Komische Bündnisgenossen…

Vom 31. Mai bis 1. Juni diesen Jahres findet in der Universität zu Köln eine sogenannte “Kritische Islamkonferenz” statt. Unter dem Motto „Aufklären statt Verschleiern“ wollen verschiedene Vereine und Organisationen über den Islam, “als welt- und gesellschaftspolitische Herausforderung” diskutieren. So weit, so gut, und trotzdem irgendwie nicht koscher. Veranstalter des Events sind neben dem Zentralrat der Ex-Muslime, der Aktion 3.Welt Saar, dem Alibri Verlag, der Giordano Bruno Stiftung eben auch die ominöse Wähler-Initiative-Recklinghausen (WIR). Und die gelten zumindest als Freunde, der Freunde von Martin Hohmann.

Als der damalige Christdemokrat Hohmann am 3. Oktober 2003 in Neuhof eine Rede zum Tag der Deutschen Einheit hielt, monierte er “dass man als Deutscher in Deutschland keine Vorzugsbehandlung” genieße und er stellte die perfide Frage, ob es nicht sinnvoll sei, die Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter während des NS-Regimes und an die jüdischen Opfer des Holocaust angesichts der schlechten Wirtschaftslage zu verringern. Doch damit noch lange nicht genug. Während der Rede lies Hohmann seinen alteingesessenen Ressentiments freien Lauf. Er zitierte den bekennenden Antisemiten Henry Ford, nach dessen Thesen, so Hohmann, man ja „mit einer gewissen Berechtigung … nach der ‘Täterschaft’ der Juden fragen“ und diese aufgrund ihrer Teilnahme an der bolschewistischen Revolution in Rußland „mit einiger Berechtigung als ‘Tätervolk’ bezeichnen” kann. Diese vehemente Relativierung und Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen fand in Deutschland natürlich nicht wenige Symphatisanten. Unter anderen auch in der Ruhrfestspielstadt Recklinghausen…

Hans Knoblauch, Ratsmitglied der Recklinghausener CDU-Fraktion, ging sogar soweit, dass er Hohmanns Rede in das Schaufenster eines örtlichen Wahlkreisbüros hing und sie mit dem Zusatz versah: “Man darf in Deutschland nicht mehr die Wahrheit sagen“. Wochenlang hielt der Recklinghausener der parteiinternen Kritik stand, bis er dann kurz vor dem Parteiauschluß doch noch einknickte und er sich damit entschuldigte, dass er die komplette Hohmann-Rede “in Unkenntnis” des Inhaltes veröffentlichte. Wie das so immer ist, wenn man politische Reden in der Öffentlichkeit verbreitet, nur im seltensten Fall hat man sie vorher selbst gelesen…

Doch was hat dies alles mit dem “Wir” aus Recklinghausen zu tun? Eigentlich gar nichts, wenn sich die bürgerbewegten Recklinghausener nicht so lautstark mit Hans Knoblauch solidarisiert hätten. In einer Erklärung mit dem hübschen Namen “Die Geisterdebatte um Hohmann und Knoblauch” reden die unabhängigen Demokraten Tacheles. Ihrer Meinung nach hat Knoblauch “sich im Zusammenhang mit der Hohmanndebatte zu einer naiven und mehrdeutigen Äußerung hinreißen lassen.” Für diese naive Äußerung ist er “durch Arbeitsplatzverlust, politischen Druck und öffentliche Diffamierungen” genügend “bestraft worden“. Weiterhin behaupten sie, dass die Aussage “verschiedene Vermutungen zu (lässt, die Red.), aber keine eindeutigen Interpretationen!” Und das war noch nicht einmal der Hammer…

Keineswegs läßt sich daraus ableiten, er sei ein “Antisemit” oder, wir zitieren Christel Dymke: “er sei jemand, der braunes Gedankengut öffentlich kundtut”. Das ist eine leichtfertige mit moralischer Überheblichkeit ausgesprochene Diffamierung.” Was Knoblauchs Freunde stattdessen für dringend halten, erklären sie am Ende ihres Pamphletes: “Wir sollten uns stattdessen im Bewußtsein historischer Verbrechen den realen Problemen wie den Gefahren des Nahostkonfliktes, des Islamismus und weltweiten Terrorismus aber auch der Doppelmoral bei der Beurteilung von Menschenrechtsverletzungen zuwenden. Pauschalurteile helfen nicht weiter. Wir brauchen ein individuelles und differenziertes Urteilsvermögen. Es sollte uns zu denken geben, daß laut einer EU-Studie 59% aller Europäer Israels Politik als “die größte Gefahr für den Weltfrieden” betrachten. Würde man dem Pauschalurteil des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon folgen, dann wären ebenso viele Europäer Antisemiten.

In ihrem Antrag eine Resolution zur Friedensinitative Genfer Vereinbarung - knapp einen Monat nachdem Hans Knoblauch gerade so seinen Rauswurf aus der CDU abwenden konnte - im Recklinghausener Stadtrat zu verabschieden zieht das Ratsmitglied und WIR-Geschäftsführer, Georg Schliehe, und die sachkundige Bürgerin, Claudia Große, folgendes Resümee aus der Hohmann-Knoblauch-Debatte: “Die Art und Weise der öffentlichen Debatte über Hohmann und Knoblauch mit anschließender Ratsresolution zum Antisemitismus war nicht geeignet, zur Überwindung von Vorurteilen oder der Lösung realer Probleme weder vor Ort noch weltweit beizutragen.” Im Gespräch mit der WAZ konkretisiert Schliehe seine Ansichten: “Die Affären Hohmann und Knoblauch und die Diskussionen darüber haben nur negative Auswirkungen gehabt. Deshalb sollte jetzt von uns ein positives Signal ausgehen.” Warum ein solches Signal unbedingt etwas mit Israel zu tun haben muss, man könnte ja auch mal damit beginnen vor der eigenen Haustüre zu kehren, bleibt dabei eher schleierhaft. Doch Schliehe ist felsenfest davon überzeugt, dass es die Aufgabe von ihm und seinen politischen Mitstreitern ist, etwas “zur Konfliktlösung” im Nahen Osten beizutragen.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage übrig, was die Organisatoren und einige der eingeladenen Referenten und Moderatoren, wie zum Beispiel Klaus Blees, Alexander Feuerherdt, Ralph Giordano, Mina Ahadi, Philipp Lenhard und Natascha Wilting dazu sagen. Ich für meinen Teil hoffe ja das es Absagen hagelt, statt irgendwelcher erklärender Ansagen…

Comments (4) to “Komische Bündnisgenossen…”

  1. Gute Frage, Herr Nachbar.

    Fürchte nur, dass sie verhallen wird. Man spielt halt Volksfront, und da schaut man sich seine Bündnisgenossen nicht so genau an.

    Grüße!

  2. [...] Blog: Komische Bündnisgenossen… - This entry was written by Daniel Fallenstein, posted on Mon, 10. Mar 2008 at 08:08, filed [...]

  3. Tobias, ich befürchte auch, dass meine Frage mit kollektivem Schweigen beantwortet wird. Doch dann kann ich auch reinen Gewissens mir den Trip nach Köln sparen…

    Es würden also unentschieden stehen: Ein Ergebnis, dass in Bremen derzeit als Sieg gefeiert werden würde…

  4. [...] Veranstalter einer sogenannten “kritischen Islamkonferenz” die vor über einem Monat hier geäußerte Kritik in die Bredouille. Zwar wurde zähneknirschend die bisher im Netz einzusehende Seite geändert, und [...]

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