Friday, June 20, 2008
Hip, Hipper, Hipster! Das VICE Magazine ist international die Bibel für den urbanen Bohème mit hedonistischem Hang zu Drogen, öffentlichem Sex, bunten Formen und Farben und stylischer Inhaltslosigkeit. Pro Seite ein visueller Overkill, ein Paar Pimmel von Terry Richardson, ein großer Haufen intersexueller Anzüglichkeit und wenn überhaupt ein 10-zeiliger Gonzo-Artikel. Was solls…der Hipster ist zufrieden und immer informiert über Sonderangebote bei American Apparel. Dachte man zumindest nach Büchern, wie dem Vice Guide To Eating Pussy oder demselben Guide to Sex, Drugs and Rock’n'Roll, die zwar auf dem Küchentisch bei Muttern Stirnrunzeln auslösen würden aber sonst nicht zu schockierend sind und gerne mal kurz vor Witzig bei Lächerlich links abbiegen. Politisch ist das Magazin nicht…bei soviel Selbstbewusstsein und DIY-Ethos schimmert natürlich hier und da ein bisschen Keller-Romantik durch aber mehr nicht.
Wenn’s aber soweit ist, gibt es keine Überraschungen: deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen.
Thursday, May 29, 2008
Wenn “Hausbesetzer_Innen, Künstler_Innen und andere Freaks” sich über sogenannte Yuppies in “ihren” Bezirken aufregen, wird’s immer recht pikant. Die eigentlich so welt- und menschenoffenen Linken fordern mit antikapitalistischen Duktus nichts anderes als ihre ganz eigenen befreiten Zonen - die Nazis wollten nicht von dem Anblick eines türkischen Dönerverkäufers behelligt werden, die Anti-Yuppie-Linke will überhaupt nicht behelligt werden. Am Liebsten lebt sie abgeschottet vom Rest der Welt in kollektiv-besetzten Halbruinen zusammen mit ihren Hunden in ranzigen Jugendclubs (oder in ranzigen Jugendclubsurrogats) mit Billigkaffe und Vokü. Es gibt wohl Leute, die zwar jeden der eine muslimische Zwangsehe nicht als Menschenrecht ansieht als Rassisten beschimpfen, selber aber nie aus der Trickfilmwelt ihres Kiezdorfes herauskommen und höchstens zu irgendeinem Krawallaufmarsch mal die hiesige Stadt verlassen. Bei manchen definiert sich die eigene Weltoffenheit scheinbar dadurch sich einmal im Jahr beim Karneval der Kulturen zu besaufen oder Capoeira zu lernen, die antikapitalistisch-korrekte Alternative zu bösem Yuppiesport in hygienischen (pfuiii!) Kommerzmuckibuden.
Eine teilweise berechtigte Kritik an diversen Stadtplanungsprojekten, die keinen Hehl daraus machen, dass bestimmte Menschengruppen nicht mehr im Zentrum einer Weltstadt erwünscht sind und abgeschoben werden sollen, kriegen sie aber nicht auf die Reihe. Sie sind praktisch nur mit ihrem eigenen prekären Selbst beschäftigt. Distinktion ist das große Stichwort, die Gruppe ist da jetzt muss sie nur noch abgeschottet werden. Bei dem uralten Anzugträgerfeindbild “Yuppie” bleibt es ja nicht, für die Kiezlinken sind längst auch die ausländischen Touristen eine bedrohliche Zersetzungsgefahr, die scheinbar genau wie die Yuppies “gefickt” gehört.
Kritik ist ihnen ein Fremdwort, stattdessen wird gemault und genörgelt wie am Stammtisch, darüber das jetzt alles den Bach runtergeht und früher alles rosarot und einfach war. Die Aufrufe lesen sich immer gleich: “Lasst uns in unserem linken Mief in Ruhe!” Immer wieder offenbaren sie wie wenig sie die Realität interessiert: randalierende Jugendliche sind da auf einmal nicht mehr akzeptiert und an allem ist wahrscheinlich die New Economy Schuld. Aus solchen theoretischen Eigenwilligkeiten und einer so ausgeprägten Meckpomm-Mentalität kann sich natürlich kein aufklärerischer Aufruf speisen: inhaltlich lahm, strotzt auch noch alles vor infantilen Neologismen. Außerdem: wer seinen Bezirk nicht verlässt und den Amerikanern wahrscheinlich die Pest an den Hals wünscht, sollte vielleicht auf englische Plakate verzichten. In einem lächerlichen Schulenglisch und mit einer undenkbaren deutschen Arroganz wird da nach “leftwing freespaces” gerufen. Selbst 15-jährige DDR-Zöglinge mit Zwangsrussisch, abgeschottet vom Rest der Welt konnten “Rappers Delight” in ein Mikro rappen ohne ein einziges Wort zu verstehen. Die Yuppie-Hater im 20. Semester fordern mit einer selbstverständlichen Inkompetenz “leftwing freespaces” und meinen damit nicht mehr als eine von links befreite Zone Berlin ohne Vielfalt, ohne Touristen und ohne geweißte Fassaden.
