop-DJ Tomekk. Auf einem wackeligen Video ist zu sehen, wie der ehemalige Dschungelcamp-Bewohner Tomekk einen Hitlergruß zeigt und dazu “Deutschland, Deutschland über alles” singt. Am Ende des Videos hört man den 31-Jährigen Berliner außerdem sagen: “So viele Ausländer hier im Haus.” RTL hat ihn deswegen umgehend aus dem Camp geworfen.

Für Deutschlands auflagenstärkstes Boulevardblatt ist die Sache ebenfalls glasklar. Statt der arischen Vorzeigeblondine Julia Biedermann, dem dumpfdeutschen Fussballer Eike Immel oder dem deutschen Busenwunder Michaela Schaffrath kann nur der polnische Staatsbürger Tomekk der Nazi unter den von RTL versammelten Promi-Affen sein. Deutschland ist unschuldig. Dass war ja bekanntlich auch schon 1939 so.

Das Tomekk nicht gerade der hellste unter den DJs ist, dürfte sich schon herumgesprochen haben. Wer würde schon freiwillig in den RTL-Dschungel gehen? Aber seine erste Platte war unter anderem der Grund wieso einige Zeit später Deutschrap aus dem Keller in die Skyline vorstoßen konnte. “Return Of Hip-Hop” war soetwas wie die Vertonung der deutsch-amerikanischen Freundschaft die sich durch die Musik zwischen den Kids auf beiden Seiten des Pazifik entwickelt hatte. Ohne sich auch nur annähernd zu kennen, zu sehen, miteinander zu sprechen, war eine gemeinsame, zu dem Zeitpunkt auch noch kosmopolitische, Kultur entstanden, die die schwarz-weiß Schablonen von Jugendlichen in den USA und auch in großen Teilen Europas fast vollständig aufzulösen half.

Tomekk hatte daran einen großen Anteil. Seine Connections in die USA waren es, die solch ein Projekt, prominente amerikanische Rapper gehen gemeinsam mit den deutschen Contraparts ins Studio, überhaupt erst möglich machten. “Ich lebe für HipHop” war für die PräAggro-Generation soetwas wie die erste Hymne einer neuen Zeit. So wie in dem Video das Tape weitergegeben wurde, so wurde damals der Spirit von HipHop verbreitet: Im Underground, von Writer zu Sprayer, von Kleinganove zu Motorradfahrer, von Kiffer zu Breaker wurde, die Mukke die den Sandsack ersetzen konnte, weitergegeben. Und auf einmal kam der Shit im internationalen Musikfernsehen, welches bis dato von Gitarrenopas und Indiewixxern besetzt gehalten wurde.

Die Dosen die am Ende des Videos “Ich leben für HipHop” gegen die Wanne knallt ist ein Ausdruck dafür, dass es zu dieser Zeit kein Trendsport war einfach so “Aggro zu sein” sondern es völlig normal war “die Bullen” als Gegner zu betrachten, da diese u.a. etwas gegen die Verschönerung odinär-grauer Wände oder zu laute Musik hatte. Weil sie als Staatsmacht die Macht des Staates repräsentierten wurde sie auf HipHop Jams oder am ersten Mai zur Zielscheibe der dort versammelten Subkultur. Heute ist es Trendsport, dass man seinen 81-jährigen Nachbarn ohne Grund bedroht, Schwächere einfach so aus Lust und Laune abzieht und immer wegrennt wenn die Bullen kommen. Tomeks erste Platte stand noch für das Gegenteil.

Nun gut, genug in Erinnerung geschwelgt. Tomekk hat sich für seine Hitlergruß-Jetlag-Einlage entschuldigt. Für seine Kollaboration mit Fler leider immer noch nicht…

Antideutscher Trachtenverein

Mein geschätzter Kollege Nichtidentisches schreibt sehr treffend über die jährlich präsentierte geistige Armut der deutschen Antifa, wenn sich der Jahrestag der alliierten Bombardierung Dresdens in Sichtweite befindet. Weil er zu formulieren vermag, was mir schon seit geraumer Zeit unter den Nägeln brannte, dokumentiere ich seinen Beitrag in voller Länge:

Als jugendlicher Antifa-Aktivismus endgültig in werden wollte, antichambrierte man auf Antifa-HipHop-Jams oder wahlweise Egotronic-Raves, legte sich entsprechende Insignien zu und marschierte im antideutschen Trachtenverein von einer Manifestation völkischen Denkens zur Nächsten, um dort vor Aktionismus zu strotzen. Bereits damals erfüllte mich am jugendbewegten Parolengebrüll blankes Unbehagen, solange der 2. Weltkrieg als ein Hauptspaß vermeiert wurde, den man nur auf der richtigen Seite hätte erleben wollen. “Stalingrad, Stalingrad, Deutsche in ein Massengrab” heiserten in schwarz getauchte Gespenster drauflos, die weiß-blaue Flagge schwenkend.

