Lasst uns in Ruhe?

PlakatWenn “Hausbesetzer_Innen, Künstler_Innen und andere Freaks” sich über sogenannte Yuppies in “ihren” Bezirken aufregen, wird’s immer recht pikant. Die eigentlich so welt- und menschenoffenen Linken fordern mit antikapitalistischen Duktus nichts anderes als ihre ganz eigenen befreiten Zonen - die Nazis wollten nicht von dem Anblick eines türkischen Dönerverkäufers behelligt werden, die Anti-Yuppie-Linke will überhaupt nicht behelligt werden. Am Liebsten lebt sie abgeschottet vom Rest der Welt in kollektiv-besetzten Halbruinen zusammen mit ihren Hunden in ranzigen Jugendclubs (oder in ranzigen Jugendclubsurrogats) mit Billigkaffe und Vokü. Es gibt wohl Leute, die zwar jeden der eine muslimische Zwangsehe nicht als Menschenrecht ansieht als Rassisten beschimpfen, selber aber nie aus der Trickfilmwelt ihres Kiezdorfes herauskommen und höchstens zu irgendeinem Krawallaufmarsch mal die hiesige Stadt verlassen. Bei manchen definiert sich die eigene Weltoffenheit scheinbar dadurch sich einmal im Jahr beim Karneval der Kulturen zu besaufen oder Capoeira zu lernen, die antikapitalistisch-korrekte Alternative zu bösem Yuppiesport in hygienischen (pfuiii!) Kommerzmuckibuden.

Eine teilweise berechtigte Kritik an diversen Stadtplanungsprojekten, die keinen Hehl daraus machen, dass bestimmte Menschengruppen nicht mehr im Zentrum einer Weltstadt erwünscht sind und abgeschoben werden sollen, kriegen sie aber nicht auf die Reihe. Sie sind praktisch nur mit ihrem eigenen prekären Selbst beschäftigt. Distinktion ist das große Stichwort, die Gruppe ist da jetzt muss sie nur noch abgeschottet werden. Bei dem uralten Anzugträgerfeindbild “Yuppie” bleibt es ja nicht, für die Kiezlinken sind längst auch die ausländischen Touristen eine bedrohliche Zersetzungsgefahr, die scheinbar genau wie die Yuppies “gefickt” gehört.

Kritik ist ihnen ein Fremdwort, stattdessen wird gemault und genörgelt wie am Stammtisch, darüber das jetzt alles den Bach runtergeht und früher alles rosarot und einfach war. Die Aufrufe lesen sich immer gleich: “Lasst uns in unserem linken Mief in Ruhe!” Immer wieder offenbaren sie wie wenig sie die Realität interessiert: randalierende Jugendliche sind da auf einmal nicht mehr akzeptiert und an allem ist wahrscheinlich die New Economy Schuld. Aus solchen theoretischen Eigenwilligkeiten und einer so ausgeprägten Meckpomm-Mentalität kann sich natürlich kein aufklärerischer Aufruf speisen: inhaltlich lahm, strotzt auch noch alles vor infantilen Neologismen. Außerdem: wer seinen Bezirk nicht verlässt und den Amerikanern wahrscheinlich die Pest an den Hals wünscht, sollte vielleicht auf englische Plakate verzichten. In einem lächerlichen Schulenglisch und mit einer undenkbaren deutschen Arroganz wird da nach “leftwing freespaces” gerufen. Selbst 15-jährige DDR-Zöglinge mit Zwangsrussisch, abgeschottet vom Rest der Welt konnten “Rappers Delight” in ein Mikro rappen ohne ein einziges Wort zu verstehen. Die Yuppie-Hater im 20. Semester fordern mit einer selbstverständlichen Inkompetenz “leftwing freespaces” und meinen damit nicht mehr als eine von links befreite Zone Berlin ohne Vielfalt, ohne Touristen und ohne geweißte Fassaden.

