Die Auschwitzkeule wechselt die Seiten…

Wenn du die Meinungs- und Redefreiheit verteidigst, antworte ich mit Auschwitz, so ungefähr kann man ein Streitgespräch zwischen Matthias Matussek und Michel Friedman zusammenfassen, welches derzeit bei Spiegel Online auf der Startseite einen prominenten Platz gefunden hat. Am Anfang dreht sich das Gespräch noch um das Hickhack, was die Absetzung von “Idomeneo” durch die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, ausgelöst hat, doch recht schnell wird das Gespräch allgemein. Der deutsche Moralist Matussek würgt dabei recht früh eines von Friedmans Argumenten mit einem neuen rhetorischen Kniff ab, der in Deutschland wohl bald die Runde machen wird:

Frage: Im Ernst: Lassen wir uns nicht durch Fundamentalisten unsere freiheitlichen Werte kaputtmachen?

Matussek:
Das sagt ja Friedman: Wir dürfen nicht zurückweichen. Ich will Ihnen jetzt was sehr Ernstes sagen: Religion ist das Innigste, was der Mensch hat. Mit ihr entscheidet der Mensch sein Verhältnis zur Welt, zum Leben. Religion ist ein sehr, sehr sensibler Raum – der zu schützen ist. Jeder sollte es sich zweimal überlegen, ob er das Sensitivste des Menschen beleidigt.

Friedman: Schön, aber: nur eines gläubigen Menschen. Denn, wie Sie das sagen, könnte man meinen, wir lebten noch im Mittelalter, wo alle bedingungs- und gedankenlos lebten. Das ist aber nicht mehr so. Es gibt für gläubige Menschen tatsächlich einen Respektraum. Der darf aber nicht dazu führen, dass Menschen, die nicht glauben, nicht mehr kritisch mit Religion umgehen können.

Frage: Noch mal zurück zum spezifischen Fall: Ist es, Herr Friedman, nicht das geringere Übel, eine Karikatur nicht abzudrucken – auch wenn ich dabei vielleicht unsere freiheitlichen Werte untergrabe –, wenn auf der anderen Seite das Risiko steht, dass Menschen ihr Leben verlieren?

Friedman: Man muss es sehr genau und verantwortungsbewusst abwägen. Aber: Das sind ja nun Präzedenzfälle, die nicht nur religiös bedingt sind. Wenn jemand etwas ausdrücken will, es aber nicht kann oder darf, weil es eine Gewaltreaktion der Gruppe gibt, die es betrifft, dann können wir aufhören, zu reden, was wir denken. Zwar muss es für bestimmte Bereiche auch Konsequenzen geben dürfen, aber grundsätzlich gilt: Wenn jemand etwas sagen will, muss er es sagen dürfen.

Matussek: Wie ist das, wenn ich sagen würde: Auschwitz hat es nicht gegeben.

Friedman: Dann müssen Sie das sagen dürfen, wissen aber um die gesetzlichen Konsequenzen, die das für Sie haben wird.

Matussek: Sie würden also das Strafgesetzbuch bemühen, um mir die Klappe zu verbieten …

Friedman: … nein, nein …

Matussek: (wird laut) Aber sicher! Ich würde dafür in den Knast gehen. Also: Redefreiheit hat ihre Grenzen. Ich finde, es gibt Dinge, die darf man nicht sagen.

Friedman: Und ich finde, bevor jemand etwas im kleinen Kreis verbreitet, soll er es lieber in der Öffentlichkeit sagen. Die Gesellschaft muss es hören können!

Nochmal langsam, ein christlicher Fundamentalist verteidigt den Wahn islamistischer Terroristen gegenüber einem jüdischen Journalisten mit dem Verweis darauf, dass man in Deutschland für die Leugnung des industriellen Massenmordes an den Juden vor Gericht gestellt wird, dies ist ein Präzidenzfall. Und zwar einer, der deutlich macht, dass die intellektuellen Deutschen ihre (Nazi-)Geschichte nun gegen jene richten, die als Nachfahren der Opfer sich dem neuen deutschen (Appeasement-)Wahn widersetzen, nur um vermeintlich die eigene Haut zu retten. Aber dass soll ja noch nicht alles sein:

Matussek: Sie sagen, Meinungsfreiheit sei grenzenlos.