In Dresden trifft man sich alle Jahre wieder gerne mal zum Manöver und trägt Wimpel und Banner zur Schau. Eines verlautet, inhaltlich wie 100 andere, “Alles Gute kommt von oben.” Ein Aufruf tönt pädagogisch wertvoll: “Selber Schuld”. So dominiert noch das Bedürfnis, dem ganzen Grauen Witz und verklemmte Lacher abzunötigen. Dieses Glorifizieren einer Kriegshandlung im hämischen Jubeln ist kein Gegenmittel zum ekelhaften Opferdünkel der deutschen Nazis, sondern nur dessen Blaupause, wenngleich der Schritt zum Surrogat hoffentlich ein unbewältigbarer ist. Im kollektiven Juppieh-Bomber-Harris-Geschrei ist keine Spur an Reflexion über die Ereignisse zu finden, sondern allein jugendliche Gewaltphantasien. Mental wird Krieg zu dem Abenteuerspielplatz, als den man die Konfrontation mit den Nazis sich wünscht. Die Unterstellung jubelt mit, den Airforce-Piloten sei ein Bewusstsein des Todes, den sie auszustreuen gezwungen waren abgegangen, sie seien nicht eine für sie äußerst gefahrvolle, verlustreiche Wahl des schlechtesten, aber einzig verbleibenden Mittels eingegangen, sondern hätten sich bereits mit dem Geschehen identifiziert wie ihre Gegner.
(Continued)

Massive PR-Aktion?

Derzeit scheint das Deutschrap-Geschäft nicht mehr ganz so gut zu laufen wie noch vor ein paar Jahren. Im November erst mussten die Bodyguards des kugelsicherern Jugendlichen Fler einen Angriff vermummter Messerstecher abwehren und gestern Abend wurde der Rucksackberliner Massiv von einem ebenfalls vermummten Täter in Neukölln angeschossen. Nach den Angaben von Massivs Plattenlabel kam der Rapper gerade von einem Interview mit dem Sender Aggro Radio, hatte sich kurz mit einem Bekannten getroffen, und stand 22 Uhr auf der Schierker Straße in Neukölln als ihn der Unbekannte die Waffe an den kopf hielt. Als dann der Begleiter zurückkam und schrie, habe der Unbekannte drei oder vier Schüsse abgegeben, von denen einer Massiv in der rechten Schulter traf.

Einiges deutet auf eine Inszenierung hin, so ist es ziemlich verwunderlich, dass der Täter, obwohl er die Waffe an den Kopf von Massiv gehalten hat, sein Opfer nur einmal an der Schulter traf und außerdem rund sieben Minuten bevor der Rapper ins Krankenhaus eingeliefert wurde schon erste Hinweise auf das Attentat im Internetforum des Rappers auftauchten. Andererseits hat Massiv seine Wohnadresse - zumindest offiziell - bei einer der berüchtigsten arabischen Familien der Szene im Stadtteil Neukölln. Aus den Reihen der Familie rekrutieren sich auch Massivs Bodyguards. Einer der Beschützer namens Aschraf wurde im Januar 2007 mitten auf der Straße in Neukölln mit einer Waffe bedroht. Doch die hatte Ladehemmungen, keiner der Schüsse hat ihn getroffen.

Die Ermittler vom Landeskriminalamt (LKA) vermuten einen Streit zwischen Aschrafs Clan und jener Araberfamilie, die enge Verbindungen zu dem Rapper Bushido unterhält. Laut LKA gab es in letzter Zeit zwischen den Gruppen teils gewalttätige Auseinandersetzungen. Weshalb die Polizei derzeit in alle Richtungen ermittelt…

PS: Möglicherweise steckt der bekennende Antisemit aus Stuttgart und seine albanischen Freunde hinter dem Angriff, möglicherweise.

PPS: Im Nachgang der Massiv-wird-derb-angeschossen-Story gibt es jetzt noch ein Song von Joe Rilla und - natürlich - die offizielle Stellungnahme von Massiv.

