Eine eindringliche Sprecherstimme erklärt beinahe 60 Jahre alte schwarz-weiß Aufnahmen: “Völkermord sollte in Shangri-Lah Einzug halten. Ein Holocaust der den Frieden und die Stille einer Welt zerstörten, die kaum den Lärm einer Maschine kannte und schon gar nicht den eines Maschinengewehrs. Ein Land das ungestört in einem zeitlosen Winkel der Geschichte in sich geruht hatte, wurde durch die Gegenwart aufgeschreckt und erwachte in einem furchtbaren Alptraum. 1949 überfällt das riesige China, das vergleichsweise kleine Tibet. Eine mit modernen Waffen ausgestattete Armee fällt kampferprobt über den wehrlosen Nachbarn her. Gebietsansprüche aus längst vergangenen Zeiten werden ins Feld geführt und die Chinesen erobern in kürzester Zeit, das was sie das Schatzhaus des Westens nennen.”
Frieden. Stille. Wehrloser Nachbar. Kampferprobte moderne Armee? Holocaust! So einfach lässt sich die Propaganda zusammenfassen, die auf einer Weltbild-DVD namens “Mystica, die DVD. Die großen Rätsel der Menschheit.” zum Thema Tibet verbreitet wird. Propaganda im Namen eines brutalen feudalen Systems, dass es bis ins 20. Jahrhundert hinein schaffte Zustände wie im Mittelalter in seinem Einflußgebiet aufrecht zu erhalten. Propaganda, die gerade auch wieder ständig im Fernsehen heruntergebetet wird, weil der esoterische Klimbim der tibetischen Buddhisten das Unbehagen vieler Deutscher mit der Moderne versöhnt und gleichzeitig ihre altbackenen antikommunistische Reflexe bedient. Und dann noch dieser süße und schnukkelige Drops namens Dalai Lama. Ja, genau, “dieser Papst für Leute, die zu feige sind, wenigstens an was Richtiges zu glauben, wenn sie schon glauben, glauben zu müssen.” wie es Wiglaf Droste einmal so schön formulierte…
“Über Jahrhunderte hatten tibetische Mönche chinesische Aggressionen mit den spirituellen Kräften des Friedens abgewehrt. Die revolutionäre Inbrunst der neuen kommunistischen Ordnung erklärte alle Religionen zum Gift. Tibet wurde als rückständige und abergläubige Gesellschaft gesehen, die dringend umerzogen werden musste.”
Das in Tibet, seitdem die Gelugpa-Mönchsekte vor beinahe 500 Jahren die Macht übernommen haben, die Menschen in einem feudalen System erniedrigt durch Lamas lebten, die großen Klöster den Hauptanteil des Landes besaßen und das Bildungssystem sowie die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten monopolisiert waren, darf hier natürlich nicht erwähnt werden, weil dann die chinesische Besatzung nicht mehr uneingeschränkt als Unrecht angeprangert werden kann. Das neue Opium fürs deutsche Volk würde auch nicht jenen unwiderstehlichen esoterischen Charme wiederspiegeln, wenn öffentlich bekannt wäre, was der nationalsozialistischen Tibetforscher Ernst Schäfer aus der Stadt Phari zu berichten hatte:
“So erstickt Phari förmlich im eigenen Auswurf, und nur die Härte des Klimas scheint seine Bewohner notdürftig gegen Pocken, Pest und Cholera zu schützen. In Unrat geschlagene Treppen führen zu den Eingangstüren der stallähnlichen Behausungen hinab, wo sich Menschen und Tiere in trauriger Gemeinschaft gegen die Unbilden der Witterung zu schützen suchen. Ich habe lange genug in Asien gelebt, um gegen Schmutz recht unempfindlich geworden zu sein. In Phari aber kostet es mich doch einige Überwindung, in eine der lichtlosen, entsetzlich riechenden Behausungen hinabzukriechen, die gleichzeitig als Wohnraum, Schlafraum, Küche und Stall dient. Fenster existieren nicht, der Boden besteht aus festgetretenen Kuhfladen, und die Wände glitzern von Ruß und Reif.” (Ein ungeheures Lächeln, Marcus Hammerschmitt, 2001)
Währenddessen schwamm die Mönchselite in Geld- und Sachwerten und brauchte auf keinen Luxus zu verzichten. Schäfer war 1938 auf Befehl des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler, in Tibet. Er führte eine Expedition an, die von dem persönlicher Tutor des Dalai Lamas, Jamphel Yeshe Gyaltsen, offiziell im Potala empfangen wurde und über die bisher nur sehr wenig in Erfahrung zu bringen ist. Weder Schäfer, der mehrfach mit dem Regenten sowie hochrangigen Regierungsmitgliedern zusammengetroffen war, noch Jamphel Yeshe Gyaltsen haben in ihren Aufzeichnungen oder in mündlich Überlieferungen über diese Zusammentreffen gesprochen. Stattdessen sprechen andere sehr ausführlich, wie zum Beispiel der Pseudopolitologe Jamyang Norbu auf der Mystica-DVD:
“Noch heute ist die Vorstellung über den tibetischen Holocaust sehr ungenau. Eine ähnliche Situation wie bei den Nazis. Die Informationen über das was mit den Juden in den Todeslagern geschah, haben wir erst nach dem zweiten Weltkrieg erhalten als die Archive des Dritten Reiches geöffnet wurden, als alliierte Soldaten die Lager befreiten und die Gräber öffneten. Doch nichts dergleichen ist bisher in Tibet gemacht worden.”