Friedman: Nein, das habe ich nicht gesagt. Meinungsfreiheit ist ein Wert an sich, der in Konflikt mit anderen Werten steht. Jeder muss für sich selbst entscheiden können, welchen Wert er persönlich höher stellt – soweit er auch zur gesellschaftlichen Konfrontation bereit ist. Übrigens: Vor hundert oder 200 Jahren hätten Dinge, für die Sie heute auf die Barrikaden gehen würden, nie gesagt werden dürfen. So verändert sich das Tabu in der Gesellschaft. Wer also enttabuisiert, setzt Gedankenprozesse in Gang. Auch wenn diese weh tun, das muss möglich sein.

Matussek: Ach, das ist mir alles zu kompliziert …

Friedman: … tja, das habe ich vom SPIEGEL gelernt, kompliziert zu argumentieren! (lacht)

Matussek: … auf der einen Seite sagen Sie: Alles muss gemacht werden dürfen, auf der anderen reden Sie von gesetzlichen Konsequenzen. Das ist der Widerspruch, den Sie nie auflösen werden können. Ich darf nämlich zum Beispiel nicht sagen: Man soll die Juden ermorden.

Friedman: Doch! Sie dürfen es sagen. Sie müssen nur die Konsequenzen daraus ziehen.

Matussek:
Moment, also – erstens werde ich es nicht sagen, und zweitens: Wenn die Sanktion des Strafgesetzbuchs existiert, wenn ich dafür bestraft werden kann, ist doch meine Freiheit nichts wert.

Mit dem Verweis darauf, dass er nicht ungestraft Auschwitz leugnen und zum Massenmord an Juden aufrufen kann, verteidigt Matussek die Einschränkung der Redefreiheit im Falle der Oper “Idomeneo”. Er würde die Oper absetzen, da er sich gar nicht ausmalen möchte, was dann in der Westbank passiert. Komischerweise sind die religiösen Eliten bzw. Stätten der Islamos eigentlich nicht in der Westbank angesiedelt. Dort lebt nur jener Teil der religiös-politischen Fanatiker, vor denen Matussek zumindest Angst, womöglich aber auch Respekt hat, da sie ja den Massenmord an den Juden zumindest versuchen in die Tat umzusetzen…

Das Friedman sich in dem Interview eher lasch aus der Affäre zieht, ist auch ein Teil des Problems. Man braucht nicht wirklich tief in die Trickkiste zu greifen um auch dem cholerischen Kulturdeppen Matussek verständlich zu machen, dass aufgrund der Einmaligkeit der Shoa es sich nicht anbietet die Leugnung dieser ungläubligen Bluttat als Akt der Redefreiheit zu verbrämen. Doch dazu war weder Friedman, noch Raphael Geiger, der das Interview führte, in der Lage, und genau deshalb wird die Auschwitzkeule in Zukunft wohl verstärkt aus einer ganz anderen Richtung kommen…

The Vice Guide to…Antiimperialism?

Hip, Hipper, Hipster! Das VICE Magazine ist international die Bibel für den urbanen Bohème mit hedonistischem Hang zu Drogen, öffentlichem Sex, bunten Formen und Farben und stylischer Inhaltslosigkeit. Pro Seite ein visueller Overkill, ein Paar Pimmel von Terry Richardson, ein großer Haufen intersexueller Anzüglichkeit und wenn überhaupt ein 10-zeiliger Gonzo-Artikel. Was solls…der Hipster ist zufrieden und immer informiert über Sonderangebote bei American Apparel. Dachte man zumindest nach Büchern, wie dem Vice Guide To Eating Pussy oder demselben Guide to Sex, Drugs and Rock’n'Roll, die zwar auf dem Küchentisch bei Muttern Stirnrunzeln auslösen würden aber sonst nicht zu schockierend sind und gerne mal kurz vor Witzig bei Lächerlich links abbiegen. Politisch ist das Magazin nicht…bei soviel Selbstbewusstsein und DIY-Ethos schimmert natürlich hier und da ein bisschen Keller-Romantik durch aber mehr nicht.
Wenn’s aber soweit ist, gibt es keine Überraschungen: deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen.