From New York to GDR…

Es war irgendwann Ende der 80er Jahre als auf einmal in meiner Polytechnischen Oberschule Breakdance AGs angeboten wurde. Ungefähr zu gleichen Zeit sah ich den Film Beat Street gemeinsam mit meiner gesamten Klasse. Doch dies war eigentlich schon das Ende des Anfangs. Die DDR-Kulturfunktionäre umarmten aufs Herzlichste eine Subkultur, die aus dem kapitalistischen Ausland kam…

Im Sommer 1989 kam es zur ersten großen Rap-Jam in der DDR. Zwischen zweitausend und dreitausend Jugendliche und Heranwachsenden fielen damals in mein Heimatdorf, dem beschaulichen Radebeul, ein und feierten eine der schönsten Partys, die ich bis jetzt zu Gesicht bekam. Das heutzutage niemand mehr verstehen kann, wie schön eine Jugend in der SBZ sein konnte, wenn man nicht den ausgetrampelten Pfaden der FDJ folgte, und die Eltern auch nur ein wenig open minded waren, ist dem ganzen Schund al á Sonnenallee zu verdanken.

Wir hatten zwar “nüscht“, aber davon reichlich. Die unzähligen Widrigkeiten waren ein enormer Ansporn für uns Kids, und kein Grund zu resignieren. Dazu waren wir einfach noch nicht alt genug. Stattdessen hat man aus der Not ne Tugend gemacht, so wurden aus Schuhlack die ersten Graffiti gezaubert, aus DDR-Jogginganzügen mittels der Fingerfertigkeiten von Mom ein Adidasanzug geschneidert und mit ein wenig technischer Hilfe von Dad konnte man sogar den DDR-Kassettenrecorder soweit manipulieren, dass es möglich war seine eigenen Rapsongs aufzunehmen. Es ging einiges damals (1,2,3), doch ist dies kaum jemandem bekannt. Weshalb ich hier noch einmal mit Nachdruck auf den Dokumentarfilm “Here we come” hinweisen möchte, damit ihr endlich eure Bildungslücke schließen könnt…

Shalom, Biatch!

Wieso mag ich Laura nicht? Weshalb sind in unserem Weltbild die Nazis immer Frauen? Und warum sind alle Menschen eigentlich so doof und lassen sich blutleere Nachahmungen von Unterhaltung servieren, ohne es nur ansatzweise zu bemerken? Keine Ahnung, aber fragen Sie doch einfach mal RoboJew, der kann immer helfen…

Kick it like Ronaldo!

Kaffee trinken, Fluppe schnorren, Zähne putzen, Mageninhalt entleeren und Emails lesen sind Dinge die ich jeden Tag mindestens einmal feierlich als routinierte Rituale des täglichen Lebens zelebriere. Dabei kommt einem so manch köstlicher Leckerbissen ebenso wie die schlimmsten Scheißhaufen unter die Augen, vor allem beim Lesen der Emails. Heute schafften es die Mädels und Jungs vom Bündnis Aktiver Fußball Fans (BAFF) ihren Haufen völlig ungefragt direkt in meine Wohlfühlsphäre zu setzen. In ihrer Mail kritisieren jene “aktiven Fußballfans”, die sich unbedingt in einem eingetragenen Verein organisieren müssen, die von der DFL festgelegten Anstoßzeiten für die kommende Saison in typisch deutscher Manier: “Unter dem Deckmantel der “internationalen Rahmenbedingungen” schafft die Deutsche Fußball Liga (DFL) englische Verhältnisse im deutschen Fußball und widerspricht damit dem, was sie noch vor kurzem den Fans zugesagt hat. Das Bündnis Aktiver Fußball Fans (BAFF) protestiert gegen die fanfeindlichen Anstoßzeiten.Quelle.

So klingt also links angehauchte Globalisierungskritik auf fußballerdeutsch. (Continued)

Argumente?

Jenseits von der christlich-jüdischen Metaphorik und anderen Oberflächlichkeiten, wo ist diese Rede wirklich problematisch? Jenseits von einer waschechten Appeasementkritik, wo war der ach-so-schlimme Seitenhieb an dem demokratischen Kandidaten Barack Obama? Um die Sache plastisch zu machen, verstoß ich auch gerne das zweite Mal in der Geschichte des Bad Blogs gegen unser informelles Youtube-Video-Verbot. Wenn es um George W. Bush geht, sind scheinbar, egal wohin man geht, alle Regeln einer auf Argumenten basierenden Auseinandersetzung aufgehoben.