Diese Opferolle vorwärts kommt im Land der Opfer natürlich prima an. Sie entspricht nur überhaupt nicht der Realität. In den Verlautbarungen der Freunde Tibets wird immer wieder behauptet, die chinesische Besatzung habe 1,2 Millionen Menschen das Leben gekostet. Nur komisch daran ist, dass erst nachdem die Chinesen zwanzig Jahren lang in Tibet stationiert waren, es überhaupt die erste Volkszählung gegeben hatte. Das Schwarzbuch Tibet: The Facts der Tibetan Young Buddhist Association in Dharamsala gibt sogar zu, es sei durch die “Abwesenheit verläßlicher Bevölkerungsstatistiken die Frage nach der Höhe der gegenwärtigen tibetischen Bevölkerung sowie die Zahl der Getöteten der Jahre 1949 – 1979 verworren es dürfte sehr wahrscheinlich sein, daß es vor 1949 etwa 4 bis 6 Millionen Tibeter gab.” Beim Angriff auf Lhasa im Jahre 1959, behauptet der Dalai Lama, dass siebenundachtzigtausend Menschen während der Gefechte ums Leben kamen. Er suggeriert der Öffentlichkeit dies alles wären tibetische Opfer. Doch laut Report des US Joint Publications Research Service in Washington waren indes drei von vier der insgesamt 65000 Toten Chinesen. Und was die Verharmlosung des Holocaust betrifft, so ist dieser Sport ja nun einmal in Deutschland besonders beliebt. Marcus Hammerschmitt schreibt dazu:
“Es ist kein Zufall, daß die Zahl von 1,2 Millionen durch die Chinesen ermordeten Tibetern in Deutschland so unkritisch nachgebetet wird. Berichte über millionenfachen Völkermord, zumal solche, die in irgendeiner Weise „kommunistischen“ Tätern angelastet werden können, finden vor allem in Deutschland begeisterte Aufnahme, weil sie geeignet sind, das über alle Maßen ungeheuerliche des Völkermords an den Juden historisch zu nivellieren. „Die“ waren oder sind also „auch nicht besser“. Die unbewältigte deutsche Schuld sucht verzweifelt nach der Schuld der anderen, und jenseits der ersten Million beginnt immer das große Aufatmen: Wir sind nicht allein so schrecklich gewesen. Dieser tief verankerte sozialpsychologische Reflex sieht sich durch jeden Zweifel an den Millionenzahlen der fremden Völkermorde bis zur Weißglut herausgefordert. Je sachhaltiger diese Zweifel sind, desto wilder müssen ihnen propagandistische Absichten unterstellt werden, desto schamloser wird an den erstunkenen und erlogenen Statistiken der Selbstentlastung festgehalten. So ist es möglich, daß ein Infragestellen der höchst unzuverlässigen und durch keine seriöse historische Forschung belegten Opferzahlen in Tibet mit einer Leugnung des überaus akribisch erforschten, von einer exzellenten Quellenlage begleiteten und durch Geständnisse der teilweise noch lebenden Täter abgesicherten Völkermords an den europäischen Juden gleichgesetzt wird. Als ich auf dem Usenet auch nur zu fragen wagte, wie die Zahl von 1,2 Millionen Opfern chinesischen Terrors in Tibet zustandekommt, wurde mir sofort unterstellt, ich sei eine Art Holocaust-Leugner. Antworten auf die Frage erhielt ich indes keine. Aber auch was die behauptete systematische Folter an Tibetern angeht (oder gar die Existenz von „Folter-KZs“), sind die Belege äußerst dünn.”
Und trotzdem wird das Märchen eines Holocaust in Tibet von Generation zu Generation weitergestrickt. Auch unter der fleißigen Mitwirkung liberaler Menschenfreunde, die gerne einmal an Nazideutschland denken, wenn es eigentlich nur darum geht über einen Olympiaboykott zu diskutieren. Obwohl einige unter Ihnen es selbst wissen, dass es wirklich kein “passender Vergleich” ist, kommt statt dem zielsicheren Vergleich mit den Boykottspielen in Moskau, immer wieder das Gespräch auf die “Olympiade ‘36“. Dies ist ein deutsches Trauma, welches Neues und Bekanntes, Otto Graf Lambsdorff und ein Herr Karl Schulz in Dormagen miteinander verbindet.