Bewährung für Adolfs Rapper…

Reim dich, oder ich schlag dich, so ungefähr kann man das Prinzip deutschsprachigen Raps zusammen zufassen. Da es den Interpreten meistens um die eigene Triebabfuhr geht, und deshalb auch häufig gesellschaftliche Tabus zur Zielscheibe des hochnotpeinlichen Pennälerhumors mutieren, ist es immer nur eine Frage der Recherche ob, und vor allem wann man auf die wahren Perlen des Genres stößt. Dem österreichischen Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ist eine solche Perle vor einiger Zeit ins Netz gegangen. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung eines jungen Bauarbeiters aus Mühlviertel wurden mehrere hundert Raptexte, zum Teil schon vertont, die alle extrem nationalsozialistische Bezüge aufwiesen, aufgefunden.

Die Staatsanwaltschaft veröffentliche nur drei Auszüge aus dem volkstümlichen Liedgut des Bauarbeiters: „Ich schicke Busse voll mit Homos nach Mauthausen!“, „Einmal auf der Streckbank und du wirst nie wieder ein Homo sein!“, oder „Ich bin Hardcore wie Adolf Hitler. 1945 machte ich den Führerschein!“. Der zuständige Staatsanwalt, Rainer Schopper, erkannte zwar, dass der jugendliche Bauarbeiter „die Tötungsmaschine des Dritten Reiches verherrlicht“ und „sein Gewaltpotenzial verbal umgesetzt“ hat, beließ es aber bisher bei einer Geldstrafe von 2000 Euro und einer neun monatigen Bewährungsstrafe(1).

Wie es dazu kommen könnte ist noch etwas unklar. Womöglich aber war die Einstufung einer völlig unfähigen Psychiaterin, die den Angeklagten als zurechnungsfähig, aber im höchsten Maße „narzisstisch“ einstufte, die Grundlage für diese Justizfarce. In ihrer Auswertung heißt es lapidar: „Provokation war sein erklärtes Ziel“. Das eigentlich jeder Mensch eine narzisstische Kränkung sein eigen nennen darf, scheint der Dame mit dem Doktortitel niemand während ihres Bummelstudiums beigebracht zu haben. Ebenfalls scheint sie nicht zu wissen, dass heutzutage der Begriff Narzissmus innerhalb der psychoanalytischen Theorie völlig unterschiedlich genutzt. Erich Fromm, zum Beispiel, bezeichnet Narzissmus als Gegenpol zur Liebe und unterscheidet neben dem Narzissmus des Einzelnen auch den Gruppennarzissmus (Patriotismus bzw. Fanatismus). Man könnte also man mit Recht behaupten, dass die anstehende Fußball-Europameisterschaft, den Narzissmus in Form von fanatischem Patriotismus und Nationalismus auf die Spitze treibt und weit über die Hälfte der deutschsprachigen Menschen erfassen wird? Sie die dann alle nicht mehr zurechnungsfähig? Ja, klar, aber ebenso auch vor dem Gesetz? Ich glaube wohl kaum…

Schlußendlich ist es doch wohl so, dass der Otto-Normal-Narzisst der einfach nur provozieren will, nicht zu Hause im stillen Kämmerlein hunderte nationalsozialistische Rapsongs produziert, sondern die TV-Karriere anpeilt um dann als Pocher-, Bohlen- oder Kader Loth-Verschnitt zu enden. Da die meisten dies nicht erreichen, sitzen sie ab Freitag gemeinschaftlich vereint im Public Viewing Bereich oder werden - mit viel Glück - nach Sidos Absprung von Aggro Berlin gesignt.

Anmerkungen:

(1) Bei einer Bewährungsstrafe geht man von der Erwartung aus, dass schon die Verurteilung zur Warnung dient und der Übeltäter künftig keine Straftaten mehr begehen wird. Fraglich ob bei einem nationalsozialistischer Working Class Rapper solch ein Warnschuß überhaupt ankommt…

Lasst uns in Ruhe?

