Transatlantisches Gänsehautfeeling

Man mag politisch von Barack Obama halten was man will, aber eines muss man ihm und seinem Kampagnenteam lassen, er schafft es die ziemlich lahmen US-Vorwahlen zumindest teilweise in einen hochemotionalen Südstaaten-Gottesdienst zu verwandeln. Wenn ich auf CNN seine Wahlkampverstaltungen verfolge, bekomme ich regelmässig eine Ganzkörpergänsehaut, schon allein aufgrund der Tatsache, dass es derzeit wohl niemanden sonst so genial gelingt eine äußerst luftige Botschaft als ein Heilsversprechen für die gesamte Welt zu verpacken. Obwohl ich ihn inhaltlich nicht unbedingt gut finde, fühle mich davon angesprochen. Es ist beinahe so, wie damals als ich noch von der Weltrevolution träumte: “Yes, we can!”

Vor vier Jahren war für mich alles viel leichter: der demokratische Ketchup-Millionär war so dermassen blaß und langweillig, dass die Aussicht auf weitere vier Jahre für Herrn Bush bei mir keine weiteren Bauchschmerzen verursacht haben. Herz und Verstand waren eine Einheit. Dies ist diesmal komplett anders. Mein Herz schlägt für Obama, während mein Verstand McCain bevorzugt, es ist wie so oft in meinem Leben, entweder ich schalte den Kopf aus und habe für eine kurze Zeit ne schöne Party, die wie immer mit einem mittelschweren Kater endet, oder ich schlucke sofort die bittere Pille und kann dafür etwas beruhigter in die Zukunft blicken…

Eines ist völlig klar: Die olle Clinton kann mir komplett gestohlen bleiben. Dieses ganze Gerede, dass sie womöglich gemeinsam mit Obama kandidieren wird, kann ich schon lange nicht mehr hören. Während meiner Zeit als Revoluzzer war ich ja auch kein Anhänger von Koalitionen mit irgendwelchen Sozialdemokraten oder anderen langweilligen Sesselpupsern. Also möchte ich auch nicht, dass Obama unter der Präsidentin Clinton eingeht wie eine Zimmerpflanze ohne Licht und Wasser.
Wenn, ja wenn Barack Obama überhaupt Vizepräsident werden sollte, dann nur unter einem Präsidenten namens McCain! Das wäre jedenfalls mein Dreamteam für die Wahlen in den US and A. Okay, ich gebe ja zu, dass dieses Szenario ziemlich unrealistisch ist, aber das ist nun einmal mein persönlicher American Dream.

Wait! Höre ich da vielleicht etwa ein leises “Yes, we can!” Und da hinten, höre ich ein: Si Se Puede Cambiar. Schön, dass wir das einmal geklärt haben…

Comments (9) to “Transatlantisches Gänsehautfeeling”

  1. Eddie E zu Koalitionsregierungen in einem zwei-Parteien-System: “ich gebe ja zu, dass dieses Szenario ziemlich unrealistisch ist“. Na, das ist doch mal was!

    Schade, dass der Abtreibungsgegner und homophobe McCain mit dem Irakkriegsgegner und Iranverhandler Obama wohl nicht ihr Dreamteam bilden werden.

  2. Die Amerikaner kommentieren solches Verhalten mit dem Satz: “Don’t confuse me with facts, my mind is made up.” Ich glaube Sie wussten schon was sie von McCain halten, bevor sie überhaupt wussten wie er aussieht. Er ist keineswegs ein “Abtreibungsgegner“, so wie sie das behaupten. Amerikanische Politik ist leider nicht so einfach, wie sie zuweilen bei Obama aussieht…

  3. … aber warum hab ich das dann bloß geschrieben? Vielleicht wegen McCains in dieser Hinsicht verwirrender Homepage, auf der es da heißt: “However, the reversal of Roe v. Wade represents only one step in the long path toward ending abortion. Once the question is returned to the states, the fight for life will be one of courage and compassion - the courage of a pregnant mother to bring her child into the world and the compassion of civil society to meet her needs and those of her newborn baby. The pro-life movement has done tremendous work in building and reinforcing the infrastructure of civil society by strengthening faith-based, community, and neighborhood organizations that provide critical services to pregnant mothers in need. This work must continue and government must find new ways to empower and strengthen these armies of compassion. These important groups can help build the consensus necessary to end abortion at the state level.