Doch vielleicht macht die Jungs aus Deutschland noch etwas anderes an, vielleicht stehen sie auch darauf, dass die Frauen im Buddhismus einzig und allein nur als Objekte vorkommen. Frauen gelten als nicht erleuchtungsfähig, sie sind Dienerinnen und haben zu gehorchen. “Es ist kein Zufall, daß es in der Macht-Hierarchie des tibetischen Buddhismus nicht eine einzige Frau gibt. Für einen tibetischen Buddhisten wäre beispielsweise die Vorstellung eines weiblichen Dalai Lamas grotesk, und nicht nur deswegen, weil Chenrezig sich niemals in einer Frau reinkarnieren würde, die per se als niedere Daseinsform des Menschen angesehen wird. Die negative Haltung des tibetischen Buddhismus zu Frauen erweist sich besonders in den inneren „Mysterien“ des tantrischen/tibetischen Buddhismus, die allein auf die spirituelle Vervollkommnung des Mannes abzielen, und Frauen dafür nur als Mittel zum Zweck begreifen. Es wird nicht gerne darüber gesprochen, und der Dalai Lama empfiehlt, die Abgründe seiner Religion den Unbefangenen und Uneingeweihten nicht allzu deutlich vor Augen zu führen, aber das spirituelle Endziel des tibetischen Buddhismus – und das unterscheidet ihn von anderen Formen des Buddhismus – bedarf unabdingbar des realen sexuellen Mißbrauchs von Mädchen und jungen Frauen.” schreibt Marcus Hammerschmitt.
Wie das mit der sexualmagisch fundierten Allmacht konkret aussieht, hat ein Lama namens Gedün Chöpel Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts in einem eigens verfassten Buch eindeutig ausgedrückt:
“Die als Sexgefährtinnen in Frage kommenden Frauen müssen bestimmte Kriterien erfüllen: Laut tantrischer Lehre solle die Songyum mit „Anmut und Jugend“ ausgestattet sein und aus gutem Hause stammen. Ihre Haut dürfe nicht zu dunkel und nicht zu hell sein und ihrer Vagina müsse ohne Unterlaß ein Duft wie von verschiedenen Lotusarten oder süßem Lilienholz entströmen. In einem Tantratext werden fünf Arten von Sexgefährtinnen - gerne auch Weisheitsgefährtinnen genannt - unterschieden: Die Achtjährige, die Zwölfjährige, die Sechzehnjährige, daneben die Zwanzig- und die Fünfundzwanzigjährige; jede Altersstufe diene ganz bestimmten Zwecken. Lama Chöpel rät davon ab, „mit Gewalt in ein junges Mädchen einzudringen“, das sich zu sehr wehre; es könne dies die Geschlechtsteile verletzen (was sie womöglich für weitere Praktiken unbrauchbar mache). Ratsam sei es in solchem Falle, sich lediglich zwischen ihren Schenkeln zu reiben. Allemal empfehle es sich, Kinder vor dem Geschlechtsverkehr mit etwas Honig oder Süßigkeiten zu beschenken; ältere Mädchen, so ein Ratschlag an anderer Stelle, ließen sich sehr probat auch mit Wein gefügig machen. Im übrigen sei es durchaus rechtens, ein Mädchen, das die sexuelle Vereinigung verweigere, dazu zu zwingen. Mit Frauen fortgerückten Alters, so die Lehrer des Tantra, solle tunlichst nicht praktiziert werden: ab dreißig gelten Frauen als Manifestationen bösartiger Geister; ab Ende dreißig werden sie nur noch als Hundeschnauze, Saugfresse, Schakalfratze, Tigerdrachen, Eulengesicht und dergleichen bezeichnet.”
Wer den Islam als antimoderne Erweckungsbewegung bekämpft, weil er darin eine Bedrohung seines und vieler anderer Leben erkennt, der sollte vor dem tibetischen Buddhismus nicht seine Augen verschliessen. Bisher ist zwar noch kein buddhistisches Selbstmordteam mittels eines Passagierflugzeuges in einen Wolkenkratzer von Shanghai geflogen, aber wie der SPIEGEL ONLINE schreibt wächst die Wut der jungen Tibeter und Gewalt sei kein Tabu mehr. War es ja auch nie. Bis 1958 hatte eine tibetische Untergrundarmee mit Unterstützung der CIA einen brutalen Guerillakrieg geführt. Journalistische Flakhelfer halluzinieren in Tibet ja auch schon mal ein zweites Gaza, logisch, dass in typisch deutscher Manier die Terroristen dabei mal wieder als unschuldige Befreiungskämpfer und die Verteidiger minimaler Freiheiten als die brutalen Terroristen durchgehen werden.
Die Zeit steht einfach still: Krieg ist Frieden. Antiislamisten sind Buddhisten. 2008 ist 1984.
Leseempfehlungen:
Dalai Lama. Fall eines Gottkönigs, Colin Goldner, 1999, Aschaffenburg
Ein ungeheures Lächeln, Marcus Hammerschmitt, 2001, URL
Der freundliche Skinhead, Lizas Welt, 2007, URL
Instant Karma gegen das Reich der Mitte, Jens Berger, 2008, URL
Tibet und der »Pluralismus« der Medien, Peter Richter, 2008, URL