PlakatWenn “Hausbesetzer_Innen, Künstler_Innen und andere Freaks” sich über sogenannte Yuppies in “ihren” Bezirken aufregen, wird’s immer recht pikant. Die eigentlich so welt- und menschenoffenen Linken fordern mit antikapitalistischen Duktus nichts anderes als ihre ganz eigenen befreiten Zonen - die Nazis wollten nicht von dem Anblick eines türkischen Dönerverkäufers behelligt werden, die Anti-Yuppie-Linke will überhaupt nicht behelligt werden. Am Liebsten lebt sie abgeschottet vom Rest der Welt in kollektiv-besetzten Halbruinen zusammen mit ihren Hunden in ranzigen Jugendclubs (oder in ranzigen Jugendclubsurrogats) mit Billigkaffe und Vokü. Es gibt wohl Leute, die zwar jeden der eine muslimische Zwangsehe nicht als Menschenrecht ansieht als Rassisten beschimpfen, selber aber nie aus der Trickfilmwelt ihres Kiezdorfes herauskommen und höchstens zu irgendeinem Krawallaufmarsch mal die hiesige Stadt verlassen. Bei manchen definiert sich die eigene Weltoffenheit scheinbar dadurch sich einmal im Jahr beim Karneval der Kulturen zu besaufen oder Capoeira zu lernen, die antikapitalistisch-korrekte Alternative zu bösem Yuppiesport in hygienischen (pfuiii!) Kommerzmuckibuden.

Eine teilweise berechtigte Kritik an diversen Stadtplanungsprojekten, die keinen Hehl daraus machen, dass bestimmte Menschengruppen nicht mehr im Zentrum einer Weltstadt erwünscht sind und abgeschoben werden sollen, kriegen sie aber nicht auf die Reihe. Sie sind praktisch nur mit ihrem eigenen prekären Selbst beschäftigt. Distinktion ist das große Stichwort, die Gruppe ist da jetzt muss sie nur noch abgeschottet werden. Bei dem uralten Anzugträgerfeindbild “Yuppie” bleibt es ja nicht, für die Kiezlinken sind längst auch die ausländischen Touristen eine bedrohliche Zersetzungsgefahr, die scheinbar genau wie die Yuppies “gefickt” gehört.

Kritik ist ihnen ein Fremdwort, stattdessen wird gemault und genörgelt wie am Stammtisch, darüber das jetzt alles den Bach runtergeht und früher alles rosarot und einfach war. Die Aufrufe lesen sich immer gleich: “Lasst uns in unserem linken Mief in Ruhe!” Immer wieder offenbaren sie wie wenig sie die Realität interessiert: randalierende Jugendliche sind da auf einmal nicht mehr akzeptiert und an allem ist wahrscheinlich die New Economy Schuld. Aus solchen theoretischen Eigenwilligkeiten und einer so ausgeprägten Meckpomm-Mentalität kann sich natürlich kein aufklärerischer Aufruf speisen: inhaltlich lahm, strotzt auch noch alles vor infantilen Neologismen. Außerdem: wer seinen Bezirk nicht verlässt und den Amerikanern wahrscheinlich die Pest an den Hals wünscht, sollte vielleicht auf englische Plakate verzichten. In einem lächerlichen Schulenglisch und mit einer undenkbaren deutschen Arroganz wird da nach “leftwing freespaces” gerufen. Selbst 15-jährige DDR-Zöglinge mit Zwangsrussisch, abgeschottet vom Rest der Welt konnten “Rappers Delight” in ein Mikro rappen ohne ein einziges Wort zu verstehen. Die Yuppie-Hater im 20. Semester fordern mit einer selbstverständlichen Inkompetenz “leftwing freespaces” und meinen damit nicht mehr als eine von links befreite Zone Berlin ohne Vielfalt, ohne Touristen und ohne geweißte Fassaden.

Kick it like Ronaldo!