Achtung Altkommunisten!

Als wäre der Wahlkampf in Hessen, bzw. um Hessen und um Hessen drumherum, nicht schon unappetitlich genug, fangen nun auch noch die Spitzenkandidaten der Linkspartei an, um mediale Aufmerksamkeit förmlich zu betteln. Während der Spitzenkandidat der Linkspartei, Willi van Ooyen, auf einem Neujahrsempfang der Partei mit der berechtigten Feststellung Roland Koch sei ein “gesellschaftlicher Spalter und Brandstifter” für Wirbel sorgte, versucht der Direktkandidat der Linken im nordhessischen Lahn-Dill-Kreis, Karl-Klaus Sieloff, seine Wähler zu mobilisieren in dem er einem antikommunistischen Wochenmagazin verriet, dass in der Partei nur noch “Sektierer, die von der untergegangenen DDR träumen” das Sagen haben.

Wir haben in Hessen jetzt eine Kaderorganisation, die jede unliebsame Diskussion abwürgt“, behauptet der 58-jährige kaufmännische Angestellte gegenüber dem Focus. Die Information, dass der Ex-WASGler Sieloff eigentlich schon im November des vergangenen Jahres wegen der “Möchtegern-Kommunisten” von seiner Kandidatur zurücktreten wollte, es aber aus rechtlichen Gründen nicht konnte, lässt der Focus dabei natürlich gerne unter den Tisch fallen. Ebenso Sieloffs Polemiken gegen die Fusion der beiden linken Parteien WASG und PDS.

Wenn es aber der Wahrheit entsprechen würde, dass die bösen Altkommunisten jede unliebsame Diskussion im Kreisverband abwürgen würden, dann bleibt die Frage offen, wie der Ex-WASGler und bekennende Fusionsgegner Sieloff überhaupt zum Spitzenkadidaten des KVs avancieren konnte? In der regionalen Presse kann man etwas von einem Zoff im Kreisvorstand nachlesen, und genau da liegt der Knackpunkt.

Als dann nach längeren Querelen die Kreismitgliederversammlung im Dezember beschloß ein Ausschlussverfahren gegen Sieloff einzuleiten, leitet er seine persönliche Abrechnung ein, die man nun überall in den Medien nachlesen kann. Schon allein die Tatsache, dass es wohl der Focus war der von den unglaublichen Vorgängen in der hessischen Provinz zuerst berichten konnte, lässt einen erahnen, woher der Wind weht. Wenn Herr Sieloff die Partei einfach nur zu links war, hätten wir dies zuerst in der lokalen sozialdemokratischen Presse gelesen…

Cosmopolitan Reflections

Nein, es folgt keine dieser pseudo-englisch betitelten Selbstreflextionen, sondern ein Paar interessante Schnipsel im Zusammenhang mit einer Veranstaltung, die Ende Januar in London stattfinden wird: “Anti-Zionism and Antisemitism. Cosmopolitan Reflections”. Auf dieser sollen die Thesen aus David Hirshs gleichnamigen Papier mit vier weiteren britischen Akademikern diskutiert werden. Vorab hat Hirsh, der Soziologiedozent am Goldsmiths College der University of London ist, das Papier schon mal alleine besprochen, was man sich [hier] anhören kann. Ich habe es noch nicht gehört und lasse es mal unkommentiert aber der Titel lässt interesannte Gedanken vermuten. Vielleicht will ja jemand…

To Wikia? Abwarten…

Schon vor einer ganzen Weile hörte man etwas von einer neuartigen Suchmaschine rumoren, die den Goliath der Internetsuche Google herausfordern wollte: Seit gestern ist dieser Suchmaschinendavid namens Wikia Search online. Das Grundprinzip der Suchmaschine soll Qualität statt Quantität sein. Diese soll mit Hilfe der Mitglieder eines angegliederten sozialen Netzwerks bestimmt werden. Bei der Technik des Netzbehemoths Google ist das anders: die Hauptzutat im Google-Rezept ist Page Ranking, d.h. die Suchergebnisse werden nach “Relevanz” sortiert, welche über die Zahl der Verweise usw. errechnet wird. Die Geheimzutat jedoch, ist wie beim Getränkeriesen Coca Cola streng geheim und die ist es ja, die so mächtig ist, dass “im Internet suchen” mit “googlen” synonym ist.

