Es geht um Israel…

Es kam, wie es kommen musste, nachdem einige naive Zeitgenossen die Illusion verbreiteten, dass man um einer fruchtbringenden Debatte willen den “institutionellen Rahmen” der Linkspartei bzw. deren Parteijugend nutzen sollte, um im Herzen der kaltblütigen Bestie vielleicht doch noch ein wenig Empathie für den Befreiungskampf der Israelis gegen den eliminatorischen Islamismus zu entdecken bzw. zu wecken, ist nun das Basiscamp für diese wahnwitzige Mission zum Schweigen gebracht worden. Und zwar von der eigentlich zu bekehrenden Parteijugend mittels eines lapidaren Tagesbefehls…

In einem Beschluss des Bundessprecher_innenrates (BSpR) der Linksjugend [’solid] vom 13. Juni werden dem BAK nicht nur die ihm zustehenden Gelder eingefroren, sondern auch verboten, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten” kann man seit gestern auf dem Blog des Bundesarbeitskreises Shalom nachlesen. Die Antwort des Arbeitskreises lies natürlich nicht lange auf sich warten, sie erschien gestern unter dem vielsagenden Titel: “Ein Plädoyer für den Pluralismus – ein Plädoyer für die Prinzipien unseres Jugendverbandes” …

Diese Plädoyer entpuppt sich beim genaueren Hinsehen, als Angebot mit bekennenden Arschlöchern, ähm Antizionisten, mal darüber zu reden, ob und wie die Unterstützung von antisemitischen Mordbrennern okay geht, oder eben nicht… Es ist die alte Leier junger Landeier, man will von allen geliebt werden, von den Coolen (die Antideutschen), von den Strebern die einen schon längst links liegen gelassen haben (den Bündnisgrünen) und natürlich von dem lang gesuchten Familienersatz (der eigenen Partei), doch egal was die israelsolidarische Linksjugend [’solid]-Mitglieder tuen, das doofe Gefühl es niemandem Recht zu machen, obwohl man doch eigentlich nur ein wenig Politik machen möchte, um sich auch mal ein wenig wichtig zu fühlen, verflüchtigt sich nicht, es bleibt, egal wie sehr sie sich auch hin und her winden.

Das passt nur zu gut in unserem pluralistischen Anspruch. Ohne Pluralismus bleibt die inhaltliche Entwicklung des Jugendverbandes auf der Strecke, denn ohne Pluralismus brauchen wir nicht unsere Positionen zu hinterfragen, keine Diskussionen führen.

Und natürlich versichern die unsicheren Freunde Israels in ihrer Verteidigungsschrift ihren sozialistischen antizionistischen Mitstreitern aus der Linksparteijugend, dass in ihrem Arbeitskreis eigentlich alles mit rechten Dinge zugeht, und man selbstverständlich kein antideutsches U-Boot ist. Und damit haben Sie völlig Recht. Jenen Dolch im Gewande, den man zu tragen pflegt, wenn man von Feinden umgeben ist und eine Legende in die Tat umsetzen möchte, haben die Spitzbuben aus dem BAK Shalom niemals bei sich getragen. Dazu fehlte es Ihnen an Weitblick, Erfahrung und Mut. Doch auch diese Schande ist noch lange kein Grund, derart vor den eigenen Widersachern auf die Knie zu fallen. Und ihnen z.B. anzubieten gemeinsam einmal die Projektionsfläche für die eigenen Befindlichkeiten zu bereisen, um, ja um was eigentlich..?

Wir haben dem BSpR bereits vor Wochen angeboten, in Zusammenarbeit mit dem BSpR und dem BAK Internationales, eine Reise in den Nahen Osten für das kommenden Jahr zu organisieren, auch um die Debatte im Jugendverband konstruktiv zu fördern.

Mit wem die linken Schildbürger dann über das Existenzrecht von Israel diskutieren, können wir ja schon an drei Fingern abzählen. Neben der Hamas (legitime Volksbefreiungsorganisation) bestimmt die Hizbullah (siehe Hamas) und am Ende der Tortur, um alle schön in einen Topf geworfen zu haben, wird vielleicht noch - zur Abwechslung - die Frauenabteilung der IDF besucht. Den geilen alten Säcken aus Deutschland wird es gefallen…

Deshalb muss ganz klar gesagt werden: Ein Angriff auf den BAK Shalom ist ein Angriff auf die innerverbandliche Demokratie und auf den Pluralismus des Jugendverbandes, auf dessen Prinzipien und die Mündigkeit jedes einzelnen Mitglieds, und ist damit – so seltsam es auch für die größten Gegner_innen des BAK Shalom klingt – ein Angriff auf alle.