Wednesday, April 30, 2008
Gefordert wird ja ‘heraus’ zum 1. Mai: ob nun auf eine der Museumsdemos oder auf das Myfest. Ich weigere mich aber herauszukommen. Es wird ganz bestimmt regnen und selbst wenn es nicht regnet, wird das Wetter bestimmt nicht so gut, wie es sein müsste um noch Überredungskraft zu besitzen.
Ich hab überhaupt keinen Bock auf die bierselige Ochlokratie, die morgen Berlin regieren wird: die deutsche Linke und andere Austellungsstücke in Kreuzberg und Umgebung und der druffe Durchschnittsdeutsche tingelt da und überall sonst auf’m Fahrrad durch die Stadt. Wenn Herrentag und 1. Mai zusammenfallen öffnet sich Pandoras Büchse - da kann auch der Regen nichts mehr ausrichten.
Deshalb die Frage: Was machen denn gescheite Menschen morgen?
Saturday, April 26, 2008
Scum als solchen gibt es natürlich viele Jahre mehr und wird es auch immer geben, egal wie oft Fußballfans, ihn auffordern nach Hause zu gehen. Darum soll es aber nicht gehen: Die Welt feiert heute das 30-jährige Jubiläum der Gründung von S.C.U.M., der Society for Cutting up Men, eine durchgeknallte Initiative einer ebenso durchgeknallten Valerie Solanas, die zum Einen durch ihren Männerhasserclub, zum Anderen durch den versuchten Mord an Andy Warhol Bekanntheit erlangte. Wie so viele hatte Solanas ihre ganz eigene Vorstellung einer geheilten Welt und propagierte die Vernichtung der Männer und den Aufbau einer exklusiv femininen Gesellschaft auf der Basis künstlicher Befruchtung, was sich fortan Anarnchofeminismus nennen sollte. Muss es einen beunruhigen, dass dieses Label von jungen Frauen auf Berliner Antifademos kreischend für sich beansprucht wird? Die Wurzeln des sogenannten Anarchofeminismus jedenfalls, sind nach der Lektüre des S.C.U.M. Manifests wenig rühmlich. Zart besaitet darf man als Anarchofeministin nicht sein, da Frau Solanas gelinde gesagt recht radikale Ideen hatte. Einige hat sie sich aber auch nur abgeguckt: die Nummer mit der Vergasung z.B. hat sie von Heinrich Himmler geklaut…aber lesen Sie selbst: (Continued)
Monday, April 7, 2008
Der Kapitalismus ist ungeduldig geworden…egal, wie sehr er sich anstrengte, sich anschickte sauberer, freundlicher, sanfter und cooler zu werden: die kritischen Theoretiker, die Esoteriker, die Kommunisten, die Konservativen, die Nationalsozialisten, die Grünen, eigentlich alle, alle finden das Haar in der Suppe. Vor allem die vulgärmarxistische und die ökologische Linke sieht hinter seiner sich ständig verändernden Fassade stets das alte, rauchende, stinkende Monster, die übervölkerte Hütten in Manchester, den Bulldozer der nicht nur alles der Erde gleichmacht, sondern sie auch zerstört, stets nur das evil empire.
Das lässt er sich nicht mehr gefallen und rächt sich mit seinen eigenen Waffen: Im Fernsehen. Getarnt als Werbung für -was sonst?- zwei neue Autos.
Tuesday, March 11, 2008
It is not clear, though, why we should take Khartoum at its word. And the notion that the threat of ICC indictments has somehow exacerbated the problem doesn’t make sense, given the history of the conflict. Khartoum’s claims aside, would we in America ever accept the logic that we shouldn’t prosecute murderers because the threat of prosecution might provoke them to continue killing?