Kaffee trinken, Fluppe schnorren, Zähne putzen, Mageninhalt entleeren und Emails lesen sind Dinge die ich jeden Tag mindestens einmal feierlich als routinierte Rituale des täglichen Lebens zelebriere. Dabei kommt einem so manch köstlicher Leckerbissen ebenso wie die schlimmsten Scheißhaufen unter die Augen, vor allem beim Lesen der Emails. Heute schafften es die Mädels und Jungs vom Bündnis Aktiver Fußball Fans (BAFF) ihren Haufen völlig ungefragt direkt in meine Wohlfühlsphäre zu setzen. In ihrer Mail kritisieren jene “aktiven Fußballfans”, die sich unbedingt in einem eingetragenen Verein organisieren müssen, die von der DFL festgelegten Anstoßzeiten für die kommende Saison in typisch deutscher Manier: “Unter dem Deckmantel der “internationalen Rahmenbedingungen” schafft die Deutsche Fußball Liga (DFL) englische Verhältnisse im deutschen Fußball und widerspricht damit dem, was sie noch vor kurzem den Fans zugesagt hat. Das Bündnis Aktiver Fußball Fans (BAFF) protestiert gegen die fanfeindlichen Anstoßzeiten.Quelle.

So klingt also links angehauchte Globalisierungskritik auf fußballerdeutsch. (Continued)

Argumente?

Jenseits von der christlich-jüdischen Metaphorik und anderen Oberflächlichkeiten, wo ist diese Rede wirklich problematisch? Jenseits von einer waschechten Appeasementkritik, wo war der ach-so-schlimme Seitenhieb an dem demokratischen Kandidaten Barack Obama? Um die Sache plastisch zu machen, verstoß ich auch gerne das zweite Mal in der Geschichte des Bad Blogs gegen unser informelles Youtube-Video-Verbot. Wenn es um George W. Bush geht, sind scheinbar, egal wohin man geht, alle Regeln einer auf Argumenten basierenden Auseinandersetzung aufgehoben.

Alles Nazis, außer Paul…

Achse der GutenSich von einem Gegenstand wirklich einen Begriff zu machen, gelingt vielen Erdenbewohner immer seltener. Ideologischen Prämissen, egal welcher Art, sorgen für eine rosa Brille durch die man den zu verhandelnden Gegenstand betrachtet. So verrät zum Beispiel die Wahl des Wortes “Zionazi”, dass es sich bei dem Benutzer um einen veritablen Antisemiten handelt, da er die Gleichsetzung von Nationalsozialisten und Zionisten in einem Wort für satifaktionsfähig hält. So sehen ich das zumindest. Doch damit stehe ich wohl recht allein da: (Continued)

Oldschool, Baby…

Das der utopische Optimismus vom Zweckpessimismus abgelöst wurde, liegt hauptsächlich daran, dass in der Vergangenheit die Zukunft in den seltensten Fällen positiv ausfiel. Es dauerte nie lange, kaum hatte die Hoffnung ein wenig zum Höhenflug angesetzt, wusste man schon, dass die nächste Bruchlandung bereits zu 100% feststand. Das übliche Problem halt, einerseits begrenzter Lebens-Akku und andererseits die unbegrenzte Dummheit der humanoiden Wasserstoffeinheiten. Das richtige Dahinvegetieren im falschen Einheitsbrei ist nun einmal ein Ding der Unmöglichkeit, für diese Erkenntnis musste man bekanntlich in seiner Jugend nicht lang und breit die einschlägige Literatur wälzen, sondern nur ab und zu den linksdrehend garnierten Parolensalat artig aufessen. So wie damals mit dem multikulturellem Quark im Antira-Kindergarten, Hauptsache man schluckt es…

Aber damals gab es wenigstens noch etwas Hoffnung. Ganz im Gegensatz zu heute. Die vor zehn Jahren panisch herbei geschriebene Spaßgesellschaft aka the Celebration Generation ist in den unendlichen Terror- und Klimaschutzdebatten mit kostenlos eingebauter Weltuntergangsstimmung komplett ab gesoffen. Angst, Paranoia, Panik und Entsetzen ist unsere neue Leitkultur geworden. Das Evil Empire hat ein für alle Mal die letzte Schlacht gewonnen, da können antiimperialistische Neo68er noch so oft in Hinterzimmern erhitzt debattieren. Die letzte Reste der open Society of Love (oSoL) können am Wochenende allerhöchsten noch in der Berliner Tekkno-Szene bestaunt werden. Als tanzende Touristenattraktion sorgen die libertären Überreste der so genannten Spaßgesellschaft dafür, dass sich wenigstens ein paar Menschen aus Spanien, Lateinamerika und anderen Kontinenten noch nach Spreeathen verirren. Aber da die Hoffnung “One World, One Love, One Future” als Masterplan für die Zukunft zu setzen, schon im letzten Jahrhundert grandios gescheitert ist, haben wir es derzeit mit einem gar scheußlichen Megatrend zu tun…

