Argumente statt Betroffenheit…

Es war einmal, vor langer Zeit…

Argumente wurden zu Waffen in einem Streit, der nicht einfach in der nächsten Koalitions- oder “Konsensrunde” aufgelöst werden konnte. Hinter den Kombattanten der Wortschlachten standen symbolisch noch die Armeen zur stellvertretenden Befreiung der Menschheit beziehungsweise zu ihrer Rettung vor den kommunistischen Horden aus dem Osten. Geschichte war kein musealer Begriff wie heute, sondern gesättigte, leidenschaftliche, oft auch schmerzhafte Gegenwart. Es gab noch echte Vertriebene, echte Kommunisten und echte Reaktionäre.

Viele der älteren Protagonisten waren noch in der Ära von Weimarer Republik, Hitlerfaschismus und Weltkrieg groß geworden – ein einzigartiger biografischer wie politischer Referenzrahmen, den kein weißes Betroffenensofa bei “Anne Will” ersetzen kann. Ein Kurt Beck wäre damals allenfalls Kassierer des SPD-Ortsvereins Bad Kreuznach geworden.

Das makabere Credo von der ‘Gnade der späten Geburt’, entpuppt sich in der heutigen Realität als Schimäre:

Aber man darf nicht ungerecht sein. Für die Zeiten, in die jemand hineingeboren und womöglich zum Politiker wird, kann der einzelne nichts. Und: Auch in den vermeintlich “guten alten Zeiten” gab es jede Menge Taktik und Kleinklein, Missgunst und Intrige, Mittelmaß und Peinlichkeit. Der Unterschied: Damals mussten noch allerlei Grundsteine gelegt werden, der Horizont einer anderen Wirklichkeit leuchtete noch in satten Farben.

So machte eine ganze Generation neben allem – unvermeidlichen – Parteienstreit, neben Grabenkampf und spontanem Dampfablassen auf dem Parteitag eine Erfahrung, die durch die Herrschaft des nationalsozialistischen Terrors schon beinah ausgelöscht schien: die Leidenschaft fürs Argument, für die Macht des Wortes und die angewandte Vernunft in einem politischen System, das eben nicht auf Herrschaft, Gewalt und Vernichtungsdrohung aufgebaut sein sollte, sondern auf der Idee vom friedlichen Ausgleich der Interessen, wer will: auf den herrschaftsfreien Diskurs.

Aber lesen Sie einfach selber Mohr…

Comments (2) to “Argumente statt Betroffenheit…”

  1. na, da kann man sich jetzt ja vorstellen, wie das nächstes jahr wird beim 60.
    am schlimmsten ist der missbrauch zweigs.

    goebbels soll ein ausgezeichneter polit. redner gewesen sein, übrigens.

  2. Laura, zeig doch einfach Reinhard Mohr wegen Zweigesmissbrauch an, so kannst auch du mal deinem kleinen Goebbels in dir freien Lauf lassen…

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