My visit left me even more deeply convinced that we not only have a moral obligation to help displaced Iraqi families, but also a serious, long-term, national security interest in ending this crisis. [...] Today’s humanitarian crisis in Iraq — and the potential consequences for our national security — are great. [...] What we cannot afford, in my view, is to squander the progress that has been made. [...]As for the question of whether the surge is working, I can only state what I witnessed: U.N. staff and those of non-governmental organizations seem to feel they have the right set of circumstances to attempt to scale up their programs. And when I asked the troops if they wanted to go home as soon as possible, they said that they miss home but feel invested in Iraq. They have lost many friends and want to be a part of the humanitarian progress they now feel is possible.
Wer ist die schöne Unbekannte? Die Antwort findet sich hier…
Saturday, February 9, 2008
Mir war so als hätte Kollege Edwards Beitrag auch inhaltliche Kritik enthalten…, murmelte ich in die Kommentarleiste, als, in Reaktion auf Edward’s Bernau-Beitrag, wieder nur Ausflüchte und pubertäres Trotzverhalten folgten. Aber weit gefehlt…die Kritik an der liaison dangereuse von Antifa und Staat in Bernau hat nicht jeden kalt gelassen und es gab einige, die sich hiermit vornahmen ein Zeichen zu setzen. Die Antifa selber war es selbstverständlich nicht auch wenn ich Verständnis dafür habe, dass die Schulferien recht kurz waren dieses Jahr und natürlich erst die hungrigen Mäuler der Journalisten von Spiegel bis New York Times gestopft werden müssen. Nein, man mag von ihnen halten was man will aber in Bernau sind es die Anarchisten, auf die Verlass ist, wenn der Adressat eben nicht Staat sein soll und unsere Kritik auf offene Ohren stößt. Die im folgenden dokumentierte Aktion gegen eine sogenannte Arbeitsagentur war also aus anarchistischer Sicht unerlässlich:

In diesem Sinne: Bernau bleibt rot!
Wednesday, January 30, 2008

Entschuldigen Sie die folgende, etwas strapazierte Redensart aber wie “auf den Hund gekommen” muss man sein, um nicht nur sich selbst [im Bild nicht sichtbar], sondern auch noch seinem Tier DAS Symbol des palästinensischen Terrors umzuhängen. In guter Gesellschaft mit 50% der 14-jährigen in Berlin und Neonazis. Das hältste im Kopf nicht aus…
Friday, January 18, 2008
Mein geschätzter Kollege Nichtidentisches schreibt sehr treffend über die jährlich präsentierte geistige Armut der deutschen Antifa, wenn sich der Jahrestag der alliierten Bombardierung Dresdens in Sichtweite befindet. Weil er zu formulieren vermag, was mir schon seit geraumer Zeit unter den Nägeln brannte, dokumentiere ich seinen Beitrag in voller Länge:
Als jugendlicher Antifa-Aktivismus endgültig in werden wollte, antichambrierte man auf Antifa-HipHop-Jams oder wahlweise Egotronic-Raves, legte sich entsprechende Insignien zu und marschierte im antideutschen Trachtenverein von einer Manifestation völkischen Denkens zur Nächsten, um dort vor Aktionismus zu strotzen. Bereits damals erfüllte mich am jugendbewegten Parolengebrüll blankes Unbehagen, solange der 2. Weltkrieg als ein Hauptspaß vermeiert wurde, den man nur auf der richtigen Seite hätte erleben wollen. “Stalingrad, Stalingrad, Deutsche in ein Massengrab” heiserten in schwarz getauchte Gespenster drauflos, die weiß-blaue Flagge schwenkend.
