The Spirit of Georgia

Woran kann man eigentlich erkennen, dass wir immer noch in einer verkehrt eingerichteten Welt leben? Ganz einfach, das offizielle Getränk einer besseren Welt bekommt Konkurrenz… Gegen die zahlreichen Hersteller billigerer Biolimonaden konnte sich die Bionade GmbH noch mit einstweiligen Verfügungen wehren. Gegen die Zeitschrift Öko-Test, die Anfang des Jahres erhöhte Zuckerwerte und Nickel in der deutschen Ökobrause feststellte, musste ebenfalls der Anwalt aktiv werden, doch nun will die übermächtige Konkurrenz aus Übersee auch ein Stück vom Limokuchen: der amerikanische Softdrinkkonzern Coca Cola kündigt für den deutschen Markt eine neue Biolimonade mit Südstaaten-Flair an. Ihr Name: Spirit of Georgia.

Die bösen Buben aus Amerika wollen keine bessere Welt , sondern nur Profit. So sagt es zumindest der Volksmund. “Bionade dagegen ist gut. Bionade ist bio. Sie ist regional, sie ist von hier! Wenn sich die Bionade GmbH schweren Herzens doch einmal kapi­talistischer Handlungsweisen bedienen muss, so nützt das dem Standort.” (1) Die gesunde Mischung in und um die Bionade herum hilft dem deutschen Volkskörper rein und fit zu bleiben. Doch dummerweise wird Bionade seit über einem Jahr nicht nur von McDonald’s, sondern auch vom Lieblingsfeind Coca-Cola vertrieben. Dann noch die zweifelhaften Angaben über den Calcium- und den Magnesium­gehalt des Getränks, ich glaube ein gerade erst errichtetes Denkmal begingt langsam zu bröckeln…

Der Spiegelfechter glaubt dagegen, dass die Bionadisierung der Republik eine Versteinerung der bestehenden Verhältnisse bedeutet: “Deutschland wird von einer kinderlosen, geschiedenen Frau regiert und in Hamburg unterschreibt ein homosexueller Erster Bürgermeister einen Koalitionsvertrag mit den ehemaligen „Ökospinnern“. Keine Frage, nicht nur die GRÜNEN, sondern auch die CDU ist angekommen. Angekommen in der Bionade-Republik - klebrig süß, postmaterialistisch, irgendwie ökologisch und dem Zeitgeist entsprechend. Das neue und das alte Bürgertum haben sich wieder gefunden und dies ist auch nur konsequent, birgt aber für beide Parteien auch gewisse Risiken.” (2)

Risiko Nummer 1 ist die Tatsache, dass weder die Bundesrepublik, noch die Bionadespinner allein auf dieser Welt sind. Risiko Nummer 2 heißt Kapitalismus, und der rettete uns bisher noch vor jeder idealistischen Schweinerei. Und mal ganz ehrlich, ich möchte lieber nen Blackberry mein eigen nennen als ne Flasche Limo mit Holundergeschmack… Darauf ein Spirit!

Anmerkungen:

(1) Plunder statt Holunder, Jungle World Nr. 30, 24. Juli 2008, URL

(2) Willkommen in der Bionade-Republik, Spiegelfechter, 18. April 2008, URL

Lesetipps:

(1) Wer hat es erfunden? Zur Geschichte der Afri-Cola. IdrawESCAPEplans, URL

(2) Bionade auf schmalem Grat. Oettinger Malz Antifa, URL

Comments (9) to “The Spirit of Georgia”

  1. es gibt doch auch diese schöne werbung: “Von US Wissenschaftlern nicht empfohlen - http://www.bionade.de
    und das ein deutscher Bionade Hersteller nur das beste von…erm…für seine Kunden will ist doch offensichtlich.

    meine 5cent für eine flasche uran-freies wasser, drevil

  2. Wer ein gutes Angebot von Coca Cola zum Kauf bekommen hat und sich des Coca-Cola-Vertriebs bedient, kann schwerlich sagen, er würde von führenden Cola-Herstellern nicht empfohlen. Das ist großer Quatsch. Andere Slogans sind aber schon originell, “Gut in Bio, schlecht in Chemie“, beispielsweise.

    Wie auch immer. Bionade jedenfalls ist schon lange durch. Was es in jedem Bahnhofskiosk und bei MC Donalds gibt, kann schwerlich hip sein. So sehr der Gründungsmythos der Bionade auch außergewöhnlich sein mag - Bionade ist bei den Massen angekommen und möchte zur Weltmarke werden. Das ist ihre Entscheidung und das muß man respektieren - aber hip können sie damit eben nicht mehr sein. Ich glaube die Jungle World ist schwer auf dem Holzweg bzw. einfach zu spät dran, wenn sie denn meint, daß Bionade trinken noch irgendwie alternativ wäre.

    Das ist selbstverständlich für niemanden ein Grund in nostalgische Gefühle auszubrechen - denn der “gute” Kapitalismus schenkt uns ja weiterhin Innovationen und undergroundige Moden, so daß jeder, der mag, weiterhin trendig trinken kann.

  3. B2 Bomber Liste

    Man schaue unter AV-14

  4. das hat jetzt mehr mit style als krtik zu tun - bin ich der einzige der bei spirit of georgia - ausgerechnet georgia - an nina simone und ray charles denken muss? frag mich was die coca cola marketingabteilung getrunken hat als sie den namen ersponnen haben. obama, die limo? da passt dann auch das spirit. gibts sowas wie postrassistischen dadaismus?

  5. Bei aller Liebe, aber ich habe mir eine Flasche von dem Zeug in der Feinschmecker-Abteilung des KaDeWe erstanden. Es schmeckt leider scheußlich. Ich bleib bei Coke…original.

  6. Hätteste dir mal lieber nen Blackberry angelächelt….

  7. Nö, bei aller Kritik am Geschäftsgebahren und damit verflochtener Ideologie - ich mag so Sachen, die nicht turbosüß sind…und Red Bull Cola ist auch ganz nett in die Richtung komponiert.

    Von daher ist der Erfolg wie bei Cola vom Geschmack kaum abzutrennen.

    Übrigens: wurde Fanta nicht als Nazilimonade bezeichnet?

  8. @aber: Der Firmensitz von Coca Cola liegt in Atlanta, Georgia.
    Also nix Dadaistisches, sondern einfach nur ein unterschwelliger Hinweis darauf, wohin Dein Geld wandert.

  9. Na das ist ja Timing. Gerade hatte ich meinen letzten Schluck Bionade Holunder genommen, da war ich bei den erhöhten Nickelwerten angekommen. Prost!

    Also bei “Spirit of Georgia” denke ich im Moment an russische Panzer. Man sollte sich nur stabile Länder weit außerhalb von Krisenregionen als Namenspaten für sein Produkt aussuchen. (Ne, ich weiß schon, dass Georgien eigentlich nicht gemeint ist) ;)

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