Ein Angriff auf Israel, ein Angriff auf einen Juden, dass sind Angriffe auf uns alle, weil diese Angriffe auch jedesmal auf die gesamte Menschheit abzielen. Angriffe auf ein (pseudo-) israelsolidarisches Projekt innerhalb eines antizionistischen Projekts sind Normalität bzw. sollte von ersteren nicht mit Erstaunen, oder billigem Betteln um etwas Kohle beantwortet werden, sondern mit einer Attacke aus dem Hinterhalt, oder anderen fiesen Guerillataktiken. Wer Politik mit gutem Gewissen machen will, der darf dies entweder nicht in der Linkspartei versuchen, oder er muss seine Meinung zum Nahostkonflikt revidieren, egal was Gysi in einer Sonntagsrede dem geneigten Publikum für wohlschmeckenden Honig ums Maul schmiert.

Wer sich von Gysi einen Bären aufbinden lässt, muss am Ende das Fell immer mit Lafontaine teilen…

PS: Liebe linke Idealisten - die ihr das vielleicht hier lest - schreibt Euch folgendes hinter die ungewaschenen Ohren: Israel braucht Euch nicht! Ihr braucht Israel um eure dreckige linksmotivierte Bewegungspolitik vor eurem Gewissen als wichtig bzw. richtig zu verbrämen. Doch ihr vergesst dabei: Antizionismus gehört zur Linkspartei, wie das Amen in der bigotten Kirche und wie der hässliche Ex-Lautsprecherwagen zur weitaus hässlicheren linksdeutschen Demoformation… Shalom Biatch!

Edit: Mehr Texte zum Thema…

McGuffin Foundation: »Nie wieder Hegde-Fond« – Artiges zum Wunsch in der Linkspartei, ihre AntizionismuskritikerInnen wieder loszuwerden

Dissidenz: Die Partei hat immer Recht

Comments (4) to “Es geht um Israel…”

  1. [...] interessant auch der kommentar zum aktuellen geschehen im “bad blog” [...]

  2. Naja, ich kann deine Kritik ein stückweit verstehen, die Pöbeleien gegen den BAK aber nicht. Vielleicht solltest du dich ein wenig mehr mit dessen Arbeit beschäftigen. Neben einen formellen Widerspruch und dem besagten “Plädoyer” (das sich insbesondere an viele ideologisch noch “unbelasstete”, d.h. nicht-antiimp, junge Genoss_innen richtet, die es in der Linksjugend noch gibt), hat der BAK mittlerweile auch eine klare inhaltliche Stellungnahme abgeliefert, die du in deine Kritik fairer Weise aufnehmen solltest. Here we go…

  3. Hennig, das Gefeilsche hier kannste dir sparen. Wenn du der Meinung anhängst, dass es ideologische “unbelastete” Menschen gibt und darüberhinaus denkst, dass Menschen die weder dem einen, noch dem anderen Anti-’Lager’ anhängen, nur durch betteln und herumjammern auf die ‘richtige’ Seite gezogen werden können, dann bist du in der Parteijugend richtig aufgehoben, da du politisch völlig falsch gewickelt wurdest…

    Und zum Thema Fairness und Kritik zitieren wir doch einfach mal den olen Marx: “Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings! Sie stehn unter dem Niveau der Geschichte, sie sind unter aller Kritik, aber sie bleiben ein Gegenstand der Kritik, wie der Verbrecher, der unter dem Niveau der Humanität steht, ein Gegenstand des Scharfrichters bleibt. Mit ihnen im Kampf ist die Kritik keine Leidenschaft des Kopfs, sie ist der Kopf der Leidenschaft. Sie ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will. Denn der Geist jener Zustände ist widerlegt. An und für sich sind sie keine denkwürdigen Objekte, sondern ebenso verächtliche, als verachtete Existenzen. Die Kritik für sich bedarf nicht der Selbstverständigung mit diesem Gegenstand, denn sie ist mit ihm im reinen. Sie gibt sich nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Ihr wesentliches Pathos ist die Indignation, ihre wesentliche Arbeit die Denunziation.Quelle.

    Ein Klassiker: Ich liebe es!

  4. [...] Ansatz im Keim erfassen können und wollen.Seine geharnischte,hämische Replik auf den Rauswurf ist hier [...]

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