Es geht nur noch abwärts, automatisch generiert und vorprogrammiert wie im Computerstaat, geht es wirklich nur noch abwärts: In einer Welt, in der es noch nicht einmal eines Führerscheins bedarf um auf der Datenautobahn Blödsinn anzustellen, breitet sich nämlich der von Menschenhand gemachte Wahnsinn völlig ungestört in der ganzen Welt aus. Der neueste Trend aus dem weltweiten Kotzkübelkosmos hat etwas mit Neonazis, Israel und Pipi in der Hose zu tun. Während es unsereiner schon vor Jahren befürchtete, dass die ideenlosen Nachzügler von Wehrmachtsopa und BDM-Oma irgendwann einmal bei ihrem postmodernen Wir-benutzen-den-Linken-ihre-Codes-Spiel auch auf den Trichter kommen mit der Israelfahne in der Hand um ein wenig Aufmerksamkeit bzw. Liebe zu betteln, so konnte die Bloggerin nada bei der Entdeckung dieses Maleurs kaum noch ihren bis dato fein säuberlich angesammelten Verdauungsunrat bei sich behalten…

Nach der Lektüre ihres anspruchsvollen Vierzeilers ist man geneigt nicht nur den eigenen Gesichtserker hermetisch abzudichten, sondern auch jenen Teil der Vergangenheit, den man zwar in guter, aber nicht in allerbester Erinnerung hat, nochmals zu durchleuchten, immer begleitet von der Hoffnung, dass man in seiner “Kampfzeit” popkulturell und intellektuell keineswegs selbst das unglaublich tiefe Nada-Niveau ausgelotet hatte. Dummerweise ist die Hoffnung ziemlich unberechtigt, nicht nur popkulturell. I`m Oldschool, Baby… und ich kann es leider nicht rückgängig machen.

In diesem Sinne: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, 1883–1885

Das Opfer, der Burner…

Antisemitismus von linksDass Amerika angeblich die gleichen Verbrechen verübte, die sie ihrer deutschen Elterngeneration vorhielten, gab den jungen Linken das gerade noch so vehement negierte Vaterland zurück. Im projektiven antifaschistischen Widerstand gegen die USA bügelten sie den nationalen Selbstverlust aus, den Deutschland durch die unvergleichliche Katastrophe des Nationalsozialismus erlitten hatte. Im Kampf gegen Nazi-Amerika konnte man jetzt endlich wieder ein guter Deutscher sein. Der Antiamerikanismus der Linken war die einzig zeitgemäße Möglichkeit, den nationalen Widerstandsgeist gegen die fremden Eroberer zu retten.

Was Richard Herzinger und Hannes Stein hier so vortrefflich im Bezug auf die USA auf den Punkt bringen, gilt ebenfalls für den von Linken verhassten Staat Israel, der passender Weise am 8. Mai diesen Jahres seinen 60. Geburtstag feiern konnte. Im projektiven antifaschistischen Widerstand halluzinieren radikale Linke islamistische Terrorrackets zu legitimen nationalen Befreiungsorganisationen und die Reaktion staatlich organisierter Militäreinheiten zum Terrorismus. Ganz im Gegensatz zu ihrem auserkorenen Vordenker, Leo Davidowitsch Bronstein, sind gerade die Trotzkisten in Sachen Antisemitismus absolute internationale Weltklasse. Doch um endlich zum Angriff überzugehen, muss vorerst die Rolle als verfolgte antifaschistische Unschuld reklamiert werden. David Schultz aka Holger Burner, der Chefrapper der trotzkistischen Vereinigung namens SAV, hat diese Aufgabe - wie man in seinem Blog nachlesen kann - freiwillig übernommen: (Continued)