In Dresden trifft man sich alle Jahre wieder gerne mal zum Manöver und trägt Wimpel und Banner zur Schau. Eines verlautet, inhaltlich wie 100 andere, “Alles Gute kommt von oben.” Ein Aufruf tönt pädagogisch wertvoll: “Selber Schuld”. So dominiert noch das Bedürfnis, dem ganzen Grauen Witz und verklemmte Lacher abzunötigen. Dieses Glorifizieren einer Kriegshandlung im hämischen Jubeln ist kein Gegenmittel zum ekelhaften Opferdünkel der deutschen Nazis, sondern nur dessen Blaupause, wenngleich der Schritt zum Surrogat hoffentlich ein unbewältigbarer ist. Im kollektiven Juppieh-Bomber-Harris-Geschrei ist keine Spur an Reflexion über die Ereignisse zu finden, sondern allein jugendliche Gewaltphantasien. Mental wird Krieg zu dem Abenteuerspielplatz, als den man die Konfrontation mit den Nazis sich wünscht. Die Unterstellung jubelt mit, den Airforce-Piloten sei ein Bewusstsein des Todes, den sie auszustreuen gezwungen waren abgegangen, sie seien nicht eine für sie äußerst gefahrvolle, verlustreiche Wahl des schlechtesten, aber einzig verbleibenden Mittels eingegangen, sondern hätten sich bereits mit dem Geschehen identifiziert wie ihre Gegner.
(Continued)
Tuesday, January 8, 2008
Nein, es folgt keine dieser pseudo-englisch betitelten Selbstreflextionen, sondern ein Paar interessante Schnipsel im Zusammenhang mit einer Veranstaltung, die Ende Januar in London stattfinden wird: “Anti-Zionism and Antisemitism. Cosmopolitan Reflections”. Auf dieser sollen die Thesen aus David Hirshs gleichnamigen Papier mit vier weiteren britischen Akademikern diskutiert werden. Vorab hat Hirsh, der Soziologiedozent am Goldsmiths College der University of London ist, das Papier schon mal alleine besprochen, was man sich [hier] anhören kann. Ich habe es noch nicht gehört und lasse es mal unkommentiert aber der Titel lässt interesannte Gedanken vermuten. Vielleicht will ja jemand…
Tuesday, January 8, 2008
Schon vor einer ganzen Weile hörte man etwas von einer neuartigen Suchmaschine rumoren, die den Goliath der Internetsuche Google herausfordern wollte: Seit gestern ist dieser Suchmaschinendavid namens Wikia Search online. Das Grundprinzip der Suchmaschine soll Qualität statt Quantität sein. Diese soll mit Hilfe der Mitglieder eines angegliederten sozialen Netzwerks bestimmt werden. Bei der Technik des Netzbehemoths Google ist das anders: die Hauptzutat im Google-Rezept ist Page Ranking, d.h. die Suchergebnisse werden nach “Relevanz” sortiert, welche über die Zahl der Verweise usw. errechnet wird. Die Geheimzutat jedoch, ist wie beim Getränkeriesen Coca Cola streng geheim und die ist es ja, die so mächtig ist, dass “im Internet suchen” mit “googlen” synonym ist.
Mit dem gerade modernen Ansatz, dass eine Gemeinschaft von Benutzern in öffentlicher, offener und transparenter Art und Weise Informationen anhäufen, will Wikia eine Alternative zu diesem System schaffen. Noch ist das Alpha in der Adresse bei Wikia Search sehr ernstzunehmen und man sollte die finale Version abwarten um zu schauen, ob a) das Konzept überhaupt zündet und b) ob mit zunehender Mitgliederzahl, auch die Kompetenz zur Bestimmung der Qualität steigt oder nicht. Momentan sind die wichtigsten Funktionen der Suchmaschine noch gar nicht online und die Macher ernten in der Presse viel Hohn und Spott. Diese verteidigen sich und wollen das Projekt Wikia Search als Prozess betrachtet sehen und betonen, dass nichts daran fertig sei und seien könnte.
Andere behaupten es würde gar nicht funktionieren können. Aber immerhin, vor etwas mehr als 100 Jahren dachten die Menschen man würde vom Eisenbahnfahren wahnsinnig werden, weil das Gehirn die vorbeischnellenden Landschaften nicht verarbeiten könnte. Und auch darüber haben schlaue Leute medizinische Abschlussarbeiten geschrieben. Die Polemik mal beiseite aber das Projekt klingt durchaus denkbar und zwar nicht erst zusammen mit dem Weltfrieden oder außerirdischem Besuch - toitoi, wenn nicht die Klimakatastrophe bis dahin alles irdische Leben vernichtet hat. Abwarten… interessant wird es nur zu sehen, ob das Projekt eine Qualitätssteigerung in der Internetsuche schaffen kann. Bis dahin braucht es aber dringend noch einen weniger sperrigen Namen. Der derzeitige ist in keiner mir bekannten Sprache eine Alternative zu dem griffigen “googlen”…