Mit dem gerade modernen Ansatz, dass eine Gemeinschaft von Benutzern in öffentlicher, offener und transparenter Art und Weise Informationen anhäufen, will Wikia eine Alternative zu diesem System schaffen. Noch ist das Alpha in der Adresse bei Wikia Search sehr ernstzunehmen und man sollte die finale Version abwarten um zu schauen, ob a) das Konzept überhaupt zündet und b) ob mit zunehender Mitgliederzahl, auch die Kompetenz zur Bestimmung der Qualität steigt oder nicht. Momentan sind die wichtigsten Funktionen der Suchmaschine noch gar nicht online und die Macher ernten in der Presse viel Hohn und Spott. Diese verteidigen sich und wollen das Projekt Wikia Search als Prozess betrachtet sehen und betonen, dass nichts daran fertig sei und seien könnte.

Andere behaupten es würde gar nicht funktionieren können. Aber immerhin, vor etwas mehr als 100 Jahren dachten die Menschen man würde vom Eisenbahnfahren wahnsinnig werden, weil das Gehirn die vorbeischnellenden Landschaften nicht verarbeiten könnte. Und auch darüber haben schlaue Leute medizinische Abschlussarbeiten geschrieben. Die Polemik mal beiseite aber das Projekt klingt durchaus denkbar und zwar nicht erst zusammen mit dem Weltfrieden oder außerirdischem Besuch - toitoi, wenn nicht die Klimakatastrophe bis dahin alles irdische Leben vernichtet hat. Abwarten… interessant wird es nur zu sehen, ob das Projekt eine Qualitätssteigerung in der Internetsuche schaffen kann. Bis dahin braucht es aber dringend noch einen weniger sperrigen Namen. Der derzeitige ist in keiner mir bekannten Sprache eine Alternative zu dem griffigen “googlen”…

Hurra, wir kapitulieren…

Paris-Dakar, das war einmal. So kurz und prägnant kann man die gestrige Entscheidung der Amaury Sport Organisation (A.S.O.) zusammenfassen, die weltberühmte Wüstenrally Paris-Dakar wegen Terrorwarnungen islamistischer Gruppen in Mauretanien einen Tag vor dem Start abzusagen. Zwar starben in den letzten 29 Jahren mindestens 56 Menschen bei der Rally, doch das Risiko möglicherweise ins Visier einiger Islamofaschisten zu geraten war den Veranstaltern dann doch zu groß.

Der mauretanische Außenminister Babah Sidi Abdallah ist wegen der kurzfristigen Absage zu Recht erbost. “Die Entscheidung ist nicht gerechtfertigt” sagte er gegenüber dem Fernsehsender RTL. Mehr als 3000 Sicherheitskräfte hatte die mauretanische Regierung zum Schutz der Rallye zugesagt, doch das interessiert - einen Tag nach der Absage - schon fast niemanden mehr.

Neben dem mauretanischen Außenminister sind nur noch einige (Ex-)Piloten der Meinung, dass die Rally hätte durchgeführt werden können. Wenn man eben nur wöllte. Hubert Auriol, dreimaliger Gewinner der Rally, vertritt den Standpunkt, dass die A.S.O. auch andere Möglichkeiten als eine komplette Absage gehabt hatte. Er sei “überrascht, dass sie die Rallye plötzlich abgesagt haben, ohne nach einer Lösung zu suchen. Einige Etappen hätte man fahren können.” Und normalerweise gäbe es auch immer einen “Plan B mit einer veränderten Route” als Alternative zur geplanten Strecke. Auch Carlos Sousa, privater VW-Pilot, denkt, dass “nicht alle Alternativen geprüft (wurden), um eine Absage zu verhindern.

Am deutlichsten aber bringt der Volkswagen-Pilot, Carlos Sainz, das Dilemma auf den Punkt, wenn er darauf hinweist, dass damit ein bisher einmaliger Präzedenzfall geschaffen wurde: “Es kann schlimme Folgen für den Sport im Allgemeinen haben, wenn eine Veranstaltung wie die Dakar aus Gründen abgesagt wird, die nichts mit dem Sport zu tun haben“. Der aus Görlitz stammende Rallyemeister der Jahre 1997, 2000, 2001, 2002, 2004 und 2005, Matthias Kahle, sieht dies ähnlich: “Es ist schlimm, dass Terroristen alles so beeinflussen, dass die freie Welt eben doch nicht so frei ist.