    Mir war klar, dass er nicht radikal versuchen wird, Abtreibungen ab morgen per Bundesgesetz zu verbieten, aber dass er in wirklichkeit pro-choice ist und nur so tut, als bezöge er sich positiv auf das pro-life-movement, am Ende, um nur deren Stimmen zu ergattern… Respekt, das hätte ich nicht gedacht

  4. Wie naiv muss man eigentlich sein, um auch nur einem Wort, welches im aktuellen Wahlkampf bisher geäußert wurde, ernsthaft Glauben zu schenken? Bla, um es kurz zu machen, meine Präverenz dem Dream Team McCain/Obama hat zwei einfache Gründe: McCain wäre bei dieser Kombination die Garantie, dass die USA für eine längere Zeit im Irak bleiben wird und mit Obama an seiner Seite wäre garantiert, dass es in der Innenpolitik etwas liberaler zugeht als in den letzten sechzehn Jahren.

    Und zum Schluß noch ein simpler Link um deine Theorie des ehrlichen Maklers zum Einsturz zu bringen…

  5. Ich darf daraus also folgendes Prinzip destillieren: Wenn man in eine Badewanne an einem Ende heißes und am anderen kaltes Wasser einlaufen lässt, dann kann man sich reinlegen und gleichzeitig oben den Kopf kühlen und unten die Füße wärmen, ja?

    Aber gut, wir waren ja eh bereits so weit den irdischen Gesetzen entrückt, dass eine “Große Koalition” in einem Staat mit Mehrheitswahlrecht diskutiert wird. Als letzten schlagenden Beweis für diese Ferne von Rationalität bekommt man dann eine Antwort aus zwei Sätzen, die sich in Gänze widersprechen: Ist es nun naiv, einen Satz aus dem Wahlkampf zu glauben, oder sind die Kontrahenten (und Koalitionäre in spe) Garanten für die von Ihnen angeführten Punkte?

    Bei der unausweichlichen Antwort möchte ich sie bitten, eine weitere sprachliche Glanzleistung a la “Präverenz (sic!) dem (sic!) Dream Team (sic!)” einzubauen.

    mfG,
    bla

  6. achso, vollständig überlesen: “Theorie des ehrlichen Maklers”, von einem “simplen Link” “zum Einsturz” gebracht?!

  7. Tja, Bla, die Deutsch-Nachhilfe-Kurse in ihrer Jugend scheinen sich ja doch noch gelohnt zu haben. Schade nur das die Logik-Nachhilfe irgendwie dann doch nix für dich war…

    Wenn sie nur etwas mehr Logikverständnis statt dem blinden Auswendiglernen beigebracht bekommen hätte, dann würden ihnen nicht immer solche Anfängerfehler unterlaufen. McCain und Obama haben ja in ihrem bisherigen Leben nicht ständig Wahlkampf geführt. So kann man also eine gewisse Einschätzung ihrer Positionen vornehmen, wenn man sich zum Beispiel anschaut watt die beiden in ihrem Leben bisher gesagt und gemacht haben. Kann man, muss man aber nicht: Ich bin ja da eher ein Anhänger des französischen Philosophen Vladimir Jankélévitch der das Diktum: “Hört nicht auf das, was sie sagen, achtet auf das, was sie tun” vertrat. Ich halte es mit meinem Dream Team genau so.

    Achja, und das dieses Dream Team unrealistisch ist, das war mir schon bekannt, als ich den Text hier geschmiedet habe.(1) Warum Ihnen das nicht auffiel? Womöglich war ihre politische Brille etwas zu sehr beschlagen. Aber mal ehrlich realistisch klingt das nicht, ich vermute dann doch eher, dass sie tiefenpsychologisch mal von einem Fachmann gescannt werden sollten, sonst enden ihre regelmässigen intellektuellen Geisterfahrten hier noch im gesellschaftlichen Straßengraben…

    Anmerkungen:

    (1) Damit Sie es wissen: Nur weil etwas unrealistisch ist, darf man trotzdem den Wunsch äußern, dass der Traum in Erfüllung geht… Nur beten ist verboten!

  8. Erstens: Wieso sollte ich in meiner Jugend Deutsch-Nachhilfe-Kurse gehabt haben, nur weil Sie diese offenbar bis heute dringend nötig haben?

