Zirkumflexs Märchenstunde…
Die Vergesslichkeit der Menschen gegenüber Menschenrechtsverletzungen anzuprangern ist ein Schwert welches gerne in der Hand geführt wird, wenn es darum geht etwas moralisch zu evozieren, was man mittels einer logischen Argumentation nicht wirklich erreichen kann. Diese Tour versucht gerade der Blogger Zirkumflex indem er in einem anti-chinesischen Artikel behauptet, dass niemand auf der Welt sich um die unterdrückten Uiguren kümmert, wobei jene doch genauso schlimm unterdrückt werden wie die z.B. die Tibeter.
Die Angst der chinesischen Offiziellen vor islamischen Terroranschlägen dichtet der Autor um, in eine Strategie die gesamte Bevölkerung wahllos zu malträtieren, da bekanntlich Kommunisten so gerne Menschen unterdrücken. Nun mal gänzlich davon abgesehen, dass in der Volksrepublik China kein Kommunismus herrscht, negiert Zirkumflex komplett die Gefahr islamischer Anschläge. Um dies dem Leser plausibel zu machen, betreibt er selbst eine Strategie die er kurz zuvor angeprangert hatte: Er baut auf die Vergesslichkeit seiner Leser indem er behauptet, dass die Verbindung zwischen Al Qaida zu den uigurischen Islamisten nur auf Vermutungen basiert:
“Immer wieder war es in der Provinz zu Anschlägen gekommen, man vermutet bei den uigurischen Aktivisten eine Nähe zu Al-Qaida. Daher verhaftet(e) man in der Provinz willkürlich jeden Verdächtigwirkenden; erst im März war ein uigurischer Geschäftsmann in der Haft “verstorben”. Des Weiteren verbot man das Tragen des Schleiers.”
Woher Zirkumflex die Information hat, dass willkürlich jeder der nur den leisesten Verdacht erweckt verhaftet wird und arme Geschäftsmänner in der Haft versterben, verrät er uns nicht. Ebenfalls wird dem Leser suggeriert das Geschäftsmänner natürlich niemals Terroristen sein können, wobei der Chef des Jihads persönlich, Osama Bin Laden, als Geschäftsmann den international vernetzten Terror überhaupt erst ermöglichte. Doch die Krönung ist das Insistieren darauf, dass das Tragen des Schleiers, im Namen der universalen Menschenrechte, in China doch bitte ermöglicht werden sollte…
Geht`s noch? Da freut man sich, als Universalist, dass das Verbot des Schleiers in der Türkei halbwegs wieder hergestellt wurde, um dann kurz darauf zu lesen, dass irgendein angeblich ach so Liberaler den chinesischen Offiziellen vorwirft, dass diese die Freiheit ihrer Bürger beschränken, wenn sie ihnen verbietet mit dem Stoffetzen im Gesicht herumzumarschieren? Ich glaube es hackt!
Da lob ich mir den Tagesspiegel, der es schafft, trotz liberaler Brille eines, dann doch festzuhalten:
“Militante Islamisten mit Bezügen zu Al Qaida und Taliban sind seit Jahren in China aktiv. Betroffen ist vor allem das riesige „Autonome Gebiet“ Sinkiang im Nordwesten, in dem mehr als acht Millionen muslimische Uiguren leben.”
Berndt Georg Thamm, Publizist und Referent für Weiterbildung zum Thema Dschihad-Terrorismus für Polizei und Bundeswehr, hat in einem Interview mit Ramon Schack diese Angaben bestätigt:
“SZ: Hat man denn im Westen den Dschihad noch nicht als ein globales Problem erkannt?
Thamm: Noch nicht im erforderlichen Ausmaß. Den 11. September sah man im Westen als eine Kriegserklärung, die nur dem Westen galt. Dabei hatte der Dschihad schon viel früher begonnen. Die Hauptschauplätze liegen in Asien und in islamischen Ländern. Russland und China sind potentiell bedroht.
SZ: Inwiefern?
Thamm: Indem sich Dschihadisten in Asien der Strategie der Islamisierung ethnischer Konflikte bedienen. In China nutzen Islamisten den Konflikt sunnitischer Uiguren und anderer muslimischer Turkvölker mit Peking aus, in Russland den Konflikt sunnitischer Tschetschenen und anderer muslimischer Völker des Nordkaukasus mit Moskau. Der Westen leistet leider diversen Vertretern dieser Gruppierungen Schützenhilfe und unterstützt damit indirekt die Dschihadisten.
SZ: Allerdings nutzen ja auch China und Russland den Kampf gegen den Terror, um Menschenrechtsverletzungen in den betreffenden Regionen zu begehen und zu kaschieren.
Thamm: Bei dem Buch handelt es sich aber um eine Schilderung des Kampfes gegen den Dschihad aus der Perspektive der erwähnten Staaten. Außerdem ist die westliche Menschenrechtsrhetorik oftmals heuchlerisch. Mit Guantanamo hat der Westen sich selbst nicht gerade ein menschenrechtliches Markenzeichen ausgestellt.
…
SZ: Warum spielt Zentralasien eine Schlüsselrolle beim Kampf gegen den Dschihad?
Thamm: In den Staaten Zentralasiens sind zahlreiche dschihadistische Aktivitäten zu beobachten. Sowohl aus dem Nahen Osten als auch aus dem Kaukasus und Afghanistan erhalten diese Kreise Zulauf und Unterstützung. Darüber hinaus sind mittlerweile Dschihadisten der turkistanischen Islamischen Dschihad Union in der Region vertreten, die mit Hilfe der al-Qaida ihren Einflussbereich durch Islamisten aus Europa, auch aus Deutschland, erweitern. Inzwischen hat diese Islamische Dschihad Union ihren Einflussbereich massiv ausgebaut. Wir erinnern uns, erst im September war Deutschland nur knapp Anschlägen eines Ablegers, eben jener ursprünglich aus dem pakistanischen Waziristan stammenden Dschihad-Union aus dem Sauerland entgangen.
SZ: Ist man sich in Deutschland der Gefahr bewusst?
Thamm: Israelische Experten staunen immer wieder, wie gelassen, gemessen an dem realen Bedrohungspotential, die deutsche Öffentlichkeit dieser Herausforderung begegnet. Die Israelis arbeiten übrigens aktiv mit den chinesischen und russischen Experten zusammen.”
Bleibt noch die Frage, wann endlich auch prowestliche Liberale ihren penetranten Hang zur Einseitigkeit in der Bewertung von Konflikten in und um China herum aufgeben…
Edit: In einem Update treibt es Zirkumflex nun noch bunter: Er beklagt, dass die Muezzine keine Lautsprecher benutzen dürfen um zum Gebet zu rufen und Jugendliche unter 18 nicht in die Moschee dürfen. Dies ist wirklich ein Armutszeugnis…
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