Die Lust am Einknicken, wie es Henryk M. Broder so treffend formulierte, hat wieder einmal dazu geführt, anstatt den Islamofaschisten die Stirn zu bieten, die in Europa äußerst populäre Politik des geringsten Widerstandes einzuschlagen. Das dies im Sport nicht gerade ein Einzelfall ist, bestätigt eine Meldung der Süddeutschen Zeitung - unter Berufung auf spanische Auswanderer - wonach in Saudi-Arabien auf den Trikots des FC Barcelona statt des Georgskreuzes nur ein roter Balken zu sehen ist. Ein offiziell anerkannter Barca-Fanklub in der Türkei soll ebenfalls auf die Abbildung des Kreuzes verzichtet haben, nur um ja keine religiösen Gefühle zu verletzen.

Die Änderung des Wappens ist in der 108-jährigen Geschichte des Klubs bisher nur ein einziges Mal geschehen: Und zwar während der Franco-Diktatur. Auf Geheiß der spanischen Faschisten musste der Name des Sportklubs hispanisiert und die katalanische Flagge aus dem Emblem verbannt werden. Statt der vier vertikalen roten Streifen auf goldenem Grund waren von 1940 bis 1946 nur zwei Balken zu sehen.

Der einzige Hoffnungsschimmer am Horizont ist die Aussage der Vereinsspitze, dass die Trikots mit den falschen Symbolen nur das Werk von Fälschern sein können, da der offizielle Ausstatter von Barcas die Trikots weltweit nur mit dem Original-Emblem ausliefere. Bleibt die Frage woher der offiziell anerkannte türkische Fanklub seine Trikots her hat. Doch nicht etwa vom Schwarzmarkt…

PS: Wer sich - als kritisch dünkender Mensch - darüber freut, dass die Rally Paris-Dakar abgesagt wurde, der kann seinen Restverstand an der Theke seines Vertrauens um die Ecke bringen. Bei aller Kritik am Motorsport, aber der Feind meines Feindes, kann niemals mein Freund sein, Herr Branscheidt. Erstrecht nicht wenn es sich bei ihm um einen zivilisationsfeindlichen Antimodernisten handelt, der uns alle ins Mittelalter zurückbomben will…

Neues Jahr, neues Glück…

..es sei denn Sie rauchen und leben in Berlin, Brandenburg oder einem der weiteren neun Bundesländer in denen zum neuen Jahr sogenannte Nichtraucherschutzgesetze erlassen wurden. Mit kleineren Unterschieden in der Umsetzung bedeuten diese Gesetze, dass das Rauchen aus öffentlichen Räumen verbannt wird - ob Parlament oder Eckneipe ist also entgegen jeder Logik erstmal wurscht. Ich sehe diesem Verbot mit relativer Gelassenheit entgegen, weil man sich bis zum 1. Juli zunächst nur mit Nichtrauchern jedoch nicht mit den Behörden auseinandersetzen muss. Ab Mitte des Jahres werden Verstöße gegen die neuen Bestimmungen dann aktiv geahndet - mit dreistelligen Summen für undisziplinierte Raucher und vierstellige für kriminelle Gaststättenbesitzer. Die genauen Bestimmungen für Berlin können unter dem Stichwort “Drogensucht” (sic!) auf der Homepage der Haupstadt nachgelesen werden.

http://www.flickr.com/photo_zoom.gne?id=237055775&size=sEine kleine Diskussion um Sinn und Unsinn (oder Gefahr) des Rauchverbot, gab es bereits auf diesem Blog (1,2,3). Da das Verbot nun durchgesetzt ist, macht es wahrscheinlich wenig Sinn diese nochmals aufzuwärmen. Erwähnenswert dagegen ist aber wieviel antiliberales Potential im Nichtraucherlager* vorhandenzusein scheint. Antibürokratieteam berichtet beispielsweise von einem “engagierten” Nichtraucherverein, dem es nicht reicht, dass das Ordnungsamt oder wer auch immer hinter den bösen Rauchern her ist, sondern der Staatsmacht noch zur Seite stehen wollen und zwar mit modernsten Methoden: per Onlineformular können Tabaksünder gemeldet werden, den strafrechtlichen Rest erledigt dann Pro Rauchfrei…der mehrfach deutlich betonte Ausschluss von Einzelpersonen scheint auf eine rege Nachfrage nach einem solchen Dienst hinzuweisen.

* Dieses Potential ist natürlich nicht Nichtraucher-exklusiv. Ich glaube jedoch, dass eine Regelung mit getrennten Räumen für viele Raucher akzeptabel gewesen wäre, was für viele Nichtraucher nicht zur Diskusson stand.