    Oder ist genau das vielleicht der “Logik-Fehler”, von dem Sie sprechen? Denn -zweitens- selbst wenn Sie in Bezug auf McCain und Obama recht haben sollten, wird aus diesem Fehler aus Unkenntnis noch lange kein Logik-Fehler.

    Drittens: Ihre Antwort enthält allerlei nette Unsachlichkeiten a la “intellektuelle Geisterfahrten“, “tiefenpsychologisch scannen lasen” oder eben den Logik-Nachhilfekurs, der eben keinen Sinn ergibt, aber nettes Gepöbel ist. Auf ein einziges stichhaltiges Argument, warum Obama und McCain mit den von mir skizzierten Aussagen nur Wahlkampf betreiben sollten, verzichten Sie gänzlich, (erstaunlich konsequent also nach der Tucholsky-Maxime bzgl. fehlender Gedanken und der Unfähigkeit, sie auszudrücken!). Während Ihr Blog-Kollege Ihnen wenigstens noch inhaltlich zur Seite springen wollte, verzichten Sie gänzlich auf einen Realitätsbezug, ich bin der einzige, der wenigstens mal versucht hat, etwas in dieser Diskussion zu belegen. Nach welchen Taten soll ich die Jungs denn beurteilen? Das jeweilige Abstimmungsverhalten der beiden steht jeweils in ziemlicher Widerspruchsfreiheit zu ihren Wahlkampfaussagen.

    Zu guter Letzt: “Achja, und das dieses Dream Team unrealistisch ist, das war mir schon bekannt, als ich den Text hier geschmiedet habe.(1) Warum Ihnen das nicht auffiel?

    Hm, also meines Wissens war mir das aufgefallen, weshalb ich gerade diese Erkenntnis Ihrerseits deutlich lobend erwähnt habe:

    Eddie E zu Koalitionsregierungen in einem zwei-Parteien-System: ‘ich gebe ja zu, dass dieses Szenario ziemlich unrealistisch ist’. Na, das ist doch mal was!

    … ist aber auch schon lange her.

  9. Bla, ihr Logikfehler den Sie übersehen, nicht zur Kenntnis nehmen oder einfach als blinden Fleck pflegen wie eine liebgewordenen Krankheit, watt wess ick, besteht darin, ganz fest daran zu glauben was Menschen während eines Wahlkampfes so alles von sich geben…

    Als Argument für meine These gabs am Anfang der Debatte hier nen Link zu einem Artikel in dem Obama der Wahlkampflüge überführt wird. Wenn Ihnen das nicht Beweis genug ist, als Argument nicht gilt, dann brauche ich auch keine weiteren Argumente ins Feld führen, da Sie wohl resistent sind gegen Erkenntnisse die nicht ihrem Weltbild entsprechen.

    Nach welchen Taten soll ich die Jungs denn beurteilen? Das jeweilige Abstimmungsverhalten der beiden steht jeweils in ziemlicher Widerspruchsfreiheit zu ihren Wahlkampfaussagen.

    Welche Taten? Mmmmmh, bei McCain fiele mir da ein, sein Einsatz in Vietnam, dass er seine frühzeitige Entlassung aus der Gefangenschaft - aufgrund seiner Herkunft - ablehnte, sein Gesetzentwurf der die „grausame, unmenschliche und entwürdigende Behandlungen“ von Gefangenen verbietet. Naja, und das er vor einigen Jahren die führenden Religiös-Konservativen als “Agenten der Intoleranz” bezeichnet hat. Datt sind für mich die entscheidenden Eckdaten.

    Und nun kurz zu Obama, mein Bester: Als Landespolitiker in Illinois initiierte er ein Gesetz, das die Polizei verpflichtete, Vernehmungen auf Video aufzuzeichnen, er beantragte erfolgreich, Krankenversicherungen zu zwingen, Kosten für regelmäßige vorbeugende Mammografien zu übernehmen, er half Organisationen, die sich für Schwule und Lesben einsetzen, und setzte eine Erhöhung der Mittel zur Aids-Prävention und -Behandlung durch. Ick gloobe ditt reicht fürs Erste…

    PS: Ich habe Recht, schon allein deshalb weil es mir - auch ohne dringend notwendigen Deutsch-Nachhilfekurs - gelingt das Wort Recht groß zu schreiben, du Trog

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