Tempelhof-Entscheid: Pflügers Bruchlandung

Eigentlich sollte es der Anfang vom Ende der rot-roten Koalition in Berlin werden, doch der Volksentscheid über die Weiternutzung des Flughafens Tempelhof ist nach Auszählung von 93,5 Prozent der Stimmen gescheitert. Und somit auch Friedbert Pflügler als nächster CDU-Bürgermeisterkandidat. Wer gemeinsam mit der FDP, der Unterstützung einiger Wirtschaftsverbände und große Teile der Berliner Presselandschaft gerade einmal 20,7 Prozent der Wählerstimmen einfährt, der kann einpacken. Noch einmal Millionen in einem Wahlkampf zu versenken, der von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, dass macht nicht einmal die extrem geschwächte Hauptstadt-CDU mit. Stattdessen wird dann womöglich der mausgraue Ingo Schmitt in die Schlacht geworfen. Begründung: Er ist wenigstens ein Berliner…

Doch auch so wird es die Frontstadt-CDU nicht schaffen. Gegen eine urbane Wählerklientel die sich zumeist aus den konservativen ländlichen Regionen (Schwaben, Bayern, Thüringen, Sachsen, Hessen) rekrutiert, weil sie wenigsten halbwegs aus dem Mief ausbrechen will, kann man mit der alten Mauerrhetorik einfach nicht mehr gewinnen. Zumal eben jene Frontstadt-Berliner die die CDU wählen würden, wenn Sie können in den Brandenburger Speckgürtel wegziehen und somit ebenfalls langfristig wegfallen. Eine moderne Großstadt-CDU - wenigstens in Ansätzen - gibt es derzeit nur in Hamburg, der Stadt die wenigstens ein Tor zur Welt hat. In der Berliner CDU ist dieses Tor immer noch durch eine Mauer vernagelt. Da kann der Pflügler noch soviele rappende Jugendliche via Youtube in die Spur schicken, es nützt nix, der alten Dame CDU reicht ein ideologisches Facelifting schon lange nicht mehr…

Vielleicht ist die Tempelhof-Kampagne ja aber auch das Gesellenstück von Friedbert Pflügler, und wenn alles gut läuft wird er - nach dem er von seinen Ämter zurückgetreten ist - neben dem Chef der Interessengemeinschaft Berlin Tempelhof (ICAT e. V.) ebenfalls bald Geschäftsführer bei einer privaten Fluglinie. Gerüchteweise soll man da ja auch mehr verdienen als der Regierende Bürgermeister…

30 Jahre Scum

AnarchofeminismusScum als solchen gibt es natürlich viele Jahre mehr und wird es auch immer geben, egal wie oft Fußballfans, ihn auffordern nach Hause zu gehen. Darum soll es aber nicht gehen: Die Welt feiert heute das 30-jährige Jubiläum der Gründung von S.C.U.M., der Society for Cutting up Men, eine durchgeknallte Initiative einer ebenso durchgeknallten Valerie Solanas, die zum Einen durch ihren Männerhasserclub, zum Anderen durch den versuchten Mord an Andy Warhol Bekanntheit erlangte. Wie so viele hatte Solanas ihre ganz eigene Vorstellung einer geheilten Welt und propagierte die Vernichtung der Männer und den Aufbau einer exklusiv femininen Gesellschaft auf der Basis künstlicher Befruchtung, was sich fortan Anarnchofeminismus nennen sollte. Muss es einen beunruhigen, dass dieses Label von jungen Frauen auf Berliner Antifademos kreischend für sich beansprucht wird? Die Wurzeln des sogenannten Anarchofeminismus jedenfalls, sind nach der Lektüre des S.C.U.M. Manifests wenig rühmlich. Zart besaitet darf man als Anarchofeministin nicht sein, da Frau Solanas gelinde gesagt recht radikale Ideen hatte. Einige hat sie sich aber auch nur abgeguckt: die Nummer mit der Vergasung z.B. hat sie von Heinrich Himmler geklaut…aber lesen Sie selbst: (Continued)

Ein Herz für Deutschland…

Wenn es um China und Tibet geht, platzt den Tibetfans recht schnell die Hutschnur. Schon ein klein wenig Kritik an dem Gebaren der tibetischen Lamas und ehe man sich versieht wird man als Anhänger einer postkommunistischen Diktatur denunziert. Die von Tibetkritikern hevorgebrachten Argumente werden als haltlos bezeichnet, da ja die chinesische Regierung ebenso argumentiert. Alles in allem eine recht komfortable Position, doch, was wenn die halbwegs seriöse Presse aus Deutschland ebenfalls solch unappetitlichen Fakten ausgräbt? Was dann?