Alles Nazis, außer Paul…

Achse der GutenSich von einem Gegenstand wirklich einen Begriff zu machen, gelingt vielen Erdenbewohner immer seltener. Ideologischen Prämissen, egal welcher Art, sorgen für eine rosa Brille durch die man den zu verhandelnden Gegenstand betrachtet. So verrät zum Beispiel die Wahl des Wortes “Zionazi”, dass es sich bei dem Benutzer um einen veritablen Antisemiten handelt, da er die Gleichsetzung von Nationalsozialisten und Zionisten in einem Wort für satifaktionsfähig hält. So sehen ich das zumindest. Doch damit stehe ich wohl recht allein da: (Continued)

Oldschool, Baby…

Das der utopische Optimismus vom Zweckpessimismus abgelöst wurde, liegt hauptsächlich daran, dass in der Vergangenheit die Zukunft in den seltensten Fällen positiv ausfiel. Es dauerte nie lange, kaum hatte die Hoffnung ein wenig zum Höhenflug angesetzt, wusste man schon, dass die nächste Bruchlandung bereits zu 100% feststand. Das übliche Problem halt, einerseits begrenzter Lebens-Akku und andererseits die unbegrenzte Dummheit der humanoiden Wasserstoffeinheiten. Das richtige Dahinvegetieren im falschen Einheitsbrei ist nun einmal ein Ding der Unmöglichkeit, für diese Erkenntnis musste man bekanntlich in seiner Jugend nicht lang und breit die einschlägige Literatur wälzen, sondern nur ab und zu den linksdrehend garnierten Parolensalat artig aufessen. So wie damals mit dem multikulturellem Quark im Antira-Kindergarten, Hauptsache man schluckt es…

Aber damals gab es wenigstens noch etwas Hoffnung. Ganz im Gegensatz zu heute. Die vor zehn Jahren panisch herbei geschriebene Spaßgesellschaft aka the Celebration Generation ist in den unendlichen Terror- und Klimaschutzdebatten mit kostenlos eingebauter Weltuntergangsstimmung komplett ab gesoffen. Angst, Paranoia, Panik und Entsetzen ist unsere neue Leitkultur geworden. Das Evil Empire hat ein für alle Mal die letzte Schlacht gewonnen, da können antiimperialistische Neo68er noch so oft in Hinterzimmern erhitzt debattieren. Die letzte Reste der open Society of Love (oSoL) können am Wochenende allerhöchsten noch in der Berliner Tekkno-Szene bestaunt werden. Als tanzende Touristenattraktion sorgen die libertären Überreste der so genannten Spaßgesellschaft dafür, dass sich wenigstens ein paar Menschen aus Spanien, Lateinamerika und anderen Kontinenten noch nach Spreeathen verirren. Aber da die Hoffnung “One World, One Love, One Future” als Masterplan für die Zukunft zu setzen, schon im letzten Jahrhundert grandios gescheitert ist, haben wir es derzeit mit einem gar scheußlichen Megatrend zu tun…

Es geht nur noch abwärts, automatisch generiert und vorprogrammiert wie im Computerstaat, geht es wirklich nur noch abwärts: In einer Welt, in der es noch nicht einmal eines Führerscheins bedarf um auf der Datenautobahn Blödsinn anzustellen, breitet sich nämlich der von Menschenhand gemachte Wahnsinn völlig ungestört in der ganzen Welt aus. Der neueste Trend aus dem weltweiten Kotzkübelkosmos hat etwas mit Neonazis, Israel und Pipi in der Hose zu tun. Während es unsereiner schon vor Jahren befürchtete, dass die ideenlosen Nachzügler von Wehrmachtsopa und BDM-Oma irgendwann einmal bei ihrem postmodernen Wir-benutzen-den-Linken-ihre-Codes-Spiel auch auf den Trichter kommen mit der Israelfahne in der Hand um ein wenig Aufmerksamkeit bzw. Liebe zu betteln, so konnte die Bloggerin nada bei der Entdeckung dieses Maleurs kaum noch ihren bis dato fein säuberlich angesammelten Verdauungsunrat bei sich behalten…

Nach der Lektüre ihres anspruchsvollen Vierzeilers ist man geneigt nicht nur den eigenen Gesichtserker hermetisch abzudichten, sondern auch jenen Teil der Vergangenheit, den man zwar in guter, aber nicht in allerbester Erinnerung hat, nochmals zu durchleuchten, immer begleitet von der Hoffnung, dass man in seiner “Kampfzeit” popkulturell und intellektuell keineswegs selbst das unglaublich tiefe Nada-Niveau ausgelotet hatte. Dummerweise ist die Hoffnung ziemlich unberechtigt, nicht nur popkulturell. I`m Oldschool, Baby… und ich kann es leider nicht rückgängig machen.

