Holland-Krise vorerst verschoben?

Eigentlich war alles schon perfekt vorbereitet. Der holländische Rechtspopulist Geert Wilders hatte öffentlichkeitswirksam angekündigt in bälde einen kritischen Film über den Koran zu vertreiben, die niederländische Regierung rief daraufhin die Polizei in Bereitschaft und distanzierte sich schon einmal vorsorglich von Wilders Machwerk und, wie sollte es auch anders sein, die ersten wahrlich erbosten Berufsmoslems protestierten lautstark gegen eine Veröffentlichung. Der Verantstaltungsort war schon Monate zuvor gebucht worden, die Eintrittskarten unters wißbegierige Volk gebracht und die Journalisten akkreditiert. Als Datum für die nächste Eruption des Clash of Civilizations galt der 25. Januar 2008. An diesem Tage sollte das Geert Wilders Video - mangels Alternative - auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht werden. Doch dort tauchte es bisher noch nicht auf.

Die Suche nach dem Video endet in einem Chaos aus Anti-Wilders-Filmen, islamistischen Morddrohungen und Aufzeichnungen älterer Interviews des Rechtspopulisten. Was man schnell erkennen kann, im Protest gegen den Film sind Regierung, Linke, Neonazis und Islamisten herzlichst miteinander verbunden. Allen voran geht natürlich die antisemitische Internationale. So sagte die malayische Bortschafterin Noor Farida Ariffin der Zeitung “De Volkskrant” gegenüber: “Es wird Dutzende Tote geben. Der Aufruhr um die dänischen Muslimkarikaturen wird vergleichsweise ein Picknick gewesen sein.” Der Anführer der neonazistischen Niederländischen Volksunion (NVU), Konstant Kusters, behauptet, dass Wilders einen blutigen Bürgerkrieg zwischen Christen und Moslems provozieren will. Er gab im Interview mit der Zeitung AD folgendes zu Protokoll: “Wilders will die beiden Gruppen gegeneinander ausspielen, um in unserem Land einen zionistischen Staat zu errichten. Der Mann ist auffallend häufig in der israelischen Botschaft anzutreffen. Das sagt mir genug.” Und
SPON berichtet, dass “der Großmufti Syriens bei einer Rede im europäischen Parlament in Straßburg (Geert Wilders) bereits für ein bevorstehendes Blutvergießen verantwortlich” machte.

Scheich Ahmad Bader Hassun, der Großmufti von Syrien, war auf Einladung des Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU) in Straßburg und “sprach im Rahmen des europäischen Jahres für den interkulturellen Dialog“, wie man den offizielen Seiten des Parlamentes entnehmen kann. Er habe in seiner Rede “die Einheit der Menschheit und den gemeinsamen Ursprung der Religionen” hervogehoben und betont, dass es “niemals einen heiligen Krieg geben” kann, da allein der Frieden heilig sei. Das Fundament von Staaten müsse zivil und nicht religiöse begründet sein. Wahrscheinlich waren diese Aussagen seine Eintrittskarte für die nächste interkulturelle Plauderstunde im europäischen Parlament.

Derweil wird der Film von Geert Wilders wohl frühestens im März das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Niederländische Zeitungen spekulieren nun schon, ob die Ankündigung des Filmes nicht eine reine PR-Aktion zugunsten Wilders gewesen sei. Erfahren werden wir dies wohl erst in zwei Monaten. Somit ist die Holland-Krise vorerst verschoben…

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