Den Oberkörper zur traditionellen Begrüßung gebeugt, in den Händen einen buddhistischen Gebetsschal - und auf dem Kopf einen Tropenhelm mit SS-Runen: So posierten deutsche Rasseforscher 1938 bei einer NS-Expedition ins bis dahin weitgehend unerforschte Tibet. Auf dem Dach der Welt sollte die Truppe aus Nazi-Deutschland Beweise für die Herkunft der arischen Rasse finden. Der “Reichsführer-SS” Heinrich Himmler war überzeugt, dass sich im Himalaja überlebende “Arier” einer untergegangenen, prä-antiken Zivilisation aus Atlantis über die Jahrtausende gerettet hätten. Als ein krudes Indiz für diese wirre Theorie musste das Hakenkreuz herhalten, im tibetischen Kulturkreis seit Jahrhunderten ein Glückssymbol.SPON

Klingt beinahe so als würde die prochinesische Fraktion gerade die Redaktion von Spiegel Online besetzt halten. Ist aber nicht so. Zwei Journalisten haben einfach einmal die Archive durchforstet:

Bleibendes Zeugnis der Tibet-Expedition ist der Dokumentarfilm “Geheimnis Tibet”, den die SS-Expedition auf dem Dach der Welt drehte. Die Uraufführung fand im Januar 1943 im Münchner Ufa-Palast statt. Nicht nur der berühmte schwedische Asien-Forscher und Nazi-Sympathisant Sven Hedin war begeistert - die Exotik des Himalaja faszinierte das vom Krieg langsam zermürbte Publikum und machte den Streifen an den deutschen Kinokassen zu einem echten Schlager, ja verursachte im Reich einen regelrechten Tibet-Rausch.

Tibet-Rausch? Den kenne ich irgendwoher. Medizinisch lässt er sich so zwischen Wahn und Halluzination verorten. Politisch zwischen linksradikal und rechtsextrem angesiedelt hat der Rausch in Deutschland seine endgültige Breitenwirkung erreicht. Doch wie bei jeder Droge wird der Kater recht bald einsetzen…

Der Film selbst projizierte alle NS-Klischees auf die Tibeter - die friedliebende Seite des Lamaismus blieb außen vor, stattdessen startete der Film mit einem tibetischen Kriegstanz. “Ihrem Kriegsgott beweisen sie die höchste Kraft, Härte und Zucht”, so der O-Ton. Auch Totenrituale, bei denen die Leichen der Verstorbenen von Geiern verzehrt werden, und vor allem das buddhistische Glückssymbol in der Form des Hakenkreuzes, das auch “das höchste und heiligste Symbol der Deutschen” sei, hatten es den Filmemachern besonders angetan. Das Propagandaministerium verlieh dem Tibet-Film denn auch alle Prädikate, die Nazi-Deutschland zu vergeben hatte: “Staatspolitisch wertvoll”, “künstlerisch wertvoll” und “Kulturell wertvoll”.

Tibet-Solidarität ist sogar heute noch “staatspolitisch wertvoll”. Stefan Wirner, der ehemalige Hausdrachen der linkspluralistischen Jungle World stellt dies - nach seinem übereilten Abgang aus der Redaktion - deutlich unter Beweis. Seine Parodie einer ehemals antinationalen Parole dient eigentlich nur dem Zwecke am Ende, ganz am Ende seiner politischen Irrfahrt, sein Herz für Deutschland wieder zu entdecken. Denn selbst solch erfahrene Geisterfahrer wie Wirner brauchen ein wenig Halt…