In diesem Sinne: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, 1883–1885

Das Opfer, der Burner…

Antisemitismus von linksDass Amerika angeblich die gleichen Verbrechen verübte, die sie ihrer deutschen Elterngeneration vorhielten, gab den jungen Linken das gerade noch so vehement negierte Vaterland zurück. Im projektiven antifaschistischen Widerstand gegen die USA bügelten sie den nationalen Selbstverlust aus, den Deutschland durch die unvergleichliche Katastrophe des Nationalsozialismus erlitten hatte. Im Kampf gegen Nazi-Amerika konnte man jetzt endlich wieder ein guter Deutscher sein. Der Antiamerikanismus der Linken war die einzig zeitgemäße Möglichkeit, den nationalen Widerstandsgeist gegen die fremden Eroberer zu retten.

Was Richard Herzinger und Hannes Stein hier so vortrefflich im Bezug auf die USA auf den Punkt bringen, gilt ebenfalls für den von Linken verhassten Staat Israel, der passender Weise am 8. Mai diesen Jahres seinen 60. Geburtstag feiern konnte. Im projektiven antifaschistischen Widerstand halluzinieren radikale Linke islamistische Terrorrackets zu legitimen nationalen Befreiungsorganisationen und die Reaktion staatlich organisierter Militäreinheiten zum Terrorismus. Ganz im Gegensatz zu ihrem auserkorenen Vordenker, Leo Davidowitsch Bronstein, sind gerade die Trotzkisten in Sachen Antisemitismus absolute internationale Weltklasse. Doch um endlich zum Angriff überzugehen, muss vorerst die Rolle als verfolgte antifaschistische Unschuld reklamiert werden. David Schultz aka Holger Burner, der Chefrapper der trotzkistischen Vereinigung namens SAV, hat diese Aufgabe - wie man in seinem Blog nachlesen kann - freiwillig übernommen: (Continued)

Argumente statt Betroffenheit…

Es war einmal, vor langer Zeit…

Argumente wurden zu Waffen in einem Streit, der nicht einfach in der nächsten Koalitions- oder “Konsensrunde” aufgelöst werden konnte. Hinter den Kombattanten der Wortschlachten standen symbolisch noch die Armeen zur stellvertretenden Befreiung der Menschheit beziehungsweise zu ihrer Rettung vor den kommunistischen Horden aus dem Osten. Geschichte war kein musealer Begriff wie heute, sondern gesättigte, leidenschaftliche, oft auch schmerzhafte Gegenwart. Es gab noch echte Vertriebene, echte Kommunisten und echte Reaktionäre.

Viele der älteren Protagonisten waren noch in der Ära von Weimarer Republik, Hitlerfaschismus und Weltkrieg groß geworden – ein einzigartiger biografischer wie politischer Referenzrahmen, den kein weißes Betroffenensofa bei “Anne Will” ersetzen kann. Ein Kurt Beck wäre damals allenfalls Kassierer des SPD-Ortsvereins Bad Kreuznach geworden.

Das makabere Credo von der ‘Gnade der späten Geburt’, entpuppt sich in der heutigen Realität als Schimäre:

Aber man darf nicht ungerecht sein. Für die Zeiten, in die jemand hineingeboren und womöglich zum Politiker wird, kann der einzelne nichts. Und: Auch in den vermeintlich “guten alten Zeiten” gab es jede Menge Taktik und Kleinklein, Missgunst und Intrige, Mittelmaß und Peinlichkeit. Der Unterschied: Damals mussten noch allerlei Grundsteine gelegt werden, der Horizont einer anderen Wirklichkeit leuchtete noch in satten Farben.

So machte eine ganze Generation neben allem – unvermeidlichen – Parteienstreit, neben Grabenkampf und spontanem Dampfablassen auf dem Parteitag eine Erfahrung, die durch die Herrschaft des nationalsozialistischen Terrors schon beinah ausgelöscht schien: die Leidenschaft fürs Argument, für die Macht des Wortes und die angewandte Vernunft in einem politischen System, das eben nicht auf Herrschaft, Gewalt und Vernichtungsdrohung aufgebaut sein sollte, sondern auf der Idee vom friedlichen Ausgleich der Interessen, wer will: auf den herrschaftsfreien Diskurs.

Aber lesen Sie